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Grüne Wiesen, verschneite Berge: Beim Abstieg vom Sattelberg hoch über Nußdorf genießt der Wanderer schöne Ausblicke zur Hochries.

Kirchwald und Sattelberg

Himmlische Rettung: Wanderung zu einer alten Einsiedelei

Einen schöneren Ort für sein Einsiedlerleben konnte sich der Pilger Michael Schöpfl nicht vorstellen: Deshalb ließ er sich vor mehr als 350 Jahren im Kirchwald am Fuße des Heubergs nieder.

Heute wandelt man auf den Spuren des frommen Mannes, passiert die seither als Eremitage genutzte Stätte und kann beim Rückweg über den aussichtsreichen Sattelberg Kondition für die beginnende Wandersaison aufbauen.

Schöpfl war ein Tuchmachergeselle aus Mähren und pilgerte 1643 nach Rom. Auf dem Rückweg, ein Madonnenbild im Gepäck, geriet er unter Soldaten, die ihn gewaltsam anwarben. Für den Fall einer Rettung gelobte er, als Einsiedler zu leben. Nach der Befreiung durch einen Klosterprior wanderte er nach Norden und verspürte am 21. September 1644 im oberbayerischen Nußdorf ein heftiges Verlangen, sich niederzulassen. Dafür wählte er einen stillen Ort an einer Höhle oben im Kirchwald.

Über 300 Jahre alt: Wallfahrtskirche Kirchwald und Einsiedlerhaus.

Heute führt der schöne Rosenkranzweg von Nußdorf direkt in den Kirchwald. Rund 200 Höhenmeter sind es hinauf, dann steht man vor einer prächtigen Wallfahrtskirche. Schöpfl hatte dank der Reliquien aus Rom eine schlechte Wasserquelle bei seiner Einsiedlerstätte in eine gute verwandelt und aufgrund dieses Wunders kamen bald Wallfahrer in den Kirchwald, eine Kapelle entstand. Nach Schöpfls Tod errichtete man eine Kirche aus Stein auf der Lichtung. Die einstige Felsenklause des Pilgers liegt unterhalb und ist heute nicht mehr zugänglich.

Einsiedler aber lebten weiter im Kirchwald, ab 1710 in dem Einsiedlerhaus direkt neben der ab 1720 erbauten Kirche. Als der 37. Eremit Marianus Schmid 2008 verstarb, schien die alte Einsiedlertradition zu enden. Aber nicht für lange, denn seit 2013 lebt der Benediktiner Bruder Clemens Wittmann hier. Er hat in dem schönen alten Haus eine Kerzenwerkstatt eingerichtet. Gegenüber kann man in den Vorraum der Kirche eintreten und das barocke Innere begutachten. Dann führt die Wanderung weiter nach Gritschen. Statt der Inntal-Atmosphäre hat man nun plötzlich die weiten Wiesen des Samerbergs mit seinen Dörfchen vor Augen.

Zwischen schmucken Bauernhäusern geht es hinab ins tief eingeschnittene Mühltal. Am Steinbach entlang wandert man nun Richtung Nußdorf zurück. Schöner und konditionsfordernder als auf dem Talsträßchen einfach zurückzulaufen ist nun ein Abstecher über den Sattelberg rechter Hand. Auf einem Weglein geht es die Wiesen hinauf und bis in den Weiler Haus. Danach zieht es einen nach Sattelberg über eine wahrlich aussichtsreiche Strecke. Gegenüber des Mühltals reihen sich die noch schneebedeckten westlichen Chiemgauer Gipfel auf, links die Hochries und rechts das Heubergmassiv mit Wasserwand und Kindlwand. Im Weiler Sattelberg hat man den höchsten Punkt der Tour mit 760 Metern erreicht. Rechts könnte man weitere 60 Höhenmeter hinauf zur Ziffer-alm addieren, doch mehr Ausblick bietet der höchste Punkt hier nicht.

So geht es hinab über Ober- und Untersulzberg und auf einmal hat man wieder das Inntal vor Augen, ganz unten Nußdorf, hinten Flintsbach und Brannenburg, darüber die Berge vom Wildbarren übers Petersbergl bis zum Wendelsteinmassiv. Ein würdiger Abschluss einer rundum gelungenen österlichen Tour.

von Christian Rauch

Wanderung: Kirchwald und Sattelberg

ANFAHRT – A 8 München-Salzburg bis Inntal-Dr., A 93 Richtung Kufstein. Ausfahrt Brannenburg. Weiter nach Nuß- dorf und dort rechts Richtung Erl. Vor dem Ortsende links in den Lindenweg und beim Friedhof parken.

TOUR – Gehzeit: ca. 3,5 bis 4 Stunden. Höhenunterschied: ca. 500 Meter. Fußwege und Straßen, streckenweise kann es nass oder matschig sein. Verlauf: Vom Parkplatz die Straße weiter Richtung Kirchwald/Heuberg. Auf dem Heubergweg, dann auf Sackstraße weiter, bald rechts ab (Ww. Kirchwald). Über den Kreuzweg und später auf Sträßchen hinauf zur Wallfahrtskirche. Links ab Richtung Gritschen und direkt an Kirche und Einsiedlerhaus vorbei. Dahinter etwas bergauf, dann im Auf und Ab bis zum Wanderparkplatz Gritschen. Links auf der Straße hinab Richtung Mühltal, und unten wieder links nach Mühltal. Am Fluss entlang, nach einem Haus rechts auf Forstweg Richtung Roßholzen. Oberhalb des Hauses hinauf zu weiterem gelben Wegweiser. Bald rechts des Bachs hinauf und noch unterhalb des Waldes rechts hinüber auf Wiese. Direkt unterhalb einer Sträucherreihe/Zaun rechts den Hang querend. Im Wald auf deutlicherem Weg ansteigend. Oben auf Teerstraße rechts Richtung Roßholzen. Nach den Häusern links und kurz danach links ab Richtung Sattelberg. Bergauf in den Weiler Sattelberg, dort links Richtung Nußdorf. Bergab und bei Rechtskurve (Strommast) geradeaus zum Wegweiser am Wald. Hinab bis Obersulzberg. Auf Straße rechts und hinab nach Untersulzberg. Auf Straße steiler hinab durch Wald. Bei einer Bank links und links auf Fußweg leicht bergauf. Bald wieder bergab und bei Bank links ab (Tafel mit Wegnummer 1/2). Den blaugezackten Markierungen auf gelbem Grund folgend hinab zur Straße. Jenseits auf Fußweg Richtung Waldpark/Musikpavillon hinab. Auf Brücke über den Fluss, dahinter links, über Stufen bergauf, links und zur Straße. Auf ihr rechts entlang des Hinwegs zurück zum Parkplatz. Kurze Variante: Unten im Mühltal nicht rechts hinauf Richtung Roßholzen, sondern auf der Straße bis Nußdorf. Am Ortsbeginn links Richtung Waldpark/Musikpavillon, weiter wie oben. Gut 1 Stunde kürzer, aber weniger Ausblicke.

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