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Bei den urigen Spitzingalmen lässt sich die Brotzeit – selbst wenn es während der Tour regnen sollte – im Trockenen genießen.

Kleine Bergwanderung bei Geitau

Auf zum grünen Gipfel!

Jetzt naht die schönste Zeit für Wanderer: die ersten Blumen sprießen auf den Almwiesen und die letzten Schneeflecken verschwinden. Doch der April macht was er will...

Plätschernde Kaskaden erfreuen den Wanderer im Kuttengraben.

... weshalb man sich am besten für eine kleine „Allwetter-Wanderung“ entscheidet. Los geht’s in Geitau, ein beschaulicher Ortsteil von Bayrischzell, der auch bequem mit der Bahn erreicht werden kann. Schon beim Start ist man umgeben von emsigen Zwitschern und Klopfen rundherum in den Sträuchern und auf Bäumen – der Frühling beflügelt eben auch die Tierwelt. Sogar die erste Gämse erblickt man in einem Garten. Leider ist es keine echte, aber immerhin ein interessantes Kunstwerk... Bald bleibt der Ort zurück und man wandert zwischen Bäumen entlang am Wiesenrand. Den Weg säumen Leberblumen, Schlüsselblumen und Buschwindröschen, die wegen ihrer unschuldig weißen Farbe auch „Hemadlenzen“ genannt werden. Immer näher kommt das Rauschen aus dem Bach im Kuttengraben und dann erblickt man in einer Kurve eine Brücke. Wer möchte, kann einen Blick auf die plätschernden Kaskaden werfen, doch der Weiterweg dreht genau vor der Brücke nach rechts ab. Über Bergwiesen geht’s zu einem luftigen Mischwald. Ein Forstweg zieht gleich stramm in langen Serpentinen bergauf. Wie man den Aufstieg gestaltet, liegt an einem selbst: entweder in gemütlichem Tempo oder flotten Schrittes mit Stockeinsatz zum Konditionsaufbau für größere Touren. Auch Mountainbiker können mit frisch geöltem Drahtesel bis zu den Spitzingalmen hinaufstrampeln. Das Gipfelchen wird dann auf Schusters Rappen erklommen. Egal auf welche Weise man unterwegs ist, die Tour ist nie überlaufen. Nur aus dem Tal ertönt manchmal ein heiseres Pfeifen, wenn der Zug vorbeifährt. Der Blick auf dem freien Almgelände ist beeindruckend. Zu Füßen liegt einem das ganze Leitzachtal und dahinter erhebt sich der Hochmiesing, die Rotwand, Jägerkamp und Aiplspitz. Und zum Greifen nahe ragt der Wendelstein hinter den Spitzingalmen empor. Auf die grüne Gipfelkuppe ist es von den Hütten aus nur noch ein Katzensprung. Man hält sich südwärts und erreicht über vereinzelte Trittspuren den wenig besuchten Aussichtspunkt. Doch manchmal ist es wie verhext: Kurz vor dem Gipfel zieht es zu, es fängt an zu regnen und der Ausblick vom Gipfel ist verhangen. Dann ist man froh, wenn man trotzdem einen trockenen Pausenplatz findet. Die urigen Spitzingalmen mit Bankerl und Vordach kommen da gerade recht zum Brotzeitmachen. Hernach im Abstieg über die Forststraße erspäht man am Wegesrand eine Blechschatulle, die einen Wanderstempel beinhaltet: „Kontrollstelle Spitzingalmen“ könnte man sich nun als Andenken an die erste Wanderung der Saison aufstempeln. Mountainbiker sollten die Abfahrt vorsichtig angehen, damit der „Ritt“ nicht gleich im Graben endet, denn in schattigen Kurven lauern noch heimtückische Schneereste. Sehr anmutig zeigen sich hingegen in der letzten Etappe des Ausflugs die sanften Bergwiesen der Rieder-alm. Schon wenig später erreicht man die Aufstiegsroute – und der Kreis schließt sich.

Spitzingscheibe (1270 Meter)

Anfahrt

Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Weiter St 2073 bis Miesbach. Dann B 307 über Schliersee Richtung Bayrischzell. In Geitau links (bei einer Bushaltestelle), zunächst auf einem Sträßchen Richtung „Bahnhof Geitau“. Vor der Bahnunterführung am Straßenrand einige Parkmöglichkeiten. Bahn: Bahnhof Geitau. Geitau liegt an der BOB Strecke München – Bayrischzell (Stundentakt; www.bayerischeoberlandbahn.de).

Tour

Meist Forstwege, Wiesenpfad/Trittspuren zum Gipfel, ohne Schwierigkeiten, Höhenmeter: 490 Meter. Aufstieg: 4,2 km, Gehzeit: ca. 1,5 Std.; Abstieg: 4,7 km, Gehzeit: ca. 1,5 Std. (festes Schuhwerk, Schneereste!) Aufstieg: Auf einer schmalen Straße durch die Bahnunterführung. Nach den letzten Häusern endet die öffentlich befahrbare Straße. Man hält sich rechts und folgt einem Forstweg (Ww. „Wendelstein“). Am Wiesenrand geht’s zwischen Bäumen nordostwärts dahin. In einer Linkskurve direkt vor einer auffälligen Brücke (Kuttengraben) biegt nach rechts ein Forstweg ab (nicht ausgeschildert). Über diesen wandert man nordostwärts über Wiesen zum Wald hin. Der Forstweg schlängelt sich in langen Serpentinen den Waldhang hinauf. Man bleibt immer auf dem Hauptweg. An einer unbeschilderten Forstweg-Gabelung hält man sich links (orangefarbene Punkte am Boden). Später erreicht man auf einem kleinen Sattel eine Forstweg-Kreuzung mit Schilderbaum (ca. 1190 m). Hier geht’s nach rechts Ww. „Spitzingalmen 10 min“ über freie Bergwiesen zu den Spitzingalmen (1237 m), wo der Almweg endet. Nun rechterhand der Hüttengebäude über Wiesen auf die von weitem sichtbare Graskuppe „Spitzingscheibe“ hinauf. Abstieg: Vom Gipfel zurück zu den Hüttengebäuden und weiter bis zu den kleinen Sattel mit Forstweg-Kreuzung. Dort wandert man jetzt westwärts auf einer Forststraße bergab (Ww. „Wendelstein, Fischbachau-Birkenstein, Geitau“. Nach dem Wald kommt man zu den Almwiesen der Riederalm und zu einer mehrarmigen Forststraßen-Verzweigung mit Schilderbaum. Hier hält man sich scharf links und zieht auf einem schmäleren Forstweg an einer Bank vorbei (Ww. „Geitau, Talstation Wendelsteinbahn, Bayrischzell“). Nach Baumgruppen geht’s am Wiesenrand entlang abwärts (linkerhand entdeckt man die Hüttengebäude Riederalm). In einem schütteren Wald mündet man in eine Forststraße und zieht auf dieser nach links über eine Brücke (Kuttengraben). Ab hier geht’s über die Aufstiegsroute zurück zum Ausgangspunkt.

Karte

Kompass-Karte 8, Tegernsee, Schliersee, Wendelstein.

Von Doris Neumayr

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