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Dem Himmel näher ist der Wanderer an der Kapelle am Fahrenbergkopf – und genießt zudem die fantastischen Tiefblicke auf den Walchensee.

Auf der Sonnenseite

Aussichtsreiche Frühjahrswanderung am Walchensee

Der Blick über den See beruhigt – der Blick zu den Bergen lässt einen träumen. Schon immer haben Bergseen eingeladen, zum Stift oder zum Pinsel zu greifen.

Als sich der in Ostpreußen geborene Maler Lovis Corinth in Urfeld niederließ, war es um ihn geschehen. Fasziniert von der Schönheit des Walchensees malte er pausenlos. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Seine Gemälde wurden ihm quasi von der Staffel weggekauft. 

„Und miaßt i bald sterben, und grabn’s mi ei, mei Grab, des muaß nacher am Walchnsee sei.“ So dichtete Ludwig Ganghofer, betört von der Magie des tükisblauen Sees und freilich auch von einem hiesigen „Deanei“ (Mädchen). Verführt vom Gegensatz der rauen Bergwelt zu den sanften Seen, zieht es heute Wanderer in dieses Terrain zwischen Isarwinkel und Estergebirge. Um das aktuelle Spritztourenziel „Fahrenbergkopf“ zu erklimmen, schnürt man die Bergstiefel an der Talstation der Herzogstandbahn. Der Panoramaberg Fahrenbergkopf ist der kleine, unbekanntere Bruder des Herzogstands. Da der Aufstieg gänzlich auf der Sonnenseite verläuft, sind ein Getränk und die Sonnencreme im Rucksack gewiss gute Begleiter. Anfangs führt der Weg steil in lichten Mischwald hinein. Schon bald lässt die Steilheit zugunsten vieler langer Serpentinen nach. Auf aussichtsreichen Grasschneisen lockt immer wieder der sagenhafte Bergblick. Doch der Weg ist schmal und voller Stolpersteine. Also: Lieber stehen bleiben zum Schauen! 

Viele mediterran anmutende Kiefern zieren die Landschaft

Richtig spannend ist dann die Etappe im Kessel des „Wassergrabens“. Hier quert man im Auf und Ab steile schrofendurchsetzte Hänge. An ausgesetzten Stellen stößt man aber auf ein dickes Drahtseil. Sollte das Wegerl vereist sein, ist der Griff danach empfehlenswert. Weiter oben drängen immer mehr saftig grüne Latschen ins Bild. Nach den letzten Serpentinen und einer langen Querung steht man auf einem flachen Sattel direkt auf dem Platz des ehemaligen „Königshauses“, einem beliebten Rückzugsort von Ludwig II. Dahinter lugt der Berggasthof Herzogstandhaus hervor. 

Doch mit der Einkehr sollte man vielleicht noch warten, denn ein voller Magen wandert nicht gerne. Der kurze Gipfelanstieg gibt den Blick frei auf das Voralpenland und auf die Schneereste im breiten nordseitigen Kessel unterhalb des Gasthofes. Der reizende Steig schlängelt sich zwischen Latschen am Kamm entlang. Erst ganz am Schluss zeigt sich der Gipfel des Fahrenbergkopfs samt Kapelle, Kreuz und Bankerl. Auf der kleinen Mauer rund um die Gipfelterrasse sitzen bei Kaiserwetter die Wanderer wie „Hühner auf dem Stangerl“ und staunen in die Ferne. Karwendel, Wettersteingebirge, die Firnfelder der Stubaier Berge und der Himmel – alles scheint greifbar nahe zu sein. 

Wer sich den Abstieg sparen will und lieber gemütlich mit der Seilbahn ins Tal fahren möchte, steigt am Kamm entlang nach Osten. Nach ein paar Minuten trifft man auf eine steile Treppe, die zielgenau zur Bergstation führt. Sobald sich die Seilbahn in Bewegung setzt, kleben die Mutigen direkt am talseitigen Fenster und genießen während der Abfahrt den kribbelnden Blick aus der Gondel hinab zum türkisblauen Walchensee.

Von Doris Neumayr

FAHRENBERGKOPF (1627 METER)

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau / Kochel. Auf St2062 nach Kochel. Hier B 11 über Kesselberg Richtung Urfeld / Walchensee. Gleich nach dem Ortsschild Walchensee rechts auf den großen Parkplatz der Herzogstandbahn (gebührenpflichtig). Bahn: Regelmäßige Verbindung München – Kochel. Weiter per Bus-Linie 9608 Richtung Walchensee / GAP, Haltestelle „Herzogstandbahn“ (Alternativ: Bahn bis Garmisch- Partenkirchen).

TOUR – Leichte bis mittelschwere Tour: Insgesamt 840 Höhenmeter, Auf- und Abstieg jeweils 4 km, Gehzeit Aufstieg ca. 2,5 Stunden, Gehzeit Abstieg: ca. 2 Stunden; schmaler Bergweg, kurze ausgesetzte Stellen sind mit einem Drahtseil gesichert, Trittsicherheit und feste Wanderstiefel sind erforderlich (evtl. Wanderstöcke), bei Vereisung des Weges erhöhte Vorsicht! Aufstieg: Auf dem Parkplatz der Herzogstandbahn (804 m) hält man sich rechts (Osten). Am Ende des Parkplatzes stößt man auf einen Weg und einen gelben Wegweiser (Herzogstand Haus, H2, 446). Der Weg leitet gleich zügig steil in lichten Mischwald hinein. In vielen Serpentinen dreht die immer eindeutige Routenführung bald nach Westen/Nordwesten. Man quert auf gutem, aber schmalem Weg steile, aussichtsreiche Grasschneisen. Mit zunehmender Höhe zieht sich der Baumbestand (Kiefern, Fichten) zurück, mischt sich mit der Latschenzone. Man quert den sehr eindrucksvollen „Wassergraben“ (Drahtseile). Nach weiteren steilen Serpentinen geht’s in einer flacheren Querung ostwärts auf einen Sattel. Hier trifft man auf einen breiten flachen Weg, die Herzogstandhäuser und das Berggasthaus Herzogstand. Nun hält man sich an die Ausschilderung Fahrenberg-Kapelle und kommt nach wenigen Metern an einen kleinen beschilderten Linksabzweig. Ein Steig leitet aufwärts und dann am Kamm entlang. Bald kommt man auf eine kleine Terrasse mit Kreuz, Bankerl und Kapelle. 

Abstieg: Der Rückweg verläuft über dieselbe Route.

SEILBAHN – Die Herzogstandbahn verkehrt Mo bis Fr von 10-15.45 Uhr, am Wochenende von 9 bis 16.15 Uhr. Informationen: www.herzogstandbahn.de

EINKEHR – Berggasthof Herzogstandhaus: Wintersaison (bis 30.4.) Fr, Sa, So geöffnet (in den Schulferien täglich). Übernachtungen nach Voranmeldung möglich. Tel.: 0 88 51 / 234; www.berggasthaus-herzogstand.de

WALCHENSEEMUSEUM – Werke von Lovis Corinth und anderen Künstlern. Das Museum ist noch in Winterpause. Öffnungszeiten für die Saison 2017 unter www.walchenseemuseum.de; Tel. 089 / 928 600 92; Gruppenführungen auch außerhalb der Saison möglich.

Wandertrends im Überblick: Die Hütte ist das Ziel

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