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Blauer Himmel, weiter Blick: So schön ist der Frühling am Ostufer des Pilsensees. Auf der Tour von Seefeld nach Herrsching über Widdersberg lohnt der Besuch der St. Michaelskirche mit ihrem lichtdurchfluteten Innenraum und den feinen Stuckarbeiten.

Spaziergang zwischen Pilsen- und Ammersee

Himmlische Retter

Himmel und Hölle liegen oft nahe beisammen, genauso wie Höhen und Tiefen. Im Auf und Ab geht’s heute von Seefeld nach Herrsching im Fünfseenland, wobei sich Ammer- und Pilsensee auf herrlichste Weise unserem Blick erschließen.

Malerisch thront Schloss Seefeld auf einem Moränenhügel über dem Pilsensee. Durch einen zarten Rokoko-Torbogen gelangt man in den edlen Brunnenhof. Seit Mitte des 15. Jhs. ist das Schloss im Besitz der Grafen zu Toerring-Jettenbach. Nach einer aufwendigen Renovierung erfreuen den Besucher erlesene Geschäfte, Kunstwerkstätten, Ateliers, kulturelle Veranstaltungen und das Bräustüberl. Ein dezenter Hauch von Noblesse liegt in der Luft...

Kampf gegen den Satan

Unsere Tour entführt über den Schlosspark in eine andere Welt. Es geht hinab zum idyllisch plätschernden Bach in den Höllgraben. An sich gibt es hier nichts Teuflisches; einzig der Weg kann auch mal höllisch rutschig sein. Erst zart begrünte Bäume haben den Vorteil, dass sie viel Sonne und den blauen Himmel hindurchscheinen lassen. Da wird die Osterwanderung im waldigen Tal zur helllichten Angelegenheit.

Dem himmlischen Feldherrn im Kampf gegen Satan wurde in Widdersberg die St. Michaelskirche geweiht. Sie zählt dank ihrer Ausstattung zu den schönsten Landkirchen. Im Innenraum gefällt der Hochaltar mit St. Michael im goldenen Gewand und die feingliedrigen Stuckarbeiten von Thassilo Zöpf aus dem Jahr 1768. Der Andechser Abt Johann von Schrattenbach erbaute 1521 die Kirche. Eine enge Verbundenheit zu Andechs belegt die Historie von Widdersberg. Im Andechser Kloster ist sogar eine „Widdersbergerin“ in einem Emporenbild verewigt. Der Sage nach erhielt sie, „stockblindes Weib aus Widdersberg“, ihr Augenlicht wieder, nachdem sie mitten in der Nacht einer Stimme folgte, die sie nach Andechs lotste...

Nach einer Stärkung in einer Einkehr in Widdersberg lässt sich zum einen die verschwundene Burg hinter dem Dorfweiher besser verkraften, zum anderen der kleine Aufstieg über den Weinbergwald. Ja, am Burghügel, wo einst die Widddersberger Burg stand, waren schon „Schatzgräber“ unterwegs. Vergeblich blieb die Suche nach kostbaren Überbleibseln der Burgherren, die Aufzeichnungen zufolge bereits 1328 ausgestorben sind.

Beim Weg über den Weinberg erhascht man auf einer Waldwiese reizende Aussichten auf den Pilsensee und Ammersee. Dann geht’s wieder bergab. Man streift das bezaubernde Herrschinger Moos und landet am Herrschinger Bahnhof. Wer jetzt sofort in die S-Bahn steigt, ist selber schuld. Der nahe Kurpark am Ammersee ist einen Abstecher wert! Am Seeufer vor einem herrlichen Alpenpanorama wartet eine zierliche Seejungfrau auf einem Waller sitzend. Das Kunstwerk stammt von der Bildhauerin Hilde Grotewahl. Weiterer Blickfang ist das 1889 erbaute Kurparkschlössl, die verspielte Villa des Kunstmalers Ludwig Scheuermann. Sie dient heute als repräsentatives Kulturzentrum der Gemeinde. Verliebte Paare, die am Seeufer zu träumen anfangen, könnten sich bei rechtzeitiger Planung in dem „Schlössl“ trauen lassen. Wenn das nicht himmlisch ist..

DORIS NEUMAYR

VON SEEFELD NACH HERRSCHING

ANFAHRT – Auto: A 96 München-Lindau, Ausfahrt Oberpfaffenhofen. ST2068 Richtung Weßling/Herrsching/ Weilheim. In Seefeld an der großen Ampel beim Schloss Seefeld rechts (Seefelder Straße) nach Hechendorf. Nach Bahnunterführung rechts zum Bahnhof, dort parken. Bahn: Bhf. Seefeld-Hechendorf, Bhf. Herrsching (S 8).

TOUR – (7,6 km, 200 Hm., Gehzeit ca. 3 Std., die Wanderwege können nass sein; Gebietskarte ratsam, da viele unbeschilderte Wege!) – Vom Bahnhof Hechendorf-Seefeld auf ausgeschildertem Weg zum Schloss Seefeld. Der Ausschilderung „Goldschmiede“ (Fußweg nach Andechs) hinter das Schloss folgen. Durch offene Gartentüre im Schlosspark auf einem Weg bergab. An Verzweigung hinter Eisenzaun rechts bis zur nächsten Gabelung. Dort rechts über Brücke, vorbei an Schmiedeeisenbank, entlang am Bach. Bei nächster Gabelung links (Osten) über breite Brücke in den Wald. Nach wenigen Metern dem rechten Weg folgen bis zu einem breiten Weg. Hier rechts leicht bergan, vorbei an Lichtung mit Schilf. Wieder im Wald an Gabelung rechts bergauf bis zur Einzäunung kurz vor Widdersberg. Auf Weg entlang der Gartenzäune nach Widdersberg zur Kirche St. Michael (Kirchplatz). Nach der Kirche rechts (Dorfstraße) in Kehren bergab zum Widdersberger Weiher. Hier links (Burgstraße) um den Weiher herum. Die Burgstraße mündet in Forstweg. Auf diesem über waldigen Kamm bergan. Vorbei an Gartenhäuschen und Waldwiese. Wieder im Wald beschilderte Verzweigung: re. Ww.„Herrsching“ bergab. An nächster Verzweigung rechts und bergab bis Weinberg. Auf Sträßchen zwischen Häusern abwärts bis Seefelder Straße. Hier links Gehweg zur Tankstelle. Straße überqueren rechts in Goethestraße, die in einen Feldweg mündet. Vorbei am Kindergarten an Kreuzung. Hier links (Mitterweg). Über Rieder Straße zur Bahnhofstraße u. Bahnhof.

INFOS – a) Tourismusbüro Herrsching, Bahnhofsplatz 3, 82211 Herrsching; Tel.: 08152 / 5227; www.sta5.de

b) Schloss Seefeld, Schloßhof 4, 82229 Seefeld: Tel.: 08152 / 99 120; www.kultur-schloss-seefeld.de

c) Hochzeit in der Scheuermann-Villa: Standesamt Herrsching, Tel.: 08152 / 374 55; www.herrsching.de

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