+
Kaum noch Halt im Eis: Das Venediger-Kreuz musste abgebaut werden.

Eisriesen verlieren ihre Wahrzeichen

Gletscherschmelze stürzt Gipfelkreuze

Bozen - Die Gletscherschmelze erreicht einen neuen Höhepunkt – im wahrsten Sinne des Wortes: Denn inzwischen schrumpfen die weißen Riesen unserer Alpen auch ganz weit oben dramatisch.

Weitere Outdoor-Themen

Selbst zwischen 3500 und 4000 Metern ist die Eisdecke so weit abgetaut, dass die ersten darin verankerten Gipfelkreuze ihren Halt verlieren. Auf dem Großvenediger und auf dem Ortler (siehe Extrabericht unten) liegen die Wahrzeichen bereits flach.

Seit 30 Jahren kümmern sich die Bergretter von Prägraten auf der Osttiroler Seite um das Venediger-Kreuz auf 3657 Metern. Lange haben sie es geschafft, der Gletscherschmelze zu trotzen – zuletzt 2005, indem sie das rund 400 Kilo schwere Heiligtum mit einer Einfriedung aus Holz stützten. Doch jetzt half auch diese Notlösung nicht mehr. Mitte August versetzte eine Hitzewelle über den Hohen Tauern dem Fundament den Todesstoß. „Wir hatten dort oben zehn Grad plus“, berichtet Prägratens Bergretter-Chef Friedl Steiner der tz. „Man konnte zuschauen, wie das Wasser vom Eis rinnt.“

Das Kreuz geriet in Schieflage, es herrschte akute Einsturzgefahr. „Wir mussten es abmontieren.“ Nun wollen die Bergretter das Wahrzeichen einen Steinwurf entfernt aufstellen – auf dem Westgrat, der inzwischen komplett ausgeapert ist. „Dessen Felsen sind seit ein paar Wochen erstmals eisfrei“, so Steiner.

Wie schnell der blaue Panzer abtaut, können die Bergretter praktisch live verfolgen. Steiners Bilanz: „In nur einem Jahrzehnt ist das Eis im Gipfelbereich um sieben Meter zurückgegangen.“

Ob das Kreuz noch vor dem Winter wieder den Venediger zieren wird, ist offen. Es hängt vom Wetter ab. Und vom Geld. Denn allein die Hubschrauber-Flugminute kostet 26 Euro. Wer helfen möchte, kann spenden: Bergrettung Prägraten, Ktnr. 2218170, BLZ 36378, IBAN: AT24 3637 8000 0221 8170; BIC: RZTIAT22378; Raiffeisenbank Matrei / Filiale Prägraten.

Plötzlich war es einfach weg

Ein Sturm gab dem Gipfelkreuz auf Südtirols höchstem Berg den Rest: Ortler-Besteiger stellten am Montag fest, dass das Wahrzeichen auf 3905 Metern fehlte. Experten vermuten, dass es in die Schick-Rinne auf Suldener Seite gestürzt ist. Die Suche läuft. „Das Ortler-Kreuz ist dem auftauenden Permafrost zum Opfer gefallen“, sagte Bergführer Toni Stocker dem Internet-Portal stol.it. „Wir hatten schon seit einiger Zeit bemerkt, dass sich die Verankerung aus Beton lockerte und vom Gestein löste.“

Andreas Beez

Auch interessant

Kommentare