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Alpenverein und Seilbahnverband wollen Aufstiegsrouten für Tourengeher

Friedensschluss im Pistenkrieg

Vor knapp einem Jahr explodierte die Bombe. Damals sperrten die Bergbahnen am Spitzing und am Brauneck ihre Pisten für Skitourengeher (tz berichtete). Der Hauptgrund waren zunehmende Konflikte und auch Kollisionen zwischen Aufsteigern und Abfahrern.

Aus Sicht des Alpenvereins verstoßen generelle Pistensperrungen gegen die Verfassung. Sowohl der Seilbahnverband als auch der Alpenverein bemühten Rechtsgutachter, der Pistenkrieg war voll entflammt.

Über den Sommer haben sich die Gemüter abgekühlt. Die Streithähne setzten sich zusammen – und präsentierten gestern in München gemeinsam einen Lösungsvorschlag: ausgeschilderteAufstiegsrouten damit sich die Sportler seltener in die Quere kommen.

„In den bayerischen Alpen wird es im kommenden Winter ungefähr zehn durchgängige Aufstiegsrouten geben“, erklärte Manfred Scheuermann, der Projektleiter beim Alpenverein. Weitere Skigebiete hätten kleinräumigere Lösungen gefunden, etwa die Umgehung von Kreuzungsbereichen.

Der Präsident des Verbands Deutscher Seilbahnen und Chef der Bayerischen Zugspitzbahn, Peter Huber, berichtete, dass im Skigebiet Garmisch Classic schon jeder zehnte Gast ein Pistengeher sei. Seit dem vergangenen Winter gibt es dort eine Aufstiegsroute. „Die Planung, der Bau, die Verkehrssicherung und das Präparieren solcher Aufstiegswege bedeuten für uns einen erheblichen Mehraufwand“, betonte Huber. Pistengeher lassen ja kein Geld an den Liftkassen.

Viele Bergbahnen sehen den (hoffentlich) kommenden Winter als Testphase für ihre Aufstiegsangebote. Sollten die nicht angenommen werden, drohen wieder Verbote. Auch Christian Neureuther, der gestern als Vermittler auftrat, appellierte an die Pistengeher, die Verhaltensregeln zu befolgen: „Vor allem den Unerfahrenen müssen wir noch klarmachen, dass man zum Beispiel nur am Pistenrand aufsteigt – sonst rappelt’s.“

INGO WILHELM

Die wichtigsten Regeln:

Aufstiege und Abfahrten erfolgen auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung.

Aufstiege nur am Pistenrand vornehmen. Dabei hintereinander gehen, nicht nebeneinander. Auf den Skibetrieb achten.

Besondere Vorsicht vor Kuppen, in Engpassagen, Steilhängen und bei Vereisung.

Keinesfalls gesperrte Pisten begehen. Lokale Hinweise und Routenvorgaben beachten.

Größte Vorsicht und Rücksichtnahme bei Pistenarbeiten. Bei Einsatz von Seilwinden sind die Skipisten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es besteht Lebensgefahr.

Frisch präparierte Pisten nur im Randbereich befahren. Bei Dunkelheit stets mit eingeschalteter Stirnlampe fahren.

Keine Touren in Skigebieten, wenn dort Lawinensprengungen zu erwarten sind.

Skitouren nur bei genügend Schnee unternehmen. Schäden an der Pflanzen- und Bodendecke vermeiden.

Hunde nicht auf Skipisten mitnehmen.

Regelungen an den Parkplätzen sowie Parkgebühren respektieren.

Die beliebtesten Regeln:

Unter anderem in diesen bayerischen Skigebieten wird es im kommenden Winter ausgewiesene Aufstiegsrouten geben:

In Garmisch-Partenkirchen von der Talstation der Hausbergbahn bis aufs Kreuzeck.

Rund um den Spitzingsee gibt es insgesamt fünf Routen. Zum Beispiel an der Taubensteinbahn und von der Sutten-Talstation bis auf den Roßkopf.

Am Brauneck wird es eine Aufstiegsroute geben, die in Wegscheid beginnt und bislang bis zur Florianshütte reicht. Der weitere Verlauf bis zum Brauneck- Gipfel muss noch gefunden werden.

Am Tegelberg bei Schwangau gibt es einen Skitourenlehrpfad, der als Aufstiegsroute genutzt werden kann.

Am Blomberg wird heuer eine Aufstiegsspur ausgeschildert. Wie bereits in vielen anderen Skigebieten, soll es auch dort einen Tourengeherabend geben, um die nächtlichen Aktivitäten in geregelte Bahnen zu lenken. Die aktuellen Pistengeher- Regelungen für zahlreiche Skigebiete findet man im Internet auf der Seite www.alpenverein.de

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