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Grenzenlos wandern und schauen: Den Weg zur nur 1241 Meter hohen Tiroler Karspitze startet man im bayerischen Sachrang. Am Gipfel bewundert man u.a. den Zahmen Kaiser.

Chiemgauer Alpen

Herrliches Mauerblümchen: Die Karspitze

Weniger ist mehr! Wenn zur absoluten Hochsaison die „großen Gipfel“ der Münchner Hausberge hoffnungslos überlaufen sind, wenden sich Kenner bescheideneren Zielen zu.

Meist herrscht auf den niedrigeren und unbekannteren Voralpen-Schmankerln weniger Betrieb. Der Weg zu einem solchen Mauerblümchen folgt auf der Anreise zunächst dem Wasser der Prien. Eingebettet zwischen großartigen Bergen, ist ihre keltische Bezeichnung „Brigenna“, was soviel wie „die aus den Bergen Kommende“ heißt und kein Etikettenschwindel ist. Brechend volle Wanderparkplätze von Kampenwand oder Geigelstein lässt man links liegen und stoppt erst kurz vor der österreichischen Grenze. Ein nicht zu übersehendes Schild mit Aufschrift „Müllner Peter“ leitet zum Ausgangspunkt, wo die Wanderung an einem geschichts-trächtigen Bauernhaus beginnt. In dem stolzen Gebäude wurde der weit übers Tal hinaus bekannte Müllner Peter geboren. Neben seinem namensgebenden Beruf als Müller – eigentlich hieß der gute Mann Huber – wirkte er sein Leben lang als Musiker und absolutes Universaltalent. Zunächst engagierte sich der Peter neben seiner Arbeit in der elterlichen Kornmühle als Chorleiter und Organist. Was ihn nicht ganz ausfüllte: Heilkunde, Astronomie und Sprachforschung waren weitere Steckenpferde des umtriebigen Mannes. Und als wäre das nicht genug, machte sich Peter Huber auch noch einen Namen als Geburtshelfer und Chirurg.

Einen solchen wird man in den nächsten Stunden hoffentlich nicht benötigen. Schließlich erfordert die abwechslungsreiche Wanderung auf die Karspitze weder Schwindelfreiheit noch größere Trittsicherheit. Etwas standhaft muss man allerdings schon sein, wenn man nicht schon beim Aufstieg an der Wildbichler Alm hängen bleiben will. Schon hier stiehlt die Aussicht auf Inntal und die Nordflanke des Zahmen Kaisers den kulinarischen Schmankerln fast die Schau. Am besten hebt man sich die Einkehr für den Rückweg auf, hakt die verbleibenden 200 Höhenmeter ab und bleibt auch nicht am Gipfelkreuz stehen.

Da die von der Sonne ergrauten Holzbalken nicht am „Kulminationspunkt“ stehen, lohnt es sich, nach rechts dem breiten Wiesenrücken bis zum eigentlichen Gipfel zu folgen. Von hier aus sieht man auch über Baumwipfel hinüber, die weiter unten den Blick nach Westen versperren. Ergebnis ist ein Panorama, das für einen nur 1241 Meter hohen Bergzwerg beachtlich ist. Der Rundumblick reicht von den westlichen Chiemgauer Bergen mit Heuberg und Spitzstein über die Wendelsteingruppe bis zu Rofan und Kitzbühler Alpen. Bei guter Fernsicht ist auch der Alpenhauptkamm mit den 3000ern der Zillertaler Alpen am Horizont zu erkennen. Ihre Gletscher machen klar, dass irgendwann auch der nächste Winter vor der Tür steht. Doch bis dahin haben die Wanderschuhe im Herbst noch einiges zu tun. Vielleicht ein weiteres mal an der Karspitze, die bis in den November hinein wärmstens zu empfehlen ist...

Von Michael Pröttel

 

Karspitze (1241 Meter)

Anfahrt – Auto: Autobahn A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Frasdorf: Über Aschau nach Sachrang. Am Ort links vorbei und beim gebührenpflichtigen Parkplatz (Schild „Müllner-Peter“) parken. Bahn & Bus: Über Prien nach Aschau und mit dem RVO-Bus 9502 nach Sachrang. Zu Fuß in 10 Minuten zum Wanderparkplatz beim „Müllner-Peter“.

Tour – Vom Parkplatz geht es geradeaus auf den Waldrand zu und sogleich auf dem Fahrweg rechts bergan. Nach einer Linkskurve nimmt man an einer Gabelung den rechten Weg. Noch ein gutes Stück auf dem Fahrweg bleibend wechseln sich Wald- und Wiesenabschnitte ab. An einer Rechtskurve ignoriert man den links abzweigenden Weg. Dann muss man aufpassen: Auf einer Lichtung verlässt man an der nächsten Linkskurve den Fahrweg nach rechts. Es geht in den Wald und über einen Zaunübertritt. Erst rechts davon befindet sich ein Schild „Wildbichler Alm“ an einem Baum. Nun folgt man einem schönen Bergweg. An einem Querweg hält man sich den Wegweisen folgend links, gelangt aus dem Wald und folgt einem ebenen Wiesenweg nach links, der als Pfad steiler zur Wildbichler Alm führt. Dahinter folgt man der Almstraße nach links (Beschilderung u.a. „Wandberg/ Karspitze“). Noch vor zwei rechts oberhalb stehenden, großen Bäumen folgt man unbeschildert einem rechts abzweigenden Pfad. Dieser quert einen steilen Wiesenhang und führt dann durch Wald. Nachdem man einen Bach gequert hat, wird der Weg breiter und man sieht eine Almstraße vor sich. Noch bevor man diese erreicht, folgt man weiter dem Bergweg steiler nach rechts. Schließlich geht es flacher aus dem Wald hinaus in den östlich der Karspitze gelegenen Bergkessel. Hier wendet man sich nach rechts, kommt an einem Brotzeitisch vorbei und steht auch schon am gut sichtbaren Holzkreuz.

Gehzeiten – Hin und zurück 3 Std.; Strecke: Hin und zurück 6 Km. Höhendifferenz: 500 Hm. Start / Ziel ist Sachrang / Aschach auf 738 Meter. Ausrüstung: Normale Bergwanderausrüstung.

Karte – Kompass-Karte 10, Chiemsee – Simssee.

Einkehr – Wildbichler Alm (1040 Meter). Ganzj. geöffnet, Mo. Ruhetag. Tel.: 0043 / (0) 664 / 540 32 05.

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