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Von der Panoramabrücke hoch über der Leutascher Geisterklamm schweift der Blick auf das mächtige Gerberkreuz (2307 Meter) in der Karwendelklamm.

Spannender Grenzverkehr

Geschichtenreiche Runde im Leutaschtal

Wenn der wuchtige Stock der Arnspitzen hinter Mittenwald sein erstes herbstliches Winterkleid annimmt, dann lohnt die kleine, wenig bekannte Bergwanderung über die Riedbergscharte.

Ein für Jung und Alt spannendes Finale bietet die vor wenigen Jahren zur „Geisterklamm“ ausgebaute Leutaschklamm.

Die Tour ist grenzüberschreitend: Der Weg startet in Tirol, ehe er nach Überschreitung des höchsten Punkts wieder ein Stück weit in bayerische Gefilde führt. Zwischendurch ermöglicht der lichte Hochwald wunderschöne Ausblicke auf das Wettersteingebirge im Westen und die nördliche Karwendelkette im Osten. Jenseits der Riedbergscharte verschwindet der Wettersteinblick, dafür grüßt im Abstieg die silbrig-blau schimmernde Isar von ihrem Flussbett zwischen Mittenwald und Scharnitz herauf. Der Inngletscher hat hier vor rund 20 000 Jahren das Tal breit und tief ausgeschürft.

In seiner Fließbewegung führte er hartes Zentralalpengestein aus der Silvretta und dem Engadin mit sich, welches den weicheren Kalk hier in den Nordalpen abschliff. Solche „Schrammen“ wurden sichtbar, als 1930 das Berggasthaus „Gletscherschliff“, unser nächstes Etappenziel nach Überschreitung der Riedbergscharte, erbaut wurde. Bei den Erdbewegungen und Bauarbeiten identifizierte ein Gast, der zufälligerweise Geologe von der Universität Berlin war, die vor Jahrtausenden abgeschliffenen und seitdem „konservierten“ Kalkfelsen. Dieses Naturdenkmal und der fantastische Blick von der Terrasse auf die Schaustücke der Mittenwalder Karwendelkette, Gerberkreuz und Viererspitze, lohnt eine Einkehr. Danach geht es mit leichtem Gegenanstieg wieder über die Staatsgrenze und in Richtung Leutaschklamm.

Und hier beginnt vor allem für den Nachwuchs eine märchenhafte Welt. Die Klammgeister, Kobolde und Elfen der Lehrtafeln machen auf spielerische Weise verständlich, warum im Wald eine kreisrunde Doline entstanden ist oder warum Gletscher Findlingsgesteine über Hunderte von Kilometern verfrachten.

Und dann nähern wir uns der Klamm, die die Leutascher Ache bis zu 70 Meter tief und rund 1,5 Kilometer in den Berg eingegraben hat. Schon 1880 gab es einen ersten touristischen Steig in die Klamm, von 2003 bis 2005 wurde mit großem Aufwand eine neue Steiganlage mit eisernen Hängetreppen, Stegen und Brücken entlang der senkrechten Felswände installiert. Seither nennt sich die Klamm „Geisterklamm“ und der bunt und freundlich gemalte Klammgeist macht an vielen kleinen „Versuchsstationen“ die Entstehungsgeschichte und die geologischen Besonderheiten verständlich, welche die reißenden Wassermassen in den Tiefen der Schlucht geprägt haben: vom Schalltrichter bis zum Windspiel.

Wer am Ende der Tour auf dem stillen Weg oberhalb der nun ruhig dahinfließenden Leutascher Ache zum Ausgangspunkt zurückwandert, wird sich plötzlich fragen: Habe ich eigentlich Eintritt für die Klamm bezahlt? Keine Angst! Der Eintritt ist über die Parkgebühr am Klammeingang verrechnet. Da wir Bergsteiger uns die Klamm aber über eine echte Bergtour „erkämpft“ und dementsprechend woanders geparkt haben, haben wir heute sogar etwas gespart!

VON CHRISTIAN RAUCH

Riedbergscharte (1454 M) und Geisterklamm

ANFAHRT

A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. Weiter über B 2 und Garmisch-Partenkirchen Richtung Innsbruck. Nach Mittenwald rechts in die Leutasch. Rund 1 Kilometer nach dem Parkplatz zur Klamm (Gasthaus „Klammgeist“) am Gasthof „Mühle“ parken.

Mit der Bahn lässt sich die Tour nur mit alternativem Ausgangspunkt begehen. Vom Bahnhof Mittenwald über die Innsbrucker Straße und das Köberl ca. zwei Kilometer zur Klamm und dort die Tour starten.

TOUR

Gehzeit: 4 bis 4,5 Stunden; Höhenunterschied: rund 500 Meter. Anforderungen: Durchwegs gute, markierte Bergwege (im Abstieg von der Scharte gut auf die Markierungen achten!), der Klammsteig besteht aus Eisenstegen und -brücken, schlecht bei Nässe.

Tourverlauf: Gleich rechts neben der Terrasse des Gasthofs „Mühle“ dem breiten Kiesweg folgen. Wenig später (Schild „Riedbergscharte“) links auf den Steig abzweigen und auf ihm in Kehren durch den Wald hinauf zur Scharte (1454 m, links oberhalb schöne aussichtsreiche Rastplätze!). Der Beschilderung Mittenwald nach links folgend, noch kurz bergan, dann in Kehren bergab (auf rote Markierungen achten!). Am Rand einer Wiese nach links (Schild „Gasthaus Gletscherschliff“) und an einer Hütte vorbei zum Gasthaus. Nun kurz links bergauf und immer den Schildern „Panoramabrücke“ folgend zur Klamm. Auf dem befestigten Steig mit Brücken hoch über der Klamm bis zu deren Ausgang am Parkplatz. An der Autostraße kurz rechts über die Brücke, dann gleich links in einen Forstweg. Auf ihm, dann weiter auf schmalem Steig zu einer Jagdhütte. Links kurz hinab, dann nach rechts und auf weitere Forststraße. Auf ihr immer geradeaus weiter (Schild „Leutasch-Burggraben“) bis zur Autostraße. Neben ihr links haltend ein kurzes Stück zurück zum Gasthof Mühle.

INFORMATIONEN

Geisterklamm in der Regel mindestens bis Ende Oktober geöffnet. Falls gesperrt, nach dem Gasthaus Gletscherschliff links Richtung Leutasch- Schanz halten und die Klamm umgehen.

Einkehr:
Berggasthaus Gletscherschliff
Am Gletscherschliff 1
82487 Mittenwald
Telefon: 08823 / 1453
Internet: www.gletscherschliff.com

KARTE

Kompass-Karte 07, Werdenfelser Land mit Zugspitze, 1 : 35 000.

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