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Wie bei den Großen: Für den "Radlführerschein" müssen Kinder Prüfungen ins Theorie und Praxis bestehen.

Endlich mit dem Rad zur Schule

So machen die Kleinen Ihren Führerschein

Mit dem Radl dürfen Kinder erst dann in die Schule fahren, wenn sie den Verkehrsunterricht der Polizei erfolgreich besucht haben. Für den "Radlführerschein" müssen sie in Theorie und Praxis überzeugen.

Endlich mit dem Radl in die Schule fahren: Das durften mehr als 9.000 Münchner Viertklässler, nachdem sie im vergangenen Schuljahr den „Radlführerschein“ der Verkehrspolizei erworben hatten. Um Grundschulkinder auf die sichere Teilnahme am Straßenverkehr vorzubereiten, werden Verkehrserzieher der Polizei auch im neuen Schuljahr wieder an Münchner Grund- und Förderschulen ihre Radfahrausbildung durchführen. Denn Schulkinder sind im öffentlichen Straßenverkehr Gefahren ausgesetzt: Allein 2013 verletzten sich bei Schulwegunfällen 70 radelnde Kinder. Der „Radlführerschein“ hat keine rechtliche Verbindlichkeit: Kinder dürfen sich auch schon vor der vierten Klasse mit ihrem Radl auf der Straße bewegen.

Kinder sehen Rad als Spielgerät, nicht als Verkehrsgerät

Viele lernen das Radln schon im Kindergartenalter. Für sie wird aber selten eine Ausnahme gemacht, wenn es um den Schulweg geht: „Wir raten den Schulen, dass die Kinder erst nach der bestandenen Radlprüfung mit dem Fahrrad kommen dürfen“, sagt Michael Reisch von der Verkehrsabteilung des Polizeipräsidiums. Die meisten Einrichtungen hielten sich auch daran. „Kindern gelingt das Anwenden von Verkehrsregeln auf den tatsächlichen Straßenverkehr erst ab einem gewissen Alter.“ Für kleine Kinder sei das Radl „ein Spielgerät, kein Verkehrsgerät“. Deswegen stehe Radlunterricht zwar bereits ab der zweiten Klasse auf dem Lehrplan, der Führerschein aber eben erst in der vierten Klasse.

Erst graue Theorie, dann die Praxis

Die Radfahrausbildung besteht aus einem theoretischen Teil, den die Klassenlehrer betreuen, und einem praktischen Teil, für den Verkehrserzieher des Polizeipräsidiums an die Schulen kommen. Am Ende des Theorieteils werden die Kinder durch einen Testbogen mit 20 Fragen geprüft. In der praktischen Ausbildung stehen am Anfang drei Übungseinheiten in einem Verkehrsparcours, den die Polizei auf dem Pausenhof aufbaut. Schwerpunkte sind dabei vor allem die Vorfahrtsregelungen, sei es durch „Rechts vor links“, Verkehrszeichen, einen Verkehrspolizisten oder per Ampel. Weiterhin liegt der Fokus auf Linksabbiegen, dem Vorbeifahren an Hindernissen und der Demonstration des „Toten Winkels mit einem Lkw.

Rund 94 Prozent bestehen Prüfungen

Auf dem Parcours wird dann auch die praktische Prüfung abgehalten. Wer Theorie und Praxis beherrscht, erhält eine Urkunde, einen Prüfungsausweis für Radler, einen Fahrradwimpel und einen Aufkleber mit dem Zertifikat „Geprüfter Radfahrer“. Im vergangenen Jahr nahmen im Stadtgebiet 9.947 Schüler am Radlunterricht teil. 9.348 bestanden theoretische und praktische Prüfung, das sind rund 94 Prozent. So manches Kind sitzt laut Michael Reisch tatsächlich im Verkehrsunterricht zum ersten Mal auf einem Fahrrad. Wer durchfällt, müsse nicht verzagen: „Man kann die Prüfung wiederholen.“ Und wer auch im zweiten Lauf erfolglos bleibt, dessen Eltern kontaktiere man, um gemeinsam „Defizite aufzuarbeiten“.

ary

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