+
Ungewohntes Panorama: Vom Kleinen Fischberg aus reicht der Blick über den Walchensee bis hin zum Wetterstein (Mitte) und Estergebirge (rechts).

Kurzes Abenteuer

Fischberg: Rundwanderung über dem Walchensee

Eine Bergwanderung auf Forstwegen? Kann so eine Tour überhaupt interessant sein? Und ob! Zum Beispiel beim unbekannten Fischberg direkt über dem Walchensee.

Der südliche kleinere Gipfel des bauchigen Waldbergs, quasi der „Kleine Fischberg“, hat auf seiner Südseite eine kahle Fläche. Aufgrund vergangener Holzarbeiten durchziehen vergraste Wege die baumfreien Hänge – und die sind auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen...

Zunächst aber beginnt die Tour auf einem klar beschilderten Talweg, der vom Walchenseeufer bei Niedernach Richtung Jachenau führt. Über stillen Wiesen grüßen rechter Hand unbekannte Waldberge namens Rautberg und Sagrinnenköpfel, beides keine Wanderziele. Bald biegt man gen Westen und steigt auf einem nicht markierten Forstweg den Wald hinauf. Hier lag schon immer das Reich von Förstern und Jägern. Auf alten Karten des 19. Jahrhunderts heißt es gar: „Koeniglicher Fisch-Berg“.

Weiter oben beginnt der Kahlschlag und aus dem kiesbedeckten Sträßchen werden grasüberwachsene Spuren. Zwischen jungen Nadelbäumen und Jägerständen ziehen die den Südhang hinauf. Und wer richtig hinschaut, hat auf ihnen schon bald den „Westgipfel“ des Kleinen Fischbergs erreicht. 1088 Meter ist er hoch; kein Kreuz, kein Steinmann ziert die Höhe, nur Baumstümpfe. Doch das stört angesichts der freien Aussicht wenig: Der Walchensee liegt einem zu Füßen, dahinter ziehen sich lange dunkle Waldkämme dahin. Die tragen unter anderem den Altlacher Hochkopf, einst Refugium mit Jagdhaus von König Ludwig II. Dahinter glänzen die Zweitausender vom Schafreuter über die Karwendelkette und Soierngruppe bis hinüber zum Wettersteingebirge. Rechts hinter dem Walchensee erhebt sich das Estergebirge mit der Spitze des Simetsbergs, dahinter lugen die Grate von Krottenkopf und Hoher Kiste heraus.

Übrigens lohnt ein Abstecher auf den exakt 13 Meter höheren „Ostgipfel“ des Kleinen Fischbergs nicht: Er ist von vielen Bäumen bedeckt. So führt ein stiller Forstweg den Wanderer auf der Nordseite wieder nach unten in ein kleines Tal. Von dort gäbe es noch einen möglichen Anstieg zum nördlich benachbarten Großen Fischberg. Doch der lohnt höchstens für Konditionssammler, da der Gipfel von Wald überzogen ist. So spaziert man auf einer bequemen Forststraße weiter nach unten. Bei einer Forsthütte mit freier Aussicht blitzt schön der Walchensee herauf.

Bald ist der vielbegangene Uferweg erreicht, an dem Bänke und ein felsiger Strand zum Rasten, Schauen und Abkühlen einladen. Der Rückweg zum Parkplatz ist dann nur noch kurz. Bevor man dort in der Waldschänke einkehren kann, blickt man rechts zum Wasserkraftwerk von Niedernach. Das Industriedenkmal von 1951 erzeugt noch heute 2,4 Megawatt Strom. Dazu nutzt es das Wasser des Rißbachs aus dem Karwendel, das mittels Stollen durch die dazwischen liegenden Waldberge fließt. Anschließend ergießt es sich in den Walchensee. Von dort aus erzeugt es dann noch einmal Strom, indem es vom Nordufer 200 Meter tief durch das Walchenseekraftwerk zum Kochelsee fällt...

von Christian Rauch

Kleiner Fischberg (1100)

ANFAHRT – Der Ausgangspunkt Niedernach liegt an der Mautstraße zwischen der Jachenau und dem Walchensee- Südufer. Die Mautstraße erreicht man über die A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen, weiter über Bad Tölz, Lenggries und die Jachenau. Oder von Richtung Westen über die A 95 München – GAP, Ausfahrt Kochel, weiter über Kochel zum Walchensee. In Niedernach gibt es vor und nach der Brücke bei der „Waldschänke“ Parkplätze.

WANDERUNG – Gehzeit: ca. 2,5 Stunden. Höhenunterschied: 300 Meter. Leichte Tour mit Forststraßen und grasigen Forstwegen. Etwas Orientierungssinn erforderlich, da nicht markiert oder beschildert! Verlauf: Von der Straße zweigt südlich der Brücke (auf der der Waldschänke gegenüberliegenden Brückenseite) ein Weg ab (Schild: Frei für Forstbetrieb und Anwohner). Auf diesem und anschließend dem Fußweg Richtung Jachenau am Bach entlang. Wo sich der Zaun rechter Hand wieder vom Weg entfernt, steht links ein eckiger Metallbehälter. Hier links über den Bach und zu einem ehemaligen Parkplatz. Über die Straße und, vorbei an einer rot-weißen Schranke, den Forstweg in den Wald hinauf. Auf einer größeren Forststraße rechts. Wo der kiesbedeckte Weg endet (links oberhalb ein Jägerstand), geradeaus kurz steil auf einer felsig-groben Wegspur hinauf. Dann auf grasigem Forstweg links leicht steigend durch die kahlen Hänge. Immer aufwärts halten in Richtung eines weiteren Jägerstands. Erst unterhalb, dann links neben ihm vorbei und hinauf auf das Gipfelplateau. Oben führt der Abstiegsweg geradeaus nordwärts in den Wald (kurz vor dem Wald kann man links einer Wegspur folgen und erreicht links aufwärts den freien höchsten Punkt). Der Abstiegsweg führt in ein Tal hinunter (zwischendurch in einer Linkskurve kurzer Gegenanstieg). Dort links auf einer Forststraße weiter und auf ihr bergab bis zum Seeufer. Dort links zurück zum Parkplatz.

EINKEHR – Waldschänke Niedernach, Do/Fr Ruhetage. Tel.: 0 80 43/ 397; Internet: www.jachenau.de/waldschaenke-niedernach

KARTE – Kompass–Karte 7, Murnau/Kochel.

Auch interessant

Kommentare