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Orientierung in fernen Ländern: Jeder Punkt an der Erdoberfläche, wie hier in Bhutan, kann per GPS-Gerät fast metergenau bestimmt und lokalisiert werden.

GPS-Navigation

Mit Signalen vom Himmel ans Ziel

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„An der nächsten Kreuzung biegen Sie rechts ab“: Viele Autofahrer lassen sich heutzutage per Navigationsgerät leiten. Auf Berg- oder Skitour funktioniert das im Prinzip ähnlich – per GPS-Gerät.

Mit dem Unterschied, dass im Gelände eindeutige Orientierungspunkte rarer gesät sind. Was die Navigation komplizierter macht. Doch wer tiefer in die Materie der GPS-Nutzung eintaucht, wird dieses Hilfsmittel nicht mehr missen wollen.

Sich auf Skitour im Schneetreiben verlaufen? Sich bei einer Mountainbikerunde für den falschen Abzweig entscheiden und sich verfahren? Sich beim Klettern am Wandfuß irren und in die auf dem Topo ähnlich wirkende Nebenroute einsteigen? Kann passieren. Ist aber vermeidbar. Dank GPS.

Was bedeuten beim GPS Wegpunkt und Track

Die beiden in der Praxis wichtigsten Begriffe beim elektronischen Pfadfinder sind der Wegpunkt und der Track. Die Erde ist komplett mit Längen- und Breitengraden überzogen, sodass es für jeden Ort – egal

ob Bushaltestelle oder Berggipfel – eine Positionskoordinate gibt. N 47˚25.263 – E 010˚ 59.144 zum Beispiel lauten die GPS-Koordinaten für den Gipfel der Zugspitze, die man sich als den erwähnten Wegpunkt auf seinem Gerät anzeigen lassen kann. Ein Track indes erscheint als feine Linie, die je nach Zoomfaktor immer dicker wird, auf dem Display. Bei einem Track handelt es sich um eine Wegstrecke, beispielsweise die Zugspitz-Route durchs Höllental.

Was heißt das für die Praxis? Wer eine Tour unternimmt, kann sich den Track einspeichern und unterwegs stets abgleichen, inwieweit er sich auch wirklich auf dem geplanten Weg befindet.

Die andere Möglichkeit: Man speichert sich Wegpunkte ein: den Parkplatz im Tal, die erste Hütte, entscheidende Wegkreuzungen, eine schwierige Stelle, den Gipfel. Diese Wegpunkte werden mit dem GPS-Gerät angepeilt – auf dem Display erscheint dann die Luftlinie zwischen eigenem Standort und avisiertem Wegpunkt, zudem kann man sich die Entfernung und via Kompassfunktion auch die Richtung anzeigen lassen.

So kommen Wegpunkte und Tracks aufs GPS-Gerät

Klingt kompliziert? Ist es – mit ein bisschen Übung – aber überhaupt nicht. Die Frage ist: Wie kommen Wegpunkte und Tracks aufs GPS-Gerät?

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Erstens, selbst auf Tour die Daten aufzuzeichnen, außer dem Track (der bei eingeschaltetem Gerät automatisch erstellt wird) ein relevanten (zum Beispiel in puncto Orientierung neuralgischen) Stellen Wegpunkte zu setzen. Ist man irgendwann wieder auf dieser Tour unterwegs, lassen sich etwaige Verhauer vom ersten Versuch aufgrund der GPS-Daten vermeiden. Natürlich kann man seine Tracks und Wegpunkte auch daheim auf dem Computer abspeichern – und sie einem Tourenspezl per E-Mail zuschicken. Was schon auf die zweite Variante hinweist: Man lädt sich fertige Tracks und Wegpunkte aufs GPS-Gerät, um sich anhand dieser unterwegs zu orientieren.

Woher bekommt man Tracks und Wegpunkte?

Im digitalen Zeitalter kein Problem, vielfach sogar Standard: Fast alle neueren Tourenbücher bieten auf einer beigelegten CD oder auf einer Internetseite zum Download die relevanten Daten an. Aber auch bei diversen Tourenportalen ( z.B. www.tourentipp.de, www.bergsteigen.com) wird zu jeder Routenbeschreibung heutzutage auch ein GPS-Track angeboten.

Die GPS-Wegpunkte können übrigens mit zusätzlichen Informationen bestückt sein, die dann im Display erscheinen. Besonders beliebt ist das bei Mountainbiketouren – zum alljährlichen Bike-Festival im Tegernseer Tal gibt es nicht bloß die Tracks (also Wegführungen) der unterschiedlichen Rennsrecken, sondern auch Wegpunkte mit Angaben wie „nach Kreuzung rechts in Wald einbiegen“ oder „steil bergab im Schotter“. Auch die Meereshöhe ist in einem Wegpunkt enthalten.

So funktionieren GPS-Geräte

Es geht aber auch ohne Tracks und Wegpunkte – wenn man eine Karte auf seinem GPS-Gerät installiert hat. Karten sind teilweise ziemlich teuer, allerdings lassen sich auch kostenlose Karten herunterladen wie die von Openstreetmap. Hat das GPS-Gerät genug Satelliten am Himmel erfasst und die eigene Position bestimmt (beim Einschalten kann diese Initialisierung eventuell ein paar Minuten dauern), wird immer der aktuelle Standort angezeigt. Dieses Symbol (meist ein kleines Dreieck) wandert mit, sodass man bei installierter Karte immer sehen kann, wo man sich befindet. Ein weiterer Vorteil: Die zurückgelegte Wegstrecke, also der eigene Track, lässt sich von der Linienführung her wunderbar mit einer Papierkarte (die man im Idealfall immer dabei hat) abgleichen.

Nach der Tour liefert der selbst aufgezeichnete Track übrigens weitere Informationen: zurückgelegte Distanz, die Anzahl der Höhenmeter, die Zeit in Bewegung und im Stand, Höhenprofil, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit. Das mag manchen unwichtig erscheinen, doch für andere sind diese Daten unverzichtbar: für Buchautoren die bei Wanderungen möglichst genaue Gehzeiten angeben möchten; für Sportler, die per GPS ihre Trainingsleistungen vergleichen; für Bergsteiger, die auf diese Weise beweisen wollen, wirklich auf einer bestimmten Route oder einem bestimmten Gipfel gewesen zu sein.

Das Einsatzspektrum von GPS (die drei Buchstaben stehen übrigens für „Global Positioning System“) wird immer breiter: Teure Autos können mit einem GPS-Sender bestückt und im Fall eines Diebstahls geortet werden, und nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Hundeortung, damit Wuffi nicht verloren geht. Das Kartenmaterial geht auf immer mehr Spezialbedürfnisse ein: Wintersportkarten zeigen Lifte, Hütten und Abfahrten an, bei Golf-Karten rechnet das Gerät aus, wie weit es vom Abschlag bis zum nächsten Loch ist. Auch Fotoapparate beinhalten bisweilen eine GPS-Funktion – der Aufnahmeort wird als Wegpunkt gespeichert und kann später, beispielsweise bei GoogleEarth, visualisiert werden. Doch Vorsicht, diese sogenannte Geotagging-Funktion kostet viel Strom.

Akkulaufzeit bei einem GPS-Gerät

Apropos Strom: Bei der Akkulaufzeit unterscheidet sich ein GPS-Gerät massiv von einem Smartphone mit GPS-Funktion. Während das echte GPS-Gerät bis zu 25 Stunden lang arbeitet, kann einem Smartphone schon nach vier oder weniger Stunden Navigation der Saft ausgehen – unpraktikabel auf längeren Touren. Auch beim Empfang der Satellitensignale, im Handling und vor allem bei der Robustheit im Geländeeinsatz schneidet das GPS-Gerät besser ab.

Was die Genauigkeit angeht, so hat sich diese dank „Glonass“ nochmals verbessert: So heißt das noch relativ junge russische Navigationssatellitensystem (das amerikanische Navstar-GPS darf schon seit 2000 zivil genutzt werden). Die GPS-Geräte der neuesten Generation erfassen beide Satellitensystem, was bei ungünstiger Konstellation (zum Beispiel nah an Felswänden oder in tiefen Schluchten) den Vorteil hat, dass das GPS-Gerät auf eine Alternative zugreifen kann. In der Regel gilt: Je höher man steigt und je offener das Gelände ist, desto genauer die Positionsbestimmung. Im Optimalfall beträgt die Abweichung nur ein bis zwei Meter, stehen die Satelliten indes in ungünstigem Winkel, kann die Ungenauigkeit auch schon mal 20 Meter betragen.

Das ist Ihnen trotzdem alles zu technisch? Sie wollen es haben wie beim Auto-Navi mit einer netten Stimme, die Ihnen den Weg ins Ohr säuselt? Auch das kann GPS längst – mit der Routing-Funktion: Man avisiert ein Ziel als Wegpunkt, beispielsweise den Marienplatz in München, und startet irgendwo im Umland das Routing. In 200 Metern links, weiter nach Nordwest – Stück für Stück leitet das GPS-Gerät ans Ziel. Mit optischen Anweisungen, teils auch schon in akustischer Form.

Letztlich ist es beim GPS aber wie beim Navi: nie den gesunden Menschenverstand ausschalten! Am Mustagh Ata, einem Siebentausender in China, stürzte einmal ein Schweizer ab – am Gipfel behinderte Nebel die Sicht, er schaute auf sein GPS-Gerät und glaubte, acht Meter weiter zur Seite zu müssen. Dort riss ihn eine Wechte in die Tiefe. Also: nicht nur der Technik vertrauen.

Von Martin Becker

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