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Von den beiden benachbarten Grasgipfeln Feldalp- und Schweigberghorn aus schaut man nach Osten weit in die Kitzbüheler Alpen hinein.

4 Gipfel für einen Gold-Käse

Der Kas kommt grad recht! Schmunzelnd schiebt Johann dem hungrigen Wanderer ein Brett voll herrlich duftender Stücke Tilsiter, Emmentaler und Bergkäse rüber.

Himmel, hat man so gierig geschaut, denkt man entsetzt – und genießt schweigend den zarten, mal milden, mal würzigeren Schmelz auf der Zunge. Wunderbar! Johann lacht sein zufriedenes Lachen, so wie es nur einer kann, der mit seinem Leben im Reinen ist. Ein glücklicher Kaser, der seit 22 Jahren saisonal auf der Schönanger- Alm in der Wildschönau lebt.

Sanfthügelige Fleckerl- Landschaft aus Wald und Weiden

Für den Ausflügler ein Faszinosum, so wie überhaupt das ganze Käsen eine höchst seltsame Sache zu sein scheint. Von lebender Milch erzählt Johann, die bei warmem Wetter anders behandelt werden wolle als bei kühlen Temperaturen. Und die abends auch noch fetter sei als morgens. Viel Gespür und sensible Hände brauche es, um aus jeweils gut 100 Litern Rohmilch einen Laib entstehen zu lassen. Man glaubt es dem Käse-Guru gern und zweifelt nun auch keine Sekunde mehr daran, dass der 50-Jährige täglich gleich tonnenweise seine acht Sorten Käse schleppt: die reifenden Laiber raus aus den Regalen, hinein in die Salzlake, die Rinde abgebürstet und retour in die Stellage. Eine herkulische Leistung, die regelmäßig vergoldet wird: bei der Käse- Olympiade in Galtür sahnt Johann Schönauer regelmäßig die Medaillen ab – für den einzigartigen Geschmack seines Käses versteht sich... Eine Begegnung ganz nach Gusto des Genuss-Wanderers, der sich schon zuvor bei der gut vierstündigen Vier- Gipfel-Tour vom Markbachjoch über Feldalp- und Schweigberghorn bis zur Wildkarspitze kaum sattsehen konnte an den Tiefblicken auf die Wildschönau.

Das weite Tiroler Hochtal, das erst vor 100 Jahren einen Straßenanschluss zum Inntal bei Wörgl erhalten hat, schmücken bis heute uralte Bauernhöfe. Weil Alm- und Weidewirtschaft die Kulturlandschaft über Jahrhunderte geprägt haben, locken zahlreiche Panorama-Touren. Die Wiese mit Aussicht genießen auch die Rindviecher, die an der Markbachjochalm verträumt vor sich hin käuend in die Weite blicken. Hier auf 1.454 Meter überblickt man bereits nach drei Seiten hin die sanfthügelige Fleckerl- Landschaft aus Wald und Weiden, die nur im Süden begrenzt wird durch bis zu 2.500 Meter hohe Fels-Gesellen wie dem Salzachgeier und dem Katzenkopf.

Immer mit der Sonne im Gesicht hält man auf diese zu und wandert erst auf Ziehwegen, dann auf einem schmalen Pfad in stetem Auf und Ab zum 1923 Meter hohen Feldalphorn. Wer von hier oder noch beeindruckender vom nächsten Grasgipfel, dem Schweigberghorn (1990 Meter), aus gen Süden schaut, entdeckt hinter den Kitzbüheler Alpen bei klarer Sicht auch die berühmten Spitzen von Großvenediger oder Olperer. Immer dem Grat entlang geht es unschwierig über Breitegg Gern (1.981 Meter) bis zur Wildkarspitze (1.961 Meter), bevor man westseitig absteigt zur grandios auf einem Plateau platzierten Kleinen Neubergalm und der Breiteggalm, von der aus es fast nur noch einen Katzensprung ist bis in Johanns Käse-Reich auf der Schönanger-Alm.

MATTHIAS BUSCH

SCHWEIGBERGHORN (1990 M)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg bis Inntal-Dreieck. A 93, mautfrei bis Kufstein-Süd. Weiter nach Wörgl und beschildert in die Wildschönau. Parken an Markbachjochbahn in Niederau. Gondelfahrt aufs Markbachjoch (1545 m). Informationen: www.schatzbergbahn.at

TOUR– Charakter: lange, aber unschwierige Gratwanderung, die fast durchweg einen freien Blick auf die Bergwelt der Kitzbüheler

Ausschnitt: Kompass-Karte 28, Achensee, Zillertal. Lizenz: 17-0906- LVB.

Alpen und die umliegenden Täler bietet. Rund 800 Höhenmeter. Gehdauer: gut vier Stunden. Trittsicherheit beim Abstieg nötig, Wanderstöcke dort hilfreich.
Verlauf: Ab Markbachjoch über Weg-Nr. 2 leicht bergab zur Holzalm (1438 m). In 15 Min. zum Horlerstiegl (1475 m). Ab dort in rd. 90 Min. über schmalen, steinigen, manchmal rutschigen, aber selten steilen Pfad zum Feldalphorn (1923 m). Nun geht es in eine Senke (1879 m) und weiter bergauf zum Schweigberghorn (1990 m) in gut 30 Minuten. In weiteren 30 Min. über Breitegg Gern (1981 m) zur Wildkarspitze (1961 m).
Nun steil bergab in gut 60 Min. über die Kl. Neubergalm (1698 m) und die Breitegg-Alm (1529 m) zur Schönanger-Alm mit Schaukäserei (1181 m). Rückfahrt nach Niederau mit der Erlebnis-Bummelbahn (Abfahrt Schönanger-Alm 13, 15 bzw. 17 Uhr!) in einer knappen Stunde. (Info: www.bummelbahn.com)

TIPPS – 1. Übernachtung: Hotel Silberberger, A-6311 Oberau, Roggenboden 216. Telefon: 0043/5339/8407; www.silberberger.at 2. Schönanger-Alm, Auffach 205, Tel.: 0043/5339/8526; www.schoenanger alm.at 3. Almabtrieb am Sa., 24. Sept.: Mit 500 Tieren ziehen Käse- Guru Johann Schönauer und andere Senner ins Tal. 4. Krautingerwoche: Vom 2. bis 8. Oktober feiert die Wildschönau ihre Stoppelrübe, aus der seit Jahrhunderten Schnaps gebrannt wird. Jetzt erobert das Gemüse die Küchen – nicht zuletzt durch den gebürtigen Wildschönauer Hans Haas, Koch im Münchner Sternelokal „Tantris“. Und so wird es traditionell zwar als Suppe kredenzt, es gibt aber auch Rüben-Carpaccio, -Gratin, -Parfait und -Mus.

INFO – Tourismus Wildschönau, Hauserweg, Oberau 337, A-6311 Wildschönau; 0043/5339/82550; www.wildschoenau. com

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