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Schöner Rastplatz: Bevor es auf den Gipfel des Rechelkopfes geht, kann man an der Sigriz-Alm eine verdiente Pause einlegen.

Ein verkannter Wadlbeißer

Es gibt Berge, die weder wegen ihrer alpinistischen Herausforderung noch wegen der Anzahl ihrer Höhenmeter punkten können. Und dennoch steigt man gern auf diese liebenswerten Grasgipfel, die oft ungeahnte Aussichten in alle Himmelsrichtungen verschenken.

Wenn man über Bad Tölz anreist, ist der Rechelkopf die erste lohnende Erhebung des Mangfallgebirges. Und wer in Greiling seine Wanderstiefel schnürt, nimmt immerhin knapp 15 Kilometer unter die Sohlen.

Gelb gesprenkelte Feuchtwiesen kontrastieren mit dem breiten Waldhügel des Vorbergs. Dahinter hält sich unser Tagesziel versteckt. Ein Sträßchen zieht gemütlich über saftigen Rasen und überquert den glucksenden Bach „Große Gaißach“. Dann folgt man einen Forstweg in den Bergwald hinein. In vielen Serpentinen wandert man zügig bergan. Die Strecke ist wenig frequentiert, nur ab und zu quält sich ein Mountainbiker den ruppigen Weg empor. Hinter Bäumen und auf Lichtungen entdeckt man immer wieder stattliche Hütten. Sorgsam geschichtete Holzscheite an den Wänden deuten auf behagliche Hüttenabende an knisternden Öfen hin.

Auf einem Aussichtspunkt mit Bänken erblickt man hinter den pittoresken Attenloher Filzen Bad Tölz und erspäht sogar den Kalvarienberg. Hernach eröffnet sich auch die Ostseite. Zwischen Nadelbäumen zeigen sich weite Almwiesen und bald hat man die Sigriz- Alm erreicht. Die urige Hütte mit dem Maibaum ist zwar das Vereinsheim der AV Sektion Waakirchen, aber man darf hier gerne rasten und manchmal gibt’s sogar Getränke.

Ein Mythos der Volksmusik stammt aus Greiling

Der Weiterweg führt über einen gestuften Grashang und eröffnet mit jedem Höhenmeter eine größere Rundschau. Am Gipfelkreuz liegen einem im Norden die Voralpendörfer zu Füßen, wo man traditionell musiziert, Kulturpflege mit einer Prise Humor würzt und wo geradlinige Persönlichkeiten in die Geschichte eingegangen sind: So hat man den Schmied von Kochel, ein gebürtiger Waakirchner, in der hiesigen Gemeinde mittels einer kupfernen Löwenstatue ein würdiges Denkmal gesetzt. In Schaftlach beweist man Originalität. Via Internet gibt’s auf der Orts-Homepage einen kostenlosen Bayrischkurs.

Ein Mythos der Volksmusik, der „Kraudn Sepp“ (1896–1977), stammt aus der Gemeinde Greiling. Mit kantigen, oft maliziösen Gstanzeln und Liedern, die noch heute den Zeitgeist treffen, startete er erst im hohen Alter seine Solokarriere. Über den Dörfern weiter im Osten spannt sich die Silhouette der Tegernseer und Schlierseer Berge und ganz in der Ferne erkennt man sogar imdie Kampenwand, während im Süden die Karwendelkette grüßt.

Nach der Gipfelrast geht’s bergab und man sollte das Wegerl zur Schwaiger Alm nicht übersehen. Auf sanft gewellten Blumenwiesen erreicht man eine kleine, verschlossene Kapelle. Nur wenige Schritte abwärts lädt die lange Holzbank an der beliebten Alm zum Sonnenbad ein. Oder man genießt hinter der Alm den Blick nach Gaißach bis hinüber zu den Isarwinkler Bergen. Wenig später ist man wieder allein unterwegs im lauschigen Hochwald und während des ausgedehnten Abstiegs wird klar, dass auch Voralpengipfel Wadlbeißer sein können. 

Doris Neumayr

RECHELKOPF (1330 M)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg bis Ausfahrt Holzkirchen. Weiterfahrt auf B 13 bis Bad Tölz. Dort links auf B 472 Richtung Miesbach. Bei Abzweigung „Greiling/ Reichersbeuern“ rechts abbiegen. Weiter bis zur Kreuzung „Ötzstraße“ in Greiling. Auf der „Ötzstraße“ links (Süden) und vor Beginn einer für öffentl. Verkehr gesperrten Teerstraße parken. Bahn: Bahnhof Reichersbeuern (BOB), www.bayerischeoberlandbahn.de

Kompass-Karte 182, Isarwinkel

TOUR – Forstwege, leichte Bergwege, meist beschildert, Brotzeit/Getränke mitnehmen, 850 Höhenmeter, 14,5 km. Gehzeit: Aufstieg ca. 2,5 bis 3 Std., Abstieg ca. 2,5 Std. Verlauf: Auf schmaler Teerstraße (Schilder: „Sigriz-Alm/ Rechelkopf“) über Feuchtwiesen südwärts. An beschilderter Kreuzung links (Osten). Am Wiesenrand entlang bis zu Forstwegabzweigung (Schild: „Sigriz-Alm, Rechelkopf“). Hier rechts (Süden) auf dem Forstweg im Bergwald bergan. Vorbei an einigen Privathütten und Aussichtspunkt. Vorbei an der Abzweigung „Schwaiger Alm“ (aus dieser Richtung kommt man beim Abstieg). Ebenso vorbei an der Abzweigung „Rechelkopf“ (Abkürzung zum Gipfel). Weiter auf dem Forstweg bleiben (Schild: „Sigriz-Alm“). Nach kurzem Bergab der beschilderten Rechtsabzweigung bis zur Sigriz Alm folgen.
An der Sigriz-Alm führt ein Weg nach rechts über gestufte Wiesenhänge zum Rechelkopf (1330 m). Am Gipfel rechts (Nordwesten) Schild: „Gaißach über Schwaiger Alm“. Auf Weg über Lichtungen und Wald bergab. Beim Wegweiser „Gaißach über Lehen“ nach rechts und dem schmalen unbeschilderten Weg (roter Punkt) zu den Wiesen der Schwaiger Alm folgen. Nach dem Eisentürl hinter der Alm rechts auf einen unbeschilderten Karrenweg.
Über Wiesen zum Waldrand und einer Hütte. Der Karrenweg zieht unterhalb der Hütte vorbei in den Bergwald. Im leichten Auf und Ab geht’s zum vom Aufstieg her bekannten Forstweg. Auf diesem zurück zum Ausgangspunkt.

HÜTTEN – Herrliche Rastplätze: Sigriz- Alm (ca. 1150 m), manchmal gibt’s Getränke, Öffnungszeiten: Sa ab 12 Uhr bis So 17 Uhr, Mitte Mai bis Ende August 17-22 Uhr; Schwaiger Alm (1123 m) mit Kapelle.

TIPPS – Das Tölzer Naturfreibad Eichmühle liegt am Rande des Naturschutzgebietes Ellbacher Moor, Eichmühlstraße, Mai - September täglich 9.30 -19.30 Uhr (bei schönem Wetter). Tel.: 08041/797209

KARTE – Kompass-Karte 182, Isarwinkel.

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