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Die ehemalige Industriehalle in Mittersendling ist in vier Areale aufgeteilt: die Parkourlandschaft, die Wave, die Trampoline und den Bereich Big Air.

"GravityLab"

München hebt ab: Zu Besuch in der neuen Freestyle-Halle

Seit dem 5. September ist München um eine Sport-Attraktion reicher. Auf einer Fläche von 1700 Quadratmetern bietet das GravityLab ganzjährig und wetterunabhängig perfekte Trainingsmöglichkeiten für Freestyle-Sportarten.

Klassische Outdoor-Aktivitäten wie Freeski, Snowboard, Parkour, Freerunning, Tricking, Scooter, Skate, Bike, BMX u.v.m. werden auf vier abwechslungsreichen Areas mit Indoor-Training kombiniert. Unsere Autorin Johanna Stöckl war vor Ort.

Auf dem Instagram-Account des Freeriders Bene Mayr, der ganz offensichtlich im GravityLab trainiert, schnappte ich kürzlich ein Foto davon auf. Unangemeldet besuchte ich am Wochenende die Freestyle-Halle auf dem ehemaligen Gelände der Philip-Morris-Werke. Obwohl ich am Empfang erkläre, dass ich mich bloß umschauen will, nimmt sich der kompetente Trainer Fabian Alegre (31) viel Zeit für mich bei einer Führung. Auf Anhieb begeistern mich die Dimension, die innovative Ausstattung und coole Atmosphäre. 

Die ehemalige Industriehalle ist in vier Areale aufgeteilt. In der Parkourlandschaft trainieren gerade drei Jugendliche an Obstacles und üben gemeinsam mit ihrem Coach Sprünge aus großer Höhe in ein Luftkissen, während auf High-End-Trampolinen Kids begeistert abheben und dabei erste Salti schlagen. In der sogenannten Wave vergnügt sich ein Skateboarder in der amtlichen Halfpipe. Der Bereich Big Air, eine Art Startrampe mit unterschiedlichen Kickern und Drop-in-Niveaus, steht als Trockentraining vor allem bei Freeridern hoch im Kurs. An einer Wand haben sich Profis mit ihrer Unterschrift verewigt.

GravityLab: Indoor-Spaß für Profis und Anfänger

Da schau her: US Skistar Julia Mancuso und Freeski-Legende Tom Wallisch waren auch schon hier! Die Halle steht aber nicht nur Experten, sondern auch Anfängern jeden Alters (Kinder ab 8 Jahren) offen. Allerdings ist die Halle nicht als Spielwiese oder überdimensionale Hüpfburg zu verstehen, sondern als professionelle Trainingseinrichtung, weshalb ein einmaliger kostenpflichtiger Einführungskurs Bedingung ist, ehe man die Areas in unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus selbstständig nutzen darf. In einer Pause erklären mir zwei Buben ziemlich überzeugend, warum sie regelmäßig hier sind: „Weil Trampolin und Parkour extrem Spaß machen und wir am Pausenhof mit unseren Tricks dann angeben können!“

Über das GravityLab

Das GravityLab findet sich drei Gehminuten von der S-Bahn-Haltestelle Mittersendling entfernt in der Flößergasse 4a in München. Der einmalige Einführungskurs kostet € 50,00 für Erwachsene und € 40,00 für Kinder, also nicht mehr als eine Tennisstunde in der Halle. Hat man den Grundkurs durchlaufen, kann die Halle selbständig genutzt werden. Freies, einstündiges Training € 17,00 (Erwachsene) und € 14,00 (Kinder); Leihequipment kostenlos; Öffnungszeiten: Montag – Dienstag: 14:00 – 18:30 Uhr; Mittwoch – Freitag: 13:00 – 20:30 Uhr; Samstag und Sonntag: 10:00 – 18:30 Uhr.

Freestyle-Star Bene Mayr: „Bewegungsparadies für alle“

Olympiateilnehmer Bene Mayr bereitet sich gerade auf die anstehende Freeride World Tour vor. Im Interview erklärt der 27-jährige Freerider, wie wichtig eine Einrichtung wie das GravityLab für seinen Sport ist.

Wie oft trainieren Sie im GravityLab?

Bene Mayr: Wann immer ich in München bin. Eine Session dort macht viel mehr Spaß, als sich im Kraftraum zu schinden.

Gibt es mehrere Hallen dieser Art in Deutschland?

Mayr: Der Alpenraum ist, was Freestyle Sportarten betrifft, ein Entwicklungsland. Die Halle in München ist einzigartig in Deutschland. In Österreich tut sich zwar langsam etwas, in der Schweiz gibt es kleinere Hallen. Doch das ist alles nichts im Vergleich zu den Trainingsmöglichkeiten für Freestyler in den USA.

Als Olympiateilnehmer 2014 in der Disziplin Slopestyle hätten Sie sich wahrscheinlich eine Halle wie das Gravity Lab schon früher gewünscht?

Mayr: Allerdings! Für gutes Indoor- Training mussten wir damals nach USA oder Neuseeland reisen. Hier gab’s nix. Entsprechend froh sind alle Freestyler, dass es die Halle in München gibt.

Deutschland hinkt auch im Bereich der Snowparks hinterher.

Mayr: Absolutes Brachland! Hier gibt es nichts auf Wettkampfniveau. In der Vorbereitung fahren wir daher alle am Snowpark Stubai Zoo.

Wie schwierig ist es, einen Sprung, den man in der Halle übt, erstmals draußen auf einen riesigen Kicker zu übertragen?

Freestyler Bene Mayr schwört auf das GravityLab.

Mayr: Man fängt klein an und steigert sich. Früher wurden Sprünge indoor kaum trainiert. Heute haben wir neben dem Trampolin ganz andere Möglichkeiten. Wir trainieren mit Skiern auf Wasserschanzen, können aber auch in entsprechenden Hallen wie in München mit angeschnallten Rollski in eine Schnitzelgrube oder ein Luftkissen springen. Große, richtig schwere Sprünge übt man dabei zwar nicht, aber um die Grundlagen zu trainieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es sich anfühlt, mit Skiern an den Beinen über Kopf zu drehen, ist das geradezu perfekt. Für den Einstieg sind Hallen dieser Art ideal. Besser geht es nicht.

Für Kinder muss so eine Halle doch der Traum sein?

Mayr: Allerdings! Sich in einer Halle wie dem GravitiyLab unter fachkundiger Anleitung austoben zu dürfen, ist für Kinder eine riesen Gaudi. Sie bauen dabei ganz spielerisch ihre körperlichen, vor allem motorischen Fähigkeiten aus. Ganz ehrlich: GravitiyLab ist ein Bewegungsparadies für alle.

Treffen Sie im GravityLab auf andere Profi Freerider oder ist die Halle noch ein Geheimtipp?

Mayr: Die besten deutschen Freeskier wie etwa Sabrina Cakmakli sind dort regelmäßig anzutreffen, in Kürze werden auch die Norweger in München trainieren. Da es solche Hallen in Europa nicht häufig gibt, wird das Angebot auch entsprechend genutzt.

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