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Von rechts oben kam der Felssturz – Große Riffelwandspitze und Zugspitze über dem Untersee.

Geologische Tour

Auf der Spur der Felsen zum Badersee

 Hätte es nicht einen gewaltigen Felssturz von Deutschlands höchstem Berg gegeben, diese Spritztour wäre um viele Eindrücke ärmer. Wer bei Hammersbach loswandert...

...ahnt von dem geologischen Spektakel in grauer Vorzeit noch nichts. Die felsigen Waxensteine halten Distanz, von der Zugspitze ist noch wenig zu sehen. Gemütlich geht es an schmucken alten Häusern entlang durch Obergrainau. Auf dem Weg zum Badersee schauen jedoch die ersten Felsbrocken aus dem Waldboden. Der kleine See selbst hat seine Entstehung dem Bergsturz zu verdanken. Die einzige kleine Insel ist ein riesiger, baumbestandener Felsblock.

Eine schöne Katastrophe

Wann und wie kamen all diese Felsen ins Tal? Es war vor rund 3700 Jahren, als sich gewaltige Steinmassen aus den Nordwänden der Zugspitze und ihres Nachbargipfels, der Großen Riffelwandspitze, lösten. Binnen Minuten donnerten mehr als 300 Millionen Kubikmeter Fels zu Tal. Die Trümmer und Blöcke bedeckten ein Gebiet von 15 Quadratkilometern, vom Eibsee über Grainau bis Richtung Garmisch. Schuld am Bergsturz sollen Temperaturanstiege und das Schmelzen des unterirdischen Permafrostes gewesen sein.

Wenn Forscher heute Messungen an Bohrlöchern und Stollen im Zugspitzgipfel durchführen, gehen sie daher auch den Risiken für mögliche zukünftige Bergstürze nach. Richtung Eibsee zieht die Zugspitze alle Blicke auf sich. Ihre Nordabbrüche sind nicht so glatt und kompakt wie die am Riffelwand- und Waxensteinkamm links davon. Die Terrassen, Stufen und das große Bayerische Schneekar mit seinem Lawinenrest unten am Wandfuß zeugen von dem einstigen Abbruch.

Bevor der Eibsee erreicht wird, taucht der Weg für eine Weile in den Lärchwald ein. Die Bäume, die ihre Nadeln jetzt in strahlendes Gold verwandeln, wechseln sich hier mit Buchen und Fichten ab. Mehr Fernsicht bietet dann wieder der wunderschöne Steig, der am Steinriglwald südwärts zum See leitet. Durch die Bäume schimmert ein grünblauer Wasserspiegel herauf. Es ist der Untersee, der vom Hauptsee nach Norden abgeschnürt ist. Schuld daran – wie könnte es anders sein – waren Steinmassen des Bergsturzes, die einen Riegel zwischen Eibsee und Untersee bildeten.

Von der Brücke am anschließenden Eibseerundweg kann man diesen Riegel erkennen. Weiter geht’s auf einem Stück des viel bevölkerten Rundwegs Richtung Eibsee-Hotel und wieder abwärts Richtung Grainau. Als Zwischenhalt lädt die beschauliche Neuner-alm zur Einkehr. Die steilen Felskanten der Waxensteine bauen sich über der Hütte auf. Auch die Alpspitze zeigt sich Richtung Hammersbach. Ihr gewohnt scharfer Dreikant erscheint von Nordwesten mehr wie eine wuchtige Pyramide. Das letzte Stück der Tour führt teilweise auf dem Weg durch den „sagenhaften Bergwald“. Dieser bietet spannende Geschichten- und Spielstationen für Kinder und lohnt als eigener kleiner Rundweg. Am Weg grüßt eine Holzskulptur des Zuggeistes, ein sagenumwobener Raubvogel, der einst die Zugspitze bewacht haben soll. Vor Jahrtausenden könnte ihr Gipfel sogar höher gewesen sein, vermuten einige. Wäre der Bergsturz nicht gewesen, hätte Deutschland heute vielleicht einen Dreitausender. Auf Bader- und Eibsee in ihrer heutigen Schönheit müssten wir dann jedoch verzichten.

Von Christian Rauch

VON HAMMERSBACH ZUM EIBSEE

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. Weiter B 2 nach GAP und Richtung Fernpass. Im Ortsteil Obergrainau Richtung Hammersbach/ Höllentalklamm, links zum Wanderparkplatz P2. Bahn: Haltestelle Hammersbach (zum Halten Knopf drücken) an der Zugspitzbahn vom Bahnhof Garmisch aus. Von dort rechts durch Hammersbach und am Ortsende zum P2. (Kürzer ist die Tour ab der Zugspitzbahn-Haltestelle Grainau. In diesem Fall am Schluss von der Neuneralm direkt bis Obergrainau absteigen und dort links zur Bahn.)

TOUR – Gehzeit: 3,5 bis 4 Std.; Forstwege und Steige. Verlauf: Vom oberen Ende des Wanderparkplatzes rechts auf den Hammersbacher Fußweg und Richtung Obergrainau leicht abwärts. In Nähe der Gleise weiter, dann an der Autostraße links und durch den Ort Richtung Kirche. Davor rechts (Straßenschild Eibsee 5 km) und bald links ab zum Zugspitzbahnhof Grainau. Nach ihm geradeaus, dann rechts ab auf Fußweg zum Badersee. Am Ufer links halten und halb um den See herum. An einem breiteren Kiesweg links (nicht rechts zum Hotel) und bergauf. Der Beschilderung zum Eibsee folgen. Die Autostraße queren und jenseits weiter Richtung Eibsee.

An einer Tafel „Wasserschutzgebiet“ rechts ab (Ww. Panoramaweg Untergrainau). Danach links ab (Ww. Eibsee und Zierwald). Nun auf dem Forstweg längere Zeit durch den Lärchwald. Später links ab auf Steig (Ww. zum Eibseerundweg). Am Untersee entlang zum Rundweg und diesen links gehen (rechts kurzer Abstecher zur Brücke mit herrlichem Blick). An den Parkplätzen links am Waldrand bleiben und auf Weg aufwärts. Bald beschildert Richtung Grainau abwärts. An der Autostraße rechts aufwärts (Ww. Neuneralm). Bald links über die Gleise und auf Forstweg zur Neuneralm. Von ihr auf Teerweg abwärts. Am Waldrand beim Bach rechts ab und nun immer dem Wegweiser nach Hammersbach folgen. Auf einem Stück des „Sagenwegs“ am „Zuggeist“ vorbei. Kurz nach der Barfußstation „Wax und Woach“ links zum Parkplatz.

FAMILIENTIPP – Am Ortsrand von Hammersbach (vom P2 aus Richtung Berge) beginnt der ca. 3 Kilometer lange Rundweg durch den sagenhaften Bergwald mit vielen Sagen- und Spielstationen. Einige Steigungen, Stufen, nicht für Kinderwagen. Die Sagen stehen in einer Broschüre (2 Euro bei der Touristinformation Grainau, Parkweg 8, 82491 Grainau; Tel.: 08821 / 98 18 50; www.grainau.de).

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