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Ein tolles blaues Auge zwinkert dem Wanderer zu: Der Schliersee ist auf dem Weg zum Brecherspitz immer präsent.

Schliersee

Ein Kessel Buntes

Als kecke Pyramide zeigt sich der Brecherspitz hoch über dem Schliersee. Und es gibt mindestens drei gute Gründe der formschönen Berggestalt aufs Haupt zu steigen: Aussicht, Spannung und Einkehr.

Der Dürnbachwald bei Neuhaus mit seinem duftiggrünen Blätterdach erweist sich in den heißen Sommermonaten als gelungener Auftakt. Ruhig und beschaulich verläuft die Tour zunächst über einen Forstweg. Im Anklgraben pritschelt ein glasklarer Bach und eine versteckte kleine Holzbrücke verhindert nasse Socken.

Kaum vorstellbar, dass sich vor knapp 100 Jahren eine gigantische Bogenbrücke hoch über diesen Graben spannte: Im Jahr 1919 wütete ein furchtbarer Föhnsturm im Spitzingseegebiet. An die 300 000 Bäume wurden vernichtet. Das Holz musste so schnell wie möglich zum Bahnhof Fischhausen- Neuhaus transportiert werden, bevor es unbrauchbar wurde und der Borkenkäfer Einzug hielt. Die Landesforstverwaltung beauftragte die Firma Steinbeis mit dem Bau einer Schmalspurwaldbahn. Bereits nach sechs Wochen lag ein fertiger Plan für das Mammut-Projekt vor.

Im unwegsamen Gelände baute man komplizierte Brücken und Gleise, obwohl es nur wenige schmale Zubringerwege gab. Über 3000 Arbeiter schafften es in nur drei Jahren die Schäden zu beseitigen. Der Forstweg entlässt einen in den weiten Wiesenkessel der bildschönen Almböden rund um die bewirtschafteten Hütten Ankl-Alm und Ehard- Alm. Hier hat man den weiteren Verlauf der Rundtour schon vor Augen. Ein steiniger Weg zieht schnurstracks über einen Grashang zum Latschengrat hinauf. Und der Schliersee zwinkert als blaues Seeauge aus dem Tal herauf.

Der felsig stufige Bergweg zieht meist zwischen Latschen dahin, sodass der Aufstieg kaum ausgesetzt ist. Weit unten auf der Spitzingstraße glänzen die Autodächer in der Sonne und am Horizont die eisigen Firnflanken der Zillertaler Alpen. Am Brecherspitz-Gipfel treffen dann einige Routen zusammen. Trotzdem findet jeder ein Rastplätzchen, um die überraschend weite Aussicht über die Mangfallberge zur Silhouette von Karwendel und Wetterstein zu genießen. Nach der Gipfelpause steigt man längs eines Drahtseils über einen schmalen brüchigen Kamm zu einem Wiesensattel. Von dort aus hält man sich immer mehr oder weniger am Grat entlang Richtung Nordwesten. Einige Drahtseile blitzen in den Schrofen und an einem bröseligen Aufschwung unterstützen Eisenstifte die lustige Kraxelei. Auf der rechten Seite zeigt sich abschüssiges Schrofengelände und linkerhand wiegen sich bunte Blumen im steilen Grashang.

Die Gratwanderung ist ein bisschen wie Schweben zwischen Himmel und Erde. Da passt es wunderbar, wenn Fata-Morganaähnlich, die völlig exponiert stehende Freudenreichkapelle mitten am Grat auftaucht. Man munkelt, dass das Holzkircherl in einer Hochzeitsangelegenheit – genaues weiß man nicht – als Dankeschön an den Herrgott hier oben gebaut wurde. Dann geht’s über einen felsigen steilen Weg zwischen Krummholz bergab. Und am Schluss warten auf den lieblichen Almmatten der Ankl-Alm gleich zwei Hütten auf durstige Wandererkehlen.

Neumayr

BRECHERSPITZ (1683 METER) 

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Weiterfahrt auf St 2073 bis Miesbach. Dann auf die B 307 über Schliersee bis Neuhaus. Rechts abbiegen Richtung Josefsthal. Gleich links „Josefsthaler Straße“. Direkt vor der Kirche rechts „Grünseestraße“. Geradeaus bis zur Kreuzung „Grünseestraße/Krettenburgstraße“. Hier gibt es einige Parkmöglichkeiten (Ausgangshöhe 830 m). Bahn: BOB 955 bis Fischhausen/Neuhaus, Stundentakt; Informationen: www.bayerischeoberlandbahn.de

TOUR – Charakter: Die Tour führt im Gipfelbereich über schmale, markierte Bergwege und ist bei Nässe und Gewitterneigung nicht zu empfehlen. Trittsicherheit und etwas Schwindelfreiheit (im Abstieg) sind erforderlich. Höhenmeter: ca. 900 Meter.

Gehzeit: Auf- und Abstieg jeweils ca. 2,5 Stunden. Strecke: insgesamt ca. 10 Kilometer. Aufstieg: Vom Parkplatz leitet der Wegweiser (Brecherspitz über Ankl-Alm) über ein Sträßchen in den Wald. Hier folgt man dem flachen Forstweg (Ww: Brecherspitz SB1) nach links. Bald geht’s über den Anklgraben (rechts im Gebüsch gibt es eine Brücke). Dann weiter auf dem Forstweg bis an beschilderte Verzweigung (gut einprägen für den Abstieg!).

Dort folgt man den Forstweg nach rechts bergan (Ww: Brecherspitz über Ankl-Alm 625). Nach rund 1,5 Stunden steht man auf den Bergwiesen der Ankl-Alm (1311 m) und der weiter hinten gelegenen Ehard-Alm. Zwischen den beiden Almhütten dreht nach links ein Bergweg ab (Ww: Brecherspitz) und führt über einen Wiesenhang zu einem Latschengrat hinauf. Über den Grat (einige leichte Schrofen) bis zum Gipfel. Abstieg: Vom Gipfel auf schmalem Gratweg Richtung Südwesten leicht bergab (einige Drahtseile). Dann bergan zu einem freien Wiesensattel mit Schilderbaum. Nun rechts Richtung Nordwesten (Ww: Freudenreichkapelle, Ankl-Alm). Jetzt mehr oder weniger entlang des Grates und im Auf und Ab über Schrofengelände und Wurzelwerk (einige Drahtseile und Eisenstifte). Nach der Freudenreichkapelle (1587 Meter) geht’s zwischen Latschen einen steilen, felsigen Weg hinab und dann über einen mäßig steilen Grashang zurück zur Ankl-Alm. Der weitere Abstieg ist mit dem Aufstieg identisch.

EINKEHR – Die Ankl-Alm und die Ehard-Alm (beide privat) sind in der Almsaison bewirtschaftet. 

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee-Schliersee.

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