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Die gefährlichsten Fehler beim Klettern - und wie man sie vermeidet

Klettern ist zurzeit der Boom-Sport schlechthin. Kehrseite: die teils schweren Unfälle der vergangenen Monate, nicht zuletzt in Münchner Hallen. Der Deutsche Alpenverein hat die häufigsten Fehler beim Indoor-Klettern ermittelt und die Aktion „Sicher Klettern“ ins Leben gerufen.

Wir fassen die wichtigsten Ergebnisse und Tipps zusammen.

Falsch eingebunden:

Im März 2008 stürzte ein neunjähriges Mädchen in einer Münchner Kletterhalle in den Tod, weil es sich falsch in das Sicherungsseil eingehängt hatte. Ein Fehler, der auch erfahrenen Kletterern unterläuft, wie zig Unfälle belegen. Immer wieder geschehen Fehler beim Einbindeknoten, oder der Kletterer befestigt ihn versehentlich falsch am Gurt.

Abhilfe:

Das beste Mittel gegen derartige Fehler ist der konsequentePartnercheck vor jedem Losklettern. Die Kletterer prüfen gegenseitig, ob der Gurt korrekt angelegt ist und alle Schnallen geschlossen sind, ob der Kletternde sich richtig eingebunden hat, ob der Sichernde das Seil korrekt in das Sicherungsgerät oder den HMS-Karabiner eingelegt hat und ob das Seilende mit einem Knoten gesichert ist. Bei halbautomatischen Sicherungsgeräten wie dem GriGri sollte man vor dem Losklettern einen Blockiertest machen. So wird „checken und checken lassen“ zur lebensrettenden Routine.

Übrigens: Ob der gesteckte Achter oder der doppelte Bulin der bessere Einbindeknoten ist, da sind sich selbst Experten uneins. Beide Knoten haben Vor- und Nachteile.

Falsche Bedienung des Sicherungsgeräts:

Der Alpenverein hat beobachtet, dass ein Drittel der Kletterpartner, die einen Vorsteiger sichern, ihr Sicherungsgerät fehler- oder mangelhaft bedienen. Die geringste Fehlerrate hat der HMS-Karabiner mit 22 Prozent der beobachteten Fälle. Hier war der häufigste Fehler: Das Bremsseil wurde nicht konsequent mit einer Hand fest umschlossen.

Abhilfe:

Immer eine Hand am Bremsseil! Diese goldene Regel gilt auch bei allen anderen Sicherungsgeräten.

Der Tuber (28,6 Prozent Fehlerrate) hat neben demLoslassen des Bremsseils eine weitere häufige Fehlerquelle: eine falsche Bremshandposition (siehe Grafik links unten). Halbautomatische Geräte wie das GriGri (ebenfalls 28,6 Prozent) sind zudem anfällig für falsches Einlegen des Seils, daher der Blockiertest. Das Sicherungsgerät mit den häufigsten Fehlern (40 Prozent) ist der Achter. Tipp: In der Online- Videothek des Alpenvereins findet man Filme, die die korrekte Bedienung der gängigen Sicherungsgeräte vorführen (www.alpenverein.de unter „Breitenbergsport“).

Zu wenig Aufmerksamkeit:

Immer wieder geschehen Unfälle, weil der Sichernde vomSturz überrascht wird. Hat er zum Beispiel das Bremsseil nicht fest genug im Griff, rutscht ihm das Bremsseil durch die Hand, und der Absturz endet auf dem Boden.

Abhilfe:

Volle Konzentration beim Sichern! Also nicht der hübschen Kletterin in der Nachbarroute nachschauen oder am Wandfuß ratschen! Gerade in der Halle gibt es viele ablenkende Reize, denen man widerstehen muss.

Schlappseil:

Mehr als ein Viertel der beobachteten Sicherer gefährdete den Vorsteiger durch Schlappseil. In diesen Fällen hätte ein unvorhergesehener Sturz auf dem Boden geendet. Beim Topropen wird gerade knapp über dem Boden oft nachlässig gesichert. Hier kann es wegen der Seildehnung ebenfalls zu Bodenstürzen kommen.

Abhilfe:

Stetig überprüfen, ob man dem Kletterer zu viel Seil ausgegeben hat.

Zu wenig Kommunikation:

Ein Vorsteiger setzt sich zum Ablassen in den Gurt, doch der Sichernde hat noch nicht „zugemacht“. Solche gefährlichen Situationen entstehen gerade in lauten Kletterhallen immer wieder.

Abhilfe:

Die üblichen Kommandos wie „zu!“, „ist zu!“ sowie „ablassen!“ beherzigen und gegebenenfalls mit dem Namen des Angesprochenen ergänzen, um Missverständnisse im Stimmengewirr zu vermeiden. Noch besser: Neben dem akustischen auch den Blickkontakt suchen, ehe man sich ins Seil setzt.

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