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Immer wieder grandios: Die Aussicht vom Herzogstand und seinem direkten Nachbarn, dem Fahrenbergkopf, über den Walchensee zu den verschneiten Alpengipfeln.

Königlicher Skispaß

Auf den Fahrenbergkopf führen viele Wege

Pistenskitour oder „echte Skitour“? Wer sich nicht entscheiden mag, steigt vielleicht dem Fahrenbergkopf im Estergebirge aufs Haupt. Und auch, wenn die Lawinengefahr etwas brenzlig sein sollte...

...könnte der kleine Bruder des Herzogstands das richtige Ziel sein. Gleich nach dem Start am Kesselbergsattel zieht der traumhafte Walchensee die Blicke aller Skitourengeher auf sich. Doch schon wenig später scheiden sich die Gemüter: Die einen laufen schnurstracks entlang der gewalzten Piste bis zum Herzogstandhaus oder weiter bis zum Fahrenbergkopf und freuen sich, wenn sie eine Minute schneller oben sind als beim letzten Mal.

Die anderen spuren gemächlich in vielen flachen Serpentinen den Forstweg hinauf und genießen die dick verschneite Winterlandschaft. Sobald der große Kessel am Fuße des Herzogstands erreicht ist, sollten aber auch Forstwegliebhaber ihren Kurs überdenken und bei Lawinengefahr lieber scharf nach links abdrehen und der steilen Pistenschneise in Richtung Herzogstandhaus folgen. In der Nähe des Berggasthauses trifft man gelegentlich die Turnschuhfraktion, die bequem mit der Seilbahn in die winterliche Bergwelt gelangt ist und nun frierend der warmen Gaststube zustrebt.

Um 1865 ließ König Ludwig II. heroben ein imposantes Haus bauen. Doch von diesem wie dem danebengelegenen Jagdhaus von Max II. ist heute leider nichts mehr zu sehen. Verheerende Brände, durch Blitzschlag und einen defekten Kamin verursacht, führten zur völligen Zerstörung der Gebäude. Immerhin steht das 1992 erbaute Berggasthaus auf königlichem Fundament, denn dieses hielt dem Brand stand. Den Fahrenbergkopf samt Kapelle und Kreuz sieht man erst kurz vor dem Gipfel, denn er ist gut versteckt hinter Latschen.

Auf dem Gipfelplateau, das eine niedrige Mauer säumt, bekommt man von der Betriebsamkeit ums Herzogstandhaus rein gar nichts mit. So dass man sich nach Herzenslust dem fantastischen Panorama widmen kann. Bei klarer Sicht erspäht man sogar die glänzenden Schneefelder des Lüsener Ferner in den Stubaier Alpen.

Über dem türkisblauen Walchensee ragt wie ein mächtiges Bollwerk das Karwendelgebirge in den Himmel. Nur schwer reißt man sich vom Gipfelblick los, doch auch in eine Daunenjacke gekuschelt, kriecht die Kälte langsam höher. Idealerweise nimmt man sich jetzt den kleinen feinen Freerider-Hang neben dem Fahrenberglift vor. Sollte der anstatt feinsten Pulverschnee, fiesen Bruchharsch aufweisen, so kann man ja immer noch brav die Skipiste hinunterschwingen und weiter unten erneut einen Abstecher ins unpräparierte Gelände wagen. Wer dann feststellt, dass er eigentlich lieber abfährt als aufsteigt, könnte vor Ort einen bayerischen „Skiabfahrts-Klassiker“ testen: die Auffahrt erfolgt mit der Bergbahn, dann flitzt man über die fast fünf Kilometer lange Piste hinab bis Urfeld, anschließend schaukelt man bequem mit dem Pendelbus zurück zur Talstation der Bergbahn und macht das gleiche nochmal und nochmal und nochmal...

Doris Neumayr

FAHRENBERGKOPF (1627 METER)

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau / Kochel. Weiter über Schlehdorf nach Kochel. In Kochel auf die B 11 Richtung Walchensee, Kesselberg hinauf bis Passhöhe (850 m), dort parken. Bahn: Bis Kochel. Weiterfahrt mit dem Bus Linie 9608 Richtung Walchensee / Garmisch-Partenkirchen (ca. 1,5- bis 2-Stunden-Takt). Auf der Kesselberghöhe hält der Bus nur in Richtung Süden. Nach Norden muss man in Urfeld zusteigen! Info: www.bahn.de; www.rvo-bus.de

TOUR – Höhenmeter: 780 m, Aufstiegszeit: ca. 2 Std.; Hangrichtung Nord, Ost; leichte Skitour, lawinenkundliches Beurteilungsvermögen erforderlich, Achtung: Wegen Pistenpräparierung mit Seilwinde ist von 17 Uhr abends bis 8 Uhr morgens das Betreten der Pisten verboten.

Aufstieg: Direkt am Kesselbergsattel beginnt ein Forstweg (Schild: Herzogstandhaus). Diesem folgt man bis zu einer Lichtung mit Hochspannungsmasten, wo man auf die Skipiste trifft (die Piste zieht hinunter bis nach Urfeld). Man steigt über die Lichtung empor und rutscht wenig später nach rechts leicht bergab in eine Mulde (ein Forstweg umgeht die Mulde). Nach einem kleinen Anstieg aus der Mulde geht’s zunächst flach weiter. Dann folgt man immer den mittelsteilen Schneisen bergauf (die Pistenschneisen können größtenteils über einen Forstweg umgangen werden). Man kommt in einen großen Kessel am Fuße des Herzogstands (Lawinenwarnschilder). Hier wendet man sich scharf nach links (Süden) und steigt über die Skipiste geradeaus hinauf. Später quert man vorsichtig den Fahrenberg- Schlepper und hält sich in Richtung Herzogstandhaus (bereits sichtbar).

Zum Fahrenbergkopf geht es vom Herzogstandhaus nach links (Osten) empor bis kurz vor die Bergstation des Fahrenberg-Schleppers. Nach einer scharfen Rechtskurve kommt man zum hinter Latschen versteckten Gipfelkreuz mit Kapelle.

Abfahrt: wie Aufstieg.

EINKEHR – Berggasthaus Herzogstand; im Winter Fr., Sa. und So. geöffnet; Mo bis Do geschlossen. T.: 0 88 51/ 234; kurzfristige Änderungen werden auf der Homepage angekündigt: www.berggasthaus-herzogstand.de

HERZOGSTANDBAHN – Mo-Fr von 10 bis 15.45 Uhr, am Wochenende von 9 bis 16.15 Uhr in Betrieb. Der Pendelbus zwischen Urfeld und der Talstation ist für Skifahrer mit Tageskarte kostenlos (letzte Busfahrt ab Urfeld 16.30 Uhr). Der Fahrenberglift ist in den Winterferien und am Wochenende (je nach Schneelage!) in Betrieb. Aktuelle Infos: www.herzogstandbahn.de; Tel.: 0 88 58 / 236.

KARTE – AV-Karte Bayerische Alpen (BY9), Estergebirge, Herzogstand, Wank, 1:25 000; Kompass-Karte 7, Murnau, Kochel; 1:50 000.

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