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Perfekt vorbereitet und mit professioneller Führung kann eine Hochtour im Frühjahr ein Traum sein.

Ausrüstungstipps vom Bergprofi

Frühjahr ist Hochtouren-Zeit

Lust auf alpine Höhepunkte? Na dann los! Jetzt in den Frühlingsmonaten ist meist die beste Zeit, sich an höhere Ziele zu wagen und noch ein paar schöne Schwünge im Weiß zu genießen.

Eine Skihochtour braucht allerdings eine langfristige und gute Vorbereitung. Körperliche Fitness samt technischem Können in Fels, Eis und Schnee müssen ebenso passen wie eine detaillierte Tourenplanung. Und in Sachen Ausrüstung ist es auch nicht mit der normalen Sonntags-Bergausrüstung getan. Neben der funktionellen Hardware (siehe Checkliste) spielt vor allem auch die richtige Bekleidung für eine genussvolle Skihochtour eine große Rolle. Bevor sich unsere Autorin Petra Rapp vor Kurzem mit Patrick Jost, Inhaber des Hindelanger Bergführerbüros (www.bergschulen.de), drei Tage in die Höhe des Ortlergebirges mit Besteigung der Suldenspitze (3375 Meter) und des Cevedales (3769 Meter) wagte, hat sie sich bei ihm Tipps geholt, um für alle Fälle gerüstet zu sein.

von Petra Rapp

Ski-Hochtouren: Gut eingepackt Schicht für Schicht

Mit dem bewährten Schichtenprinzip fährt man bei jeder Hochtour gut“, sagt Patrick Jost (43). „Dabei sollte man an vier funktionelle Bekleidungsschichten denken, die man dann bei Bedarf an- oder ausziehen kann:

  • Unterwäsche: Die erste Schicht direkt auf der Haut spielt vor allem bei schweiß- treibenden Aktivitäten wie dem Aufstieg eine große Rolschützen. Funktionsunterwäsche gibt es in vielen Variationen.
  • Midlayer: Hier gibt es jede Menge Windstopper- oder eine große Anzahl von Fleece-, Merino- oder Hybridpullis beziehungsweise -jacken. „Viele denken, dass sie mit Unterwäsche und der mittleren Schicht auch auskommen, wenn es kalt ist oder sie in einer kalten Hütte sitzen“, sagt Jost. „Solange ich mich bewege und der Körper eigene Wärme produziert, passt das auch oft. Bei Touren speziell auf kalte Berge wie dem Mont Blanc, wo ich vom Tempo so unterwegs bin, dass ich nicht schwitze beziehungsweise auf Temperatur komme, friert es mich aber dann schnell.“ Ein Umstand, der Energie kostet.
  • Isolationsschicht: „Wenn ich mich nicht bewege oder der Körper nicht auf Temperatur kommt – am Gipfel, auf der Hütte, im Biwak oder wenn ich bei Kälte sehr langsam unterwegs bin – ist unbedingt le. Sie muss den Schweiß schnell vom Körper wegtransportieren und so vor der gefährlichen Verdunstungskälte noch eine wärmende Isolationsschicht gefragt.“ Hier ist eine Jacke mit Daune oder Primaloft die erste Wahl. Beides gibt es in unterschiedlichen Stärken und Ausführungen für unterschiedliche Temperaturbereiche. Primaloft hat den Vorteil, dass das Material auch wärmt, wenn es feucht ist. Daunen verkleben dann häufig und können so nicht mehr isolieren. Bei Wintertouren oder hohen Bergen sollte immer eine gute Primaloftjacke dabei sein. Wenn es zu kalt wird, dann geht irgendwann nichts mehr.
  • Wetterschutzschicht: Eine sehr funktionelle, sprich wind- und wasserdichte, aber atmungsaktive Wetterschutzschicht wie beispielsweise Jacken und Hosen mit Gore-Tex-Ausstattung sollten bei jeder Hochtour dabei sein. Auf hohen Gipfeln bläst einem oft ein starker Wind entgegen und mit Nässe durch Schnee oder auch mal Regen in tieferen Lagen im Frühjahr muss man auch immer rechnen. Die Schicht muss aber atmungsaktiv sein, damit der Schweiß von innen nach außen weichen kann und man so auch innen trocken bleibt.

Ski-Hochtouren: Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Bergführer Patrick Jost.

Die häufigsten Bekleidungsfehler, die Jost immer wieder bei seinen Kunden erlebt: „Sie ziehen oft zu viele Schichten an und wundern sich, dass sie dann schnell durchgeschwitzt sind.“ Der Bergführer empfiehlt: Nicht aus der Hütte raus und sich bis zum Gipfelkaputt schwitzen oder als Eiszapfen ankommen! Nach 10 bis 20 Minuten, wenn man auf Lauftemperatur ist, besser noch mal etwas aus- oder anziehen. Dauerndes Überhitzen oder Frieren kostet viel Energie. Wer übrigens unter kalten Fingern leidet: Bei Jacken oder Pullis sollte der Ärmel über den Puls (Handgelenk) gehen. Oft sind die Tourengeher bis oben zugepackt, aber zwischen Handschuhen und Jacke schaut das Handgelenk heraus. Wenn der Puls warm bleibt, gibt es meist auch keine Probleme mit kalten Fingern und der allgemeinen Körperwärme. Bei der richtigen Bekleidung sollte man auch nicht am falschen Ende sparen. Qualitativ hochwertige, funktionelle Bekleidung hält oft länger. Mit der richtigen Ausrüstung macht die Wunschtour noch mehr Spaß.

Checkliste Ausrüstung Ski-Hochtour

  • Hochtourentaugliche Bekleidung samt Wechselwäsche
  • Klettergurt mit verstellbaren Beinschlaufen
  • Ski- oder Tourenhelm
  • Steigeisen
  • Tourenschuhe, Ski, Felle, LVS-Geräte, Schaufel, Sonde
  • Rucksack, mind. 35 l – je nach Tour evtl. Lawinenairbag
  • Eispickel
  • Tourenstöcke oder Teleskopstöcke
  • Seil
  • Eisschraube
  • Karabiner, Reepschnüre, Bandschlinge
  • Stirnlampe
  • Karte
  • Kompass, Höhenmesser, evtl. GPS
  • Für Hüttenübernachtungen: Hüttenschlafsack, evtl. Ohrenstöpsel, Sonnenschutz, Augenschutz, Erste-Hilfe-Set Trinkflasche, ausreichend Proviant Ausweise, Handy mit Notfallnummern

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