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Zu einer herbstlichen Wanderung lädt das Hinterland von Schlehdorf ein.

Hinterm See liegt Afrika

Herbstliche Rundwanderung bei Schlehdorf

Zwischen dem Kochelsee und dem Herzogstand befindet sich ein kecker Waldkopf namens „Stein“. In seinen hügeligen, zerfurchten Flanken verbirgt sich Ungewöhnliches: Indianer, ein Friedhof, ferne Länder, ein Riesenlurch... Und das, obwohl der dicht bewachsene Gipfel (930 Meter) für Wanderer völlig uninteressant ist.

Also lässt man sich überraschen und startet von Schlehdorf aus zu einer Wanderung rund um diesen von Steilwänden gespickten „Waldschrat“. Sonnenanbeter sollten zur spätherbstlichen Tour allerdings früh aufbrechen, denn nur zu schnell verschwindet das begehrte Tagesgestirn hinter den höheren Nachbargipfeln.

Vom Ufer des Kochelsees aus nähert man sich der ersten spannenden Etappe, dem „Felsenweg“. Bald tauchen hinter Laubbäumen graue Mauern auf. Hautnah führt der gut ausgebaute Weg an den schroffen Wänden entlang und so mancher sinnt in dieser Kulisse den Bergtouren vergangener Sommertage nach. Blickt man zwischen Drahtgeländer hinab zum blaugrünen Wasser, erinnert man sich vielleicht auch an die letzten Ferien am Meer. Beinahe hätte man jetzt die kleine Felsengrotte mit den fragilen Heiligenfiguren oberhalb des Weges übersehen. Wer mag, erklimmt wenig später mit ein paar Schritten einen exponierten Aussichtspunkt mit einem mächtigen Kreuz. Am Ufer gegenüber zeigen sich die Zwiebeltürme des Klosters Schlehdorf und im Osten prangt die wilde Nordwand des ansonsten so zahmen Jochbergs. Ein ruppiger Forstweg führt einen hinab zu einem verwaisten Badestrand, wo eine Bank direkt am See zur Rast lädt. Im Hintergrund vermischt sich das Surren des Walchenseekraftwerks mit dem Gezwitscher der Vögel.

Steil beginnt der „Jocher Höhenweg“. Dass man sich nun inmitten eines klassischen Kletter-Eldorados bewegt, muss man erwähnen. Denn das nimmt man meist gar nicht wahr. Dank findiger Kletterer gibt es seit den 80er- Jahren an den Felswänden und Felszacken versteckt in den Waldhügeln eine ganze Palette von schwierigen Kletterrouten. Unauffällige Pfade führen zu Wänden mit kuriosen Namen wie: „Afrika“, „Friedhof der Kuscheltiere“, „Reservat“ oder „Frosch“. Letztgenanntes Gebiet liegt als eines der wenigen direkt am Wegesrand. Nach etwa 15 Minuten Anstieg versteckt sich das klobige Massiv mit den blitzenden Haken etwas unterhalb der Forststraße. Doch wer nicht rein zufällig Kletterschuhe im Rucksack trägt und mindestens den 6. Grad (Bewertungsskala 1 bis 11+) beherrscht, wird am „Frosch“ nicht abheben.

Da lohnt sich für Wanderer eher ein Weitermarschieren auf dem Forstweg in das anmutige Tal hinein. „Quiiiitsch“, so tönt Gummi auf Stahlfelgen. Flugs ist der Mountainbiker schon wieder hinter der nächsten Kurve verschwunden. Die ganze Rundtour ist nach Auskünften der MTB-Szene auch per Bike machbar. Vorausgesetzt, man verfügt über genug Strom in den Oberschenkeln und vor allem die nötige Technik, um den Trail über den „Felsenweg“ zu bewältigen. Zugegeben, zu Fuß ist der Ausflug erholsamer. Man genießt die würzige Waldluft, raschelt in den trockenen Blättern und lauscht dem Plätschern des Jochbaches. Am Schluss der Runde schlendert man über einen aussichtsreichen Wiesenhang talwärts. Augenzwinkernd verabschiedet sich der Kochelsee, versucht man die vielen winzigen Heustadel im weiten Moorgebiet hinter dem See zu zählen...

DORIS NEUMAYR

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