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Schlauch flicken, aufpumpen und wieder montieren: Kein Problem, wenn man’s kann. Wenn nicht, helfen Pannenschutzgürtel oder Pannenschutzmilch, um gegen einen platten Fahrradreifen gewappnet zu sein.

Die Milch macht’s dicht

Und plötzlich ist die Luft raus: Ein Platten am Fahrrad kann ganz schön ärgerlich sein. Erst recht bei einem Rennen oder bei Schlechtwetter irgendwo in der Diaspora, wenn die Bereifung den Dienst versagt.

Flickzeug und das Wissen darum, wie es benutzt wird, sollten auf Radtour deshalb nie fehlen. Es gibt aber weitere Möglichkeiten, sich vor Platten zu schützen.

Egal, ob sich ein Dorn durch den Reifen gebohrt hat oder der gefürchtete „Snakebite“ (ein Durchschlagen des Mantels auf die Felgenränder) ein Doppel-Loch im Schlauch verursacht: Ein platter Reifen unterwegs bedeutet immer eine Zwangspause. Experten machen ihr Rad in fünf Minuten wieder fahrbereit, wenn sie einen Ersatzschlauch und geeignetes Werkzeug – insbesondere einen Reifenheber zum Entfernen des Mantels – im Gepäck haben. Ansonsten hilft eben das klassische Flicken: das Loch lokalisieren, die Stelle im Schlauch anschmirgeln, Vulkanisierflüssigkeit auftragen und mindestens fünf Minuten lang antrocknen lassen, dann den Flicken von der Folie abziehen und fest andrücken. Der Schlauch ist nun sofort wieder einsatzbereit. Alternativ gibt es mittlerweile Schnellflickzeug, das wie ein Pflaster einfach aufgeklebt wird und eine Weile recht gut hält.

Wer sich die – je nach Wetter und Örtlichkeit bisweilen nervige – Flickerei sparen möchte, muss sein Fahrrad von vornherein aufrüsten. Entweder mit „unplattbaren“ Reifen oder mit spezieller Pannenschutzmilch, die Löcher sofort verschließt. Weiterhin stellt sich die Frage: mit oder ohne Schlauch fahren? Alle Methoden haben Vorund Nachteile.

Unbekümmert durch Dornengestrüpp oder einen Scherbenhaufen

Die renommierten Reifenhersteller haben inzwischen einen Pannenschutzgürtel entwickelt. Er besteht aus speziellen Gummimischungen, in die Kevlarfasern integriert werden. Dazu kommt eine Schicht aus Spezialkautschuk im Bereich der Lauffläche. Als „unplattbar“ gilt beim deutschen Reifenhersteller Schwalbe, der in puncto Pannensicherheit verschiedene Levels anbietet, die „Smart-Guard“-Technologie mit extrem verstärkter Seitenwand und einer fünf Millimeter starken Kautschukschicht, die nicht mal eine eingefahrene Reißzwecke zu durchdringen vermag. Nachteile dieser robusten Mäntel: Sie sind schwerer, haben einen etwas höheren Rollwiderstand und federn weniger stark – eine gute Lösung für Normalradfahrer, vor allem in der Stadt.

Tubeless-Bereifung

Sportlich ambitionierte Radfahrer indes, die auf jedes Gramm Gewicht sowie, sofern sie rennmäßig unterwegs sind, auch Wert auf geringen Rollwiderstand legen, müssen ihre Räder etwas aufwendiger präparieren. 1999 hat die Firma Mavic das Schlauchlos- System UST („Universal System Tubeless“) auf den Markt gebracht, quasi eine Analogie zu Autoreifen – ambitionierte Mountainbiker schwören darauf. Der Vorteil der Tubeless- Bereifung: Weil es keinen Schlauch gibt, spart dies Gewicht; auch der gefürchtete „Snakebite“-Platten ist nicht möglich. Nachteil: Man benötigt für die speziellen Reifen auch spezielle Felgen und spezielle Ventile – die Montage ist aufwendiger als bei einem üblichen Mantel. Ob Dorn, Nagel oder Scherbe: Auch ein Tubeless- Reifen kann freilich einen Platten bekommen. Die althergebrachte Methode der Problemlösung ist es in diesem Fall, einfach einen Schlauch einzuziehen (den man selbstverständlich im Gepäck haben sollte und bei dem die Ventilgröße zum Durchlass in der Felge passen muss).

Pannenschutzmilch

Die Alternative ist es, mit Pannenschutzmilch zu arbeiten, die vorab in den Schlauchlos-Reifen eingefüllt wird. Generell ist zwischen zwei Arten von Pannenschutzflüssigkeiten zu unterscheiden. Die erste Sorte arbeitet rein mechanisch: Sie enthält kleine Fasern oder Partikel, die das Loch verstopfen. Vorteil: Solche Flüssigkeiten sind quasi unbegrenzt im Schlauch wirksam. Nachteil: Das Loch ist nicht wirklich repariert, sondern nur verstopft und kann sich auch wieder öffnen, zum Beispiel beim nächsten Nachpumpen.

Die zweite Sorte von Flüssigkeit basiert auf Latex. Wenn das Latex an die Luft kommt, verfestigt es sich sofort und kann so ein Loch dauerhaft reparieren. Das zeitaufwendige Flicken oder Schlauchwechseln entfällt also. Außerdem verhindert Latexmilch den – bei UST-Reifen öfters vorkommenden – schleichenden Luftverlust. Aber: Diese Flüssigkeiten sind nur für eine begrenzte Zeit (drei bis sechs Monate) wirksam, bevor sie aushärten – man muss sie dann aus dem Mantel herauswischen.

 „Die Erstinstallation der Pannenschutzmilch erfordert ein bisschen Übung“, findet Gunnar Fehlau (38) vom „Pressedienst Fahrrad“. Der Experte scheut die Mühe mit der Latexmilch dennoch nicht: „Man fährt unbekümmerter durch Dornengestrüpp oder einen kleinen Scherbenhaufen.“ Fehlau hat die Pannenschutzmilch übrigens auch schon – als Alternative zum Flicken – in einen Schlauch eingefüllt. „Bei französischen Ventilen ist das kein Problem. Danach einfach den Schlauch durchschütteln und zwei- bis dreimal aufpumpen, schon ist er dicht – ein super Kompromiss, wenn man sich den Aufwand des Flickens sparen will.“

Aus Latex werden übrigens auch Schläuche gefertigt – sie sind elastischer als die üblichen Butylschläuche und deshalb pannensicherer. Weil die Latexschläuche aber ganz langsam Luft verlieren, müssen vor jeder Fahrt der Luftdruck überprüft und nachgepumpt werden.

 

Martin Becker

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