+
Gipfelglück: Am Kreuz der 2223 Meter hohen Rappenspitze zeigen sich die Zentralalpen bereits von Schnee überzuckert.

Frühherbsttour

Rappenspitze: Gipfel der alpinen Bühne

Was wäre eine herbstliche Wandersaison ohne einen Besuch auf einem der höheren Karwendelgipfel? Jetzt, wo sich das Laub langsam herrlich bunt verfärbt und die Temperaturen meist goldrichtig sind.

Die klare Luft gibt der Landschaft Konturen und satte Farben, wie mit Buntstiften hingemalt. Um ins Herz des Karwendels hineinzuschauen, startet man im Falzthurntal bei der gleichnamigen Alm. Höchst beeindruckend ist die Wuchtigkeit der zerfurchten, himmelhohen Felsmauern, die einen von Anfang an umgeben.

Schon am Ausgangspunkt ist man von der Kulisse verzaubert, vorausgesetzt, es ist früh am Morgen. Denn schon am Vormittag wird’s voll, wenn die vielen Talspaziergänger, Radler und Autos den Almhütten zustreben. Doch das schmale Wegerl zur Rappenspitze nimmt nicht jeder in Angriff. Sofort geht’s steil durch den Hochwald, so dass man schnell an Höhe gewinnt. Dann heißt es, eine etwas düstere Schneise hinauf zu wandern. Völlig unerwartet kommt man danach in liebliches Wiesengelände und steht schon vor der urigen Dristl-Alm.

Wenig später erreicht man auf hügeligen Almmatten ein kleines Joch und einen Weidezaun-Durchgang. Dahinter zeigt sich in der grimmig erscheinenden Draufsicht der Weiterweg und als unnahbarer Felszahn dominiert die Rappenspitze das alpine Bühnenbild. Zunächst steigt man über einen schmalen Wiesenkamm ein paar Höhenmeter hinab und traversiert einen Hang unterhalb von Felswänden. Ein sicherer Tritt auf abschüssigen Wegen wird ab jetzt zunehmend wichtig. Auch ein Quäntchen Schwindelfreiheit kann nicht schaden. Über einen steilen Wiesenhang gelangt man zu einer schrofigen Schotterreiße, die sich unterhalb von Felswänden gebildet hat. Der Weg darüber hinweg entpuppt sich aber als harmlos. Sobald man die folgenden Wiesenhänge erklommen hat, staunt man über eine weitläufige, seichte Geländemulde: das Nauderer Kar.

Nun geht’s über einen langen Wiesenrücken aussichtsreich zum Beginn des „wilden“ Gipfelaufbaus. Aber noch bevor einem Adrenalin ins Blut schießt, merkt man, dass das Wegerl hinauf zum Gipfelkreuz zwar steil, aber technisch einfach ist. Oben angelangt, stürzt der Blick die dramatische Nordostwand der Rappenspitze hinab ins Nauderer Kar, bis sich die Augen an den grauen Felsen und Gipfelspitzen des Karwendel-Hauptkamms festklammern. Weit im Süden glänzen derweil die eisgepanzerten Zillertaler. Aber das Kaleidoskop der Berge hat noch mehr zu bieten. Denn beim Abstieg genießt man den Blick auf das imposante Rofangebirge, den Achensee, und im Osten entdeckt man die Gipfelparade des Kaisers.

Zwischenstopp in Pertisau

Auf der Heimfahrt könnte man noch in Pertisau einen Zwischenstopp einlegen. Der Ort blickt auf eine lange Tradition bei der Herstellung von Steinöl zurück. Die Geschichte des aus Ölschiefer gewonnen Öls wird im Vitalberg, im Museum mit Verkaufsstelle, ansehnlich erläutert. Bekannt ist die schmerzlindernde Wirkung von Steinöl bei Muskelverspannungen. Genau das Richtige, wenn man nach einem strammen Bergtag ein leichtes „Reißen“ in den Gliedern verspürt...

Von Doris Neumayr

RAPPENSPITZE (2223 M)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über Tegernsee zum Achenpass. Weiter B 181 über Achenkirch nach Maurach. Rechts nach Pertisau. In Pertisau links Ww. „Karwendeltäler“. Nach der Mautstelle (4,50 Euro) links Ww. „Falzthurntal“. An der nächsten Verzweigung links Ww. „1 km bis zur Falzthurnalm“. Dort parken. Bahn/Bus: Bahnhof Tegernsee, Weiterfahrt mit RVO-Bus 9550 Tegernsee – Pertisau (www.rvo-bus.de).

TOUR – Die schmalen, steilen Bergwege sind mittelschwer. Sie verlangen Trittsicherheit und ein Minimum an Schwindelfreiheit. Die Ausschilderung / Markierung ist hervorragend. (1130 Höhenmeter, 8 km insgesamt, Gehzeit: Aufstieg ca. 3 bis 3,5 Std. Abstieg ca. 2 bis 2,5 Std.) Aufstieg: Vom Parkplatz Falzthurnalm geht man Richtung Almgebäude. Gegenüber vom Alpengasthof „Falzturn“ zieht ein schmaler steiler Wanderweg im Hochwald empor (Ww. Dristl-Alm, Rappenspitze). Man erreicht eine kesselartige, schütter bewaldete Schneise und folgt dem Weg hinauf zur freigelegenen Dristl-Alm (1645 m).

An der Hütte geht’s links zunächst über flache Weidewiesen, hernach wieder steiler über hügelige Wiesen zu einem kleinen Joch mit Weidezaun- Durchgang (bitte wieder sorgfältig verschließen). Hier geht’s leicht bergab (ca. 50 m) über einen schmalen Wiesenkamm und kurz unterhalb von Felswänden entlang. Dann schlängelt sich der Weg wieder hinauf über einen steilen Wiesenhang zu einem Geröllfeld unterhalb von Felswänden. Ein schottriger Weg bringt einen über ein paar Schrofen zu einem Wiesenhang. Über diesen steigt man hinauf und erreicht eine weitläufige seichte Geländemulde (Nauderer Kar) mit Schilderbaum. Hier nach rechts einen langen kupierten Wiesenrücken empor und hin zum Gipfelaufbau. Am linken Rand der steilen Flanke zieht der steinige Weg hinauf zum Gipfelkreuz.

Abstieg: Auf gleicher Route zurück ins Tal.

EINKEHR – Alpengasthof Falzturn, geöffnet von Anfang Mai bis Ende Oktober (www.falzturn.at)

TIROLER STEINÖL – Tiroler Steinöl Vitalberg: Sommer- Öffnungszeiten: Museum, Mo-So 9 bis 17.30 Uhr; Shop: Mo-So 9 bis 18 Uhr, www.steinoel.at (in Pertisau am Ortseingang nach rechts).

INFORMATIONEN – Achensee Tourismus, Telefon: 0043 / 5243 / 43070; Internet: www.achensee.info

KARTE – AV-Karte, Karwendelgebirge Nr. 5/3, 1:25 000

Auch interessant

Kommentare