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Eine Aussicht, von der man sich kaum lösen mag: Von der Ilkahöhe aus kann der Wanderer nahezu sämtliche Berge von den Chiemgauern bis zum Wetterstein erkunden.

Ilkahöhe - Tutzing

Drachenpfad am Parzenbichl

Es gibt Orte im Alpenvorland, um die Kenner an schönen Sommer- und Herbstwochenenden einen weiten Bogen machen.

 Die Ilkahöhe oberhalb von Tutzing gehört mit Sicherheit zum erlauchten Kreis dieser Hotspots. Schließlich gilt sie zu recht als einer der besten Panoramaplätze Oberbayerns. Jetzt im Spätherbst wird man auf der Seitenmoräne des ehemaligen Würmgletschers zwar auch nicht allein unterwegs sein. Doch es geht im November um einiges ruhiger zu. Zudem hat man an einem schönen, kalten Tag gute Chancen auf eine perfekte Bergsicht. Da die „Kernrunde“ für einen Tagesausflug zu kurz ist, lohnt es, die Tour zu verlängern und am Tutzinger Bahnhof zu starten. So kann man auf der Anreise im Zug in der Zeitung schmöckern; darf dabei aber nicht trödeln. Die Regionalbahn braucht vom Münchner Hauptbahnhof aus nur 28 Minuten zum Ausgangspunkt! Nachdem man die Siedlung am Höhenberg hinter sich gelassen hat, entlang einer schönen Allee und durch den Wald gewandert ist, öffnet sich an der Ikahöhe ganz großes Berg-Kino. Bei klarer Sicht zeichnet sich hinter dem Starnberger See ein gewaltiges Alpenpanorama ab. Das Gipfel-Raten beginnt bei den Chiemgauer Alpen und führt über die Voralpen bis zum Karwendel und Wettersteingebirge, wo die Horzontlinie am Gipfel Deutschlands kulminiert. Mit 726 Meter über Normalnull liegt die Ilkahöhe zwar zwei vertikale Kilometer tiefer als die Zugspitze, ist aber immerhin der höchste Punkt am Starnberger See. Was die Chancen auf Novemberschnee nicht unrealistisch erscheinen lässt. Sind ein paar Zentimeter der weißen Pracht vorhanden, sollten Eltern unbedingt einen Popo-Rutscher für ihre Kleinen dabei haben. Nach Osten hin abfallende Hangterrassen sind perfekte Sprungschanzen für den Rodel-Nachwuchs. Diese natürlichen Geländestufen wurden gegen Ende der letzten Eiszeit gebildet, als der Würmgletscher in verschiedenen Rückzugsstadien schmolz und sich das mit dem Schmelzwasser transportierte Geröll an der Seitenmoräne des Eisstroms ablagerte. Ein echtes Schmankerl für Geomorphologen. Esoteriker kommen auf der Ilkahöhe, die ihren Namen einer Fürstin namens Ilka von Wrede verdankt, die im deutsch-französischem Krieg 1870/71 aufopferend half – übrigens auch auf ihre Kosten. Denn früher nannte man die Ilkahöhe „Parzenbichl”: Und Parzen sind – wie jedes Schulkind weiß – drei Schicksalsgöttinnen aus der Antike. Was nicht wenige Zeitgenossen vermuten lässt, dass sich hier ein uralter Kultplatz befindet. Übersinnlich veranlagte Wanderer schätzen die Ilkahöhe als sogenannten „Drachenpfad“, weil über sie angeblich ein alter Initiationsweg führt. Nach dem Wendepunkt der Rundtour und somit auf dem Rückweg kommt man am „Forsthaus Ilkahöhe“ vorbei. Tatsächlich war das Gasthaus früher Wohnhaus des Försters. Dieser hatte nebenbei ein Schankrecht und servierte Wanderern, Holzarbeitern und Bediensteten des benachbarten Gutshofs Brotzeiten. Die Gastwirtschaft hat sich mittlerweile zum ziemlich hochpreisigen Restaurant entwickelt. Wer sparen will und muss, findet in Bahnhofsnähe eine gute Alternative: den „Tutzinger Keller“.

Von Michael Pröttel

Tutzing  - Ikahöhe

ANFAHRT – Bahn: Von München Hauptbahnhof mit der S 6 oder dem Zug direkt zum Bahnhof Tutzing. Auto: Über die A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis A.-Dr. Starnberg und weiter nach Starnberg. Über die B 2 bis Traubing. Hier der Beschilderung links nach Tutzing folgen und dort zum ebenfalls beschilderten Bahnhof.

TOUR – Am Bahnhof unterquert man die Gleise nicht in Richtung See, sondern zur Westseite hin, um auf den „Beringerweg“ zu gelangen. Man folgt ihm nach rechts, um dann links in den „Himbeerweg“ einzubiegen, der auf die Straße „Am Höhenberg“ stößt. Bei einem Parkplatz biegt man links in einen breiten Weg ab, der bald zur Allee wird. Es geht an einem Reiterhof vorbei und in den Wald hinein. Bei einer Kreuzung geht man geradeaus und gelangt zu einem Wanderparkplatz. Hier wendet man sich nach links und stößt auf eine Straße. Dieser folgt man ein kurzes Stück nach rechts und erreicht den schönsten Teil der Tour.

Auf der aussichtsreichen Hangkante der Ilkahöhe geht es nun auf einem Fußweg nach Süden weiter. Man wandert später an einem Waldrand entlang und auf ein Waldstück zu. Hier folgt man einem Fahrweg bergab und hält sich an der folgenden Kreuzung rechts. Der Fahrweg führt an einem Weiher vorbei. Absteigend geht es auf einen Hof zu und vor diesem rechts (Schild „Forsthaus Ilkahöhe“). Bald danach weist ein Schild darauf hin, dass man den Fahrweg nach links verlassen muss. Entlang eines Zaunes geht es weiter bergab. Der nun schmale Weg wendet sich nach links und führt zum Forsthaus Ilkahöhe hinauf. An diesem rechts vorbei und auf einen Parkplatz, wo man sich links hält. Über einen Fahrweg geht es wieder auf die Ilkahöhe zu.

An der nächsten Kreuzung bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder man hält sich rechts und wandert über eine Allee zum o.a. Wanderparkplatz, von wo es auf bekanntem Weg zurück geht. Oder man geht geradeaus bergan und nimmt am Waldrand eine Abkürzung nach rechts, um auf dem Rückweg noch einmal die großartige Aussicht zu genießen.

Gehdauer: 3 Stunden. Gesamtstrecke: 6 Kilometer. Höhendifferenz: 120 Hm. Start/Ziel: S-Bahnhof Tutzing.

Ausrüstung: Wasserabweisende Winterwanderschuhe.

TIPP – Wer erst am nächsten Wochenende die Ilkahöhe besuchen möchte, kann im Anschluß den Tutzinger Adventsmarkt besuchen. Dieser findet am Sonntag, den 30. Nov. von elf bis 19 Uhr vor dem Rathaus statt.

KARTE – Kompass-Karte 180, Starnberger See und Ammersee. Auss.: Kompass 180, Starnberger See; Lizenz: 17-0906-LVB.

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