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Immer im Blick: das mächtige Zugspitzmassiv vom Höhenrain direkt über Grainau aus.

Zu den „heißen Lawinen“

Grainau entstand einst als „Gruenawe“, „grüne Aue“. Grün ist um diese Jahreszeit allerdings höchstens noch der Talboden, was einer stimmungsvollen Runde durch das Zugspitzdorf keinen Abbruch tut – im Gegenteil.

Erst ein wenig wandern, schauen, dann auf dem Christkindlmarkt stärken und aufwärmen, so lautet das Motto dieser Spritztour. Nach dem Kirchbichl mit der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, zwingendes Fotomotiv für jeden Besucher, passiert der Weg das Dorfzentrum mit seinen schmucken alten Bauernhäusern. Über den

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Krepbachweg erreicht man auf dem Höhenrain das erste Etappenziel. Wie die anderen Hügel rund um Grainau ist der Höhenrain einst durch einen Bergsturz entstanden. Der polterte aus den schaurig steilen Wänden des Waxensteinmassivs herunter, dessen steil aufragende Felskegel hinter dem Ort in die Höhe steigen. Doch den Blick fesseln an dieser Stelle meist nicht die Waxensteine, sondern ihr Nachbar, die alles überragende Zugspitze.

Nirgendwo sonst, vom Eibsee abgesehen, ist man Deutschlands höchstem Berg so nahe wie in Grainau. Nach Schneefällen umrahmen den Gipfel häufig dicke Wolkenes fetzen. Nur zeitweise geben sie den Blick auf die oberste kantige Spitze mit ihren Eisfeldern und Felsabbrüchen frei. Kein Wunder, dass die Alpenbewohner früherer Zeiten dort oben einen bösen „Zuggeist“ vermuteten und das Bergsteigen lieber sein ließen.

Auss.: Kompass-Karte 5, Wetterstein. Lizenz: 17-0906- LVB.

Das „Zug“ stammt vermutlich von den Schotter und Lawinenzügen, welche die 2.000 Meter hohe Nordflanke der Zugspitze prägen. Dem sonnigen Panoramaweg folgt der Weg hinab in den schattigen Baderseewald. In seiner Mitte liegt der smaragdgrüne Teich, der aufgrund seiner Warmwasserquellen auch im Winter nicht zufriert. Den 18 Meter tiefen Bergsee zieren eine kleine Insel und eine Bronzefigur, die in Form einer Nixe auf dem Grund liegt. Bald danach passiert man den Rosensee. Er versteckt sich, noch kleiner als der Badersee, tief in einer Waldsenke. Wen Wolkenes spätestens hier friert, kann sich freuen. Der Kurpark ist nicht mehr weit. Dort wartet im Musikpavillon der Grainauer Christkindlmarkt, ein echter Geheimtipp.

Der großzügige Pavillon überdacht alle 18 Stände und die Erlöse kommen ausschließlich gemeinnützigen Zwecken zugute. Fast jeder Verein am Ort ist auf dem Christkindlmarkt vertreten: Der Holzhackerverein bietet Topfennudeln vom offenen Feuer an; es gibt Selbstgestricktes und Selbstgeräuchertes, sowie weihnachtliche Klänge von der Grainauer Musikkapelle. Der Stand der Bergwacht nennt sich „Biwakschachtel“. Hier bekommt man Vinschgerl mit Leberkäs und eine „heiße Lawine“.

Hoffentlich ist das alkoholische Getränk ein gutes Omen für weniger Winterunfälle. Spätsommer und Herbst waren für die Grainauer Bergwacht eine ereignisreiche Zeit. Besonders im August und September zog es Scharen die Zugspitze hoch. Wieder einmal kam es zu Spaltenstürzen am Höllentalferner, berichtet Johann Vogg, Bereitschaftsleiter der Bergwacht. Ausrücken müssen die Retter heute wohl nicht mehr, während hinter den Lichtern des Christkindlmarkts die Zugspitzkette langsam in der Dämmerung verschwindet. Auch sie können noch mal in Ruhe die Christbäume in Augenschein nehmen, die auf einem weiteren Stand feilgeboten werden...

CHRISTIAN RAUCH

RUND UM GRAINAU

ANFAHRT – Auto: A 95 und B2 München – Garmisch- Partenkirchen. Weiter Richtung Fernpass bis Grainau. In den Ortsteil Obergrainau und am Kurpark/Zugspitzbad parken.

Bahn: Haltestelle Untergrainau an der Bahnlinie GAP – Reutte (Bedarfshalt, dem Schaffner Bescheid geben!). An der Straße Richtung Ort und bald rechts zum Höhenrain.

TOUR – Gehzeit: ca. 2,5 Stunden. Ebene bis mäßig steile Fußwege, bei Schnee oder Eis nicht unbedingt durchgehend gestreut, gutes Schuhwerk!

Vom Parkplatz die Zufahrtsstraße ein Stück zurück und bald links auf Fußweg (Schild Musikpavillon). Am Pavillon (dort der Christkindlmarkt) vorbei und rechts Richtung Eibsee/Neuneralm. An der Straße links über die Gleise und am Kirchbichl vorbei. In die Zugspitzstraße Richtung Garmisch und bei der Kurve links in den Waldweg.

Beim Schild „Privatgrund“ links in den Fußweg Richtung Waldrand und Gleise. Auf dem Weg über die Gleise, an der Straße dann links. An der Kapelle links in die Alpspitzstraße, am Hotel Alpenhof vorbei und rechts in den Stepbergweg. Über den Bach (von nun an Wegweiser zum Höhenrain), geradeaus, vor der Sackgasse rechts. Weiter auf dem Fußweg, über Brücke und am Waldrand zur Straße. Links über die Brücke zur Straße, kurz rechts und links hinauf zum Höhenrain. Auf dem Panoramaweg zum Kreuz und „Hüttle“, von nun an Schilder zum Badersee.

Nach dem Abstieg an den Teerstraßen zweimal links halten, über die Durchgangsstraße, gegenüber auf Fußweg zum Hotel Badersee. Weiter zum See und links Richtung Obergrainau. Links abbiegen zur Ortsmitte und am Rosensee vorbei zur Straße. Gegenüber Richtung Kurpark zum Parkplatz.

Kürzere Variante (1,5 - 2 Std.): Auf dem Höhenrain beim Kreuz links hinab über Kriegerkapelle nach Untergrainau. An der Straße links, dann rechts nach Obergrainau zum Kurpark zurück.

WINTERSPORT - 1. Rodelbahn (im Ortszentrum beschildert). 2. Langlaufloipen: Die Loipe „Zugspitzbad“ beginnt direkt am Musikpavillon und kann über die Krepbachloipe verlängert werden. Loipenplan unter www.grainau. de/service/ortsplan/grainau_

INFORMATIONEN – Tourist-Information Zugspitzdorf Grainau, Parkweg 8, 82491 Grainau. Tel.: 0 88 21/ 98 18 50; www.grainau.de

TIPP – Christkindlmarkt Grainau am Sonntag, 18. Dez., von 13 bis 17 Uhr am Musikpavillon (Kurpark).

KARTE – Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge.

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