Warum immer mehr Hobbysportler auf Alpengipfel joggen

Faszination Berglauf

Sie gelten als Spinner – spätestens, seit im Juli 2008 zwei Bergläufer bei einem Rennen auf die Zugspitze ums Leben gekommen sind. Trotzdem wird diese alpine Form des Langstreckenlaufs immer beliebter.

Experte im Interview

Dr. Roger Hofmann: Was bei Berglauf wichtig ist

An die 300 Wettkämpfe dieser Art gibt es im Alpenraum. Von A wie Astenlauf (mit Start im bayerischen Flintsbach) bis Z wie Zugspitze. Nicht alle Bergläufe sind so extrem wie der auf Deutschlands höchsten Berg. Zum Beispiel der moderate Wallberglauf, der immer am 1. Mai stattfindet: 284 Leichtathleten haben im vergangenen Jahr die 830 Höhenmeter absolviert, der schnellste in 31,35 Minuten.

Die tz war dort und hat unter anderem mit Teilnehmern über die Faszination Berglauf gesprochen (siehe unten). Helmut Reitmeier (66) ist zweifacher Berglaufweltmeister und organisiert den Wallberglauf.

Das Spinner-Image seiner Disziplin geht dem Münchner auf die Nerven: „Bei Marathonläufen in der Ebene fallen regelmäßig Teilnehmer tot um…“, sagt Reitmeier lapidar. Auch er hatte sich zum Zugspitzlauf 2008 angemeldet, sah jedoch den Wettersturz kommen und machte kurz vor dem Start einen Rückzieher. „Wie viele da in dünnen Hemdchen in ihr Unglück gerannt sind – da trägt auch jeder Einzelne Verantwortung“, sagt Reitmeier im Panoramarestaurant, wo die Wallberg-Finisher gerade ihren im Startgeld (20 Euro) enthaltenen Kaiserschmarrn verschlingen.

Künstliches Doping ist laut Reitmeier kein Thema: „Wir sind Breitensport.“ Für Reitmeier und seine Mitläufer muss ein Bergrennen gewisse Kriterien erfüllen. Zum Beispiel eine „durchschnittliche Mindeststeigung“ von zehn bis zwölf Prozent. Vor allem aber müsse die Rennstrecke oben enden und dürfe keinesfalls wieder bergab führen. Da ist sich Reitmeier mit dem Feldafinger Arzt und Laufsportexperten Roger Hofmann einig, der erklärt: „Bergab ist die Belastung auf die Knie oder das Becken besonders hoch. Zum Zweiten besteht dort auf holprigen Pfaden eine größere Gefahr des Umknickens.“

Im Gegensatz zu den meisten Bergläufen führen Bergmarathons auch wieder herunter. Der Mont-Blanc-Marathon etwa summiert auf den 42,2 Kilometern 2190 Höhenmeter in der Steigung und 1190 im Gefälle. Beim Jungfrau-Marathon im Berner Oberland muss man sich schon ranhalten, um einen der 4000 Starterplätze zu ergattern. Wieder eine andere Kategorie sind sogenannte Ultra-Läufe, etwa der Grand Raid auf La Réunion. Auf der Vulkaninsel im Indischen Ozean ist auch Helmut Reitmeier schon gelaufen: 125 Kilometer und 8200 Höhenmeter in 26,50 Stunden. Er hat die Anden überrannt, die Gebirge Namibias durchlaufen und den Tafelberg im Sturm genommen. Der ehemalige Inhaber einer Reprofirma trainiert fast täglich im Münchner Ostpark und absolviert etwa 15 Bergläufe pro Jahr.

Was die Faszination Berglauf ausmacht? Reitmeier lacht, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt: „Die Natur natürlich und der Kampf auf den Berg!“ Sagt’s und macht sich mit anderen Bergläufern auf den Rückweg: ganz kommod mit der Wallbergbahn.

Deshalb laufen wir auf dem Wallberg

Bekommt mir gut

Trotz meines Alters bekommt mir das Berglaufen sehr gut – es zwickt noch nicht in den Knien. Jeder kann das schaffen, wenn er nicht vorher aufhört zu laufen. Ich trainiere etwa dreimal pro Woche und mache etwa sechs Bergläufe pro Jahr. Es ist faszinierend, wie schnell man Berge erklimmen kann. Bergab hingegen fühle ich mich nicht wohl.

Fritz Schuhmann (80), Rentner aus Knetzgau (Unterfranken)

Mir hat die Kraft gefehlt

Die Kondition war nicht das Problem, aber mir ist die Kraft in den Füßen ausgegangen. So habe ich 47 Minuten 50 gebraucht – na ja. Im Vergleich zu einem Lauf in der Ebene ist ein Berglauf unrhythmischer, weil es mal steiler, mal flacher bergauf geht.

Anton Pritschet (40), Elektrotechniker aus Ilmmünster bei Pfaffenhofen

Berauschende Atmosphäre

Das hier war mein erster Berglauf, und ehrlich gesagt: Ich habe es mir anstrengender vorgestellt. Die Atmosphäre ist der Wahnsinn, die Landschaft berauschend. Bislang bin ich drei Halbmarathons gelaufen. Mein großes Ziel ist der Jungfrau-Marathon in der Schweiz.

Jessica Kammerer (29), Erzieherin aus Thaleischweiler (Pfalz)

Berglauftermine 2010 in Bayern

13. Mai: Herzogstand-Berglauf (6 Kilometer, 716 Höhenmeter)

27. Juni: Osterfelder-Berglauf GAP (12,5 km, 1300 hm)

4. Juli: Nebelhorn-Berglauf Oberstdorf (10,5 km, 1405 hm)

11. Juli: Zugspitzlauf Extrem Ehrwald (17,9 km, 2235 hm)

25. Juli: Karwendellauf Mittenwald (11 km, 1425 hm)

15. August: Brünnstein-Berglauf Oberaudorf (8,5 km, 880 hm)

26. September: Hochfelln-Berglauf Bergen (8,9 km, 1074 hm)

 

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