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Das Forsthaus Valepp ist über eine Mautstraße zu erreichen.

Forsthaus Valepp & Erzherzog-Johann-Klause

Horrende Sanierungskosten, keine Pächter: Das Ende der Kult-Hütten

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Ausflüglern und Wanderern blutet das Herz, Mountainbiker kurbeln in Gedanken wehmütig eine Ehrenrunde: Mit dem Forsthaus Valepp und der Erzherzog-Johann-Klause haben sie zwei Fixpunkte in den Münchner Hausbergen verloren.

Die urigen Kult- Hütten sind dicht – auf unbestimmte Zeit! In beiden Fällen droht die zwingend erforderliche Sanierung an horrenden Kosten zu scheitern, es fehlen noch Pläne und Pächter. Wie es mit den Berggasthäusern weitergeht, steht in den Sternen.

Forsthaus Valepp & Erzherzog-Johann-Klause: Wie geht es weiter?

Das wildromantische Waldgebiet zwischen Tegernsee, Spitzingsee und Tiroler Inntal gilt als eine Art magisches Dreieck für Bergfreunde aus München und dem Oberland. An schönen Wochenenden zieht es Heerscharen von Kraxlern an, die von den Wanderparkplätzen in der Valepp (878 Meter) unter anderem zur Erzherzog- Johann-Klause (814 Meter) und wieder zurück stiefeln. Auch Franz Josef Strauß und Helmut Kohl kehrten hier ein, redeten sich bei einer zünftigen Brotzeit und diversen Kaltgetränken die Köpfe heiß. Ein Foto von der legendären Rast am 1. Juli 1983 hing im Gasthaus, es entlockte seither Tausenden Besuchern ein Schmunzeln.

Kult-Hütten: Beliebt bei Wanderern und Mountainbikern

In der Mountainbike- Szene zählt die Valepp-Runde zu den traditionsreichsten Voralpen-Klassikern überhaupt. Pioniere wie Bike-Guide-Erfinder Elmar Moser haben die Strecke populär gemacht. Er schickte seine Fangemeinde mit kleinen Faltblättchen zur Orientierung in die bajuwarische Prärie – für Trendbiker der heutigen Generation beinahe unvorstellbar. Doch egal ob mit Navi am Lenker oder Papierl im Nostalgietrikot – der Stopp in der Erzherzog-Johann-Klause an der Brandenburger Ache fällt nun erst mal ins Wasser. In diesem Herbst gab die Pächterin das Gebäude an die Österreichischen Bundesforsten zurück, man hatte sich nicht auf eine Sanierung einigen können. 

Knackpunkt ist die Finanzierung

„Nach erster Schätzung ist mit Instandsetzungskosten von über einer Million Euro zu rechnen“, erläutert Forst- Sprecherin Pia Buchner im Gespräch. So müsse das Dach gerichtet und die komplette Wasserversorgung erneuert werden. Weil die Bundesforsten das Geld nicht alleine lockermachen wollen, haben sie jetzt die Talgemeinde Brandenberg angezapft. „Die Gespräche über eine gemeinsame Lösung laufen“, versichert Buchner – ohne sich Details oder gar einen möglichen Termin für die Wiedereröffnung entlocken zu lassen. 

Forsthaus Valepp vor dem Aus: Betriebskonzept gesucht

Ähnlich vage klingt der Zeitplan fürs Forsthaus Valepp, das den Bayerischen Staatsforsten gehört. „Wir suchen derzeit einen neuen Pächter mit einem tragfähigen Betriebskonzept. Es gibt bereits erste Kontakte mit Interessenten“, sagt Sprecher Philipp Bahnmüller. Er betont – genau wie seine österreichische Kollegin – dass „der traditionsreiche touristische Standort unbedingt erhalten bleiben“ solle: „Wir haben großes Interesse daran, dass das Gebäude auch weiterhin öffentlich bleibt – nicht zuletzt für Wanderer, Mountainbiker und Erholungssuchende“, so Buchner. Wie viel diese Versprechen wert sind, wird sich wohl frühestens in einigen Monaten herauskristallisieren.

von Andreas Beetz

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