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Immer westwärts: Das Faulenbacher Tal bei Füssen ist ein Landstrich mit vielen verwunschenen Plätzen wie dem Mitter- und Obersee mit sonnigen Badestellen.

Bei Füssen

Im Tal der Sinne: Wanderung auf alten Schmugglerwegen

Bad Faulenbach – ein Bach, der etwas faulig riecht. Namentlich geht es um Calcium-Sulfat und Schwefelquellen, in der die Römer schon baden gegangen sind. Hier verlief die Via Claudia, 1684 fanden Holzfäller im Faulenbacher Wald einen römischen Münzschatz.

Ein gewisser Abt Benedikt Furtenbach ließ in Faulenbach neben einer Mühle im Jahre 1497 ein neues Bad anlegen. Damals war es Usus, dass Frauen und Männer zusammen in den Zubern saßen. Bis 1626, da machte Abt Martin Stempfle dem sittenlosen Treiben ein Ende! Ja, das Faulenbacher Tal hat Geschichte, und wenn man heute durch den künstlichen Felsdurchbruch an der Kapelle St. Maximilian ankommt, drängt sich einem sofort ein Attribut auf: verwunschen.

Der Kneippkurort Bad Faulenbach hat etwas von einer Sommerfrische der Jahrhundertwende. Und es waren zu Beginn des 20. Jhs. auch viele Künstler in diesem Tal, das nord- und südseitig von Felsen eingerahmt ist. Und das sich westwärts erstreckt mit zwei – ja: verwunschenen – Seen, wo herrlich altmodische Badeanstalten liegen.

Die Moderne hat Faulenbach das „Tal der Sinne“ beschert, wo man auf Barfuß- und Balancierpfaden die Welt erleben und erspüren kann. Es gibt auch ein Tretbecken, Kräuterbeete, Landart Kunstwerke – alle Sinne sind angesprochen. Im Hintergrund dräuen zwei Skisprungschanzen, auf denen der Nachwuchs tolle Trainingsmöglichkeiten hat. Springen muss aber keiner, nur losgehen und eventuell nimmt man noch einen Schluck von der Calcium-Sulfat-Quelle am Trinkbrunnen, bevor man südseitig die Seen entlangspaziert.

Doch so romantisch das alles ist: Vorsicht, gleich zeigt der Weg Zähne, Felszähne! Die Ländescharte ist zackig, felsig, in einem kurzen Stück sogar mit Seilen versichert und dann steigt sie steil hinab ins Vilstal. Ja, heute ist alles anders, aber bevor im Rahmen der EU die Staatsgrenzen durchlässig wurden, waren das hier beliebte Schmugglerpfade für Alkohol und Zigaretten, auch Tiere wurden schon mal über den Ländesteig getrieben. Früher patroullierten hier Grenzer in der „Touristenzone Falkenstein-Vilser Berg“, wo man auch nur zwischen 6 und 21 Uhr unterwegs sein durfte, mit Pass bitteschön und ohne Waren! Es hat was Nostalgisches in Zeiten der Grenzenlosigkeit – bis man einem Mann mit belgischem Schäferhund und grüner Jacke begegnet. Da ist es plötzlich, das lang verschüttete Gefühl: Was falsch gemacht? Was zu verzollen? Aber der Mann ist kein Zollbeamter, die Jacke ist ein Outdoormodell und der Hund ein Lawinenhund, wie der Mann erzählt, der aus Vils stammt und auch noch andere Zeiten kannte! Unten auf dem Ländeweg, wo die Flößer anlegten, überquert man erneut die Grenze und folgt dem türkisgrünen Lech. Bis zum Fall am Maxsteg, wo der Fluss über fünf Stufen stürzt. Am Ende der Würmeiszeit vor 12 000 Jahren bildete das Schmelzwasser des Lech-Gletschers einen großen See, der sich bis ins heutige Pfronten erstreckte. Als Abfluss dieses Sees stürzte der Lech anfangs etwa 100 m tief über den Felsriegel in den damaligen Füssener See und erodierte dann die enge Felsschlucht, die man heute bestaunen kann. Darüber thront eine Büste von König Maximilian II. – die Wittelsbacher liebten die Gegend und auch sie wandelten mal auf bayerischem, mal auf Tiroler Boden. Wollte der Kini doch auch am Plansee bauen: einen chinesischen Palast!

von Nicola Förg

WANDERUNG BEI FÜSSEN

ANFAHRT – Bahn: DB München-Pasing ohne Umsteigen nach Füssen alle zwei Stunden. Auto: A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg / West, B 17 Schongau / Peiting bis Füssen. Parken am Parkplatz Morisse.

TOUR – Länge: ca. 8 km. Charakter: Was als sanfter Spaziergang beginnt, wird zum Steig; gutes Schuhwerk und Trittsicherheit erforderlich! Keine Radroute! Verlauf: Vom Parkplatz Morisse durch den Felsdurchbruch; in Faulenbach durch das Tal der Sinne, Spazierweg auf der Südseite der Seen entlang, kurze Etappe durch den Wald; links ab in die Ländescharte (steil!), hinunter ins Vilstal; links ab auf dem Ländeweg bis zum Maxsteg; auf der Stadtzugewandten Seite den Stufenweg hinauf und zurück nach Faulenbach.

TIPP – Ein Abstecher ins Walderlebniszentrum Ziegelwies lohnt immer, vor allem mit Kindern. Verwunschener Auwald, viel Erlebnisstationen für Kinder, Walderleben grenzenlos zwischen Bayern und Tirol. Informationen: Walderlebniszentrum Ziegelwies, Telefon: 0 83 62 / 93 87 550; www.walderlebniszentrum.eu, www.baumkronenweg.eu

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