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Rundblick vom Feinsten: Ob Karwendel und Rofan, Walchensee und nach Norden hin die Seen des Alpenvorlands, der Hirschhörnlgipfel bietet ein 360-Grad-Panorama.

Spätherbstwanderung in der Jachenau

Der Bär mit dem Hirschkopf

Tiergattungen skurriler Art gibt es vermutlich nur in Bayern, wo ja auch der seltene Wolpertinger ansässig ist. Um aber das Geheimnis um den bärigen Hirsch zu ergründen, muss man sich in die abgelegenste Ortschaft des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen begeben.

Ursprünglich, still und sonnig zeigt sich die Gemeinde Jachenau, ein staatlich anerkannter Erholungsort mit griabigen Wirtshäusern und verlockenden Berggipfeln rundherum. Zwischen den bekannten Bergen Benediktenwand und Jochberg erstreckt sich ein waldiger Rücken namens Bärenhaupt. Sein Gipfel ist ein weitläufiger Grasmugl, der sich Hirschhörnlkopf nennt. Im tiefsten Talgrund der Jachenau beginnt eine kurzweilige schöne Wanderung auf diesen lohnenden Aussichtsgipfel.

Zum Warmlaufen geht’s zunächst auf einer Forststraße am plätschernden Bach „Kleine Laine“ taleinwärts. Hinter Wiesenflächen und Baumwipfeln winkt schon das Tagesziel. Es sei nun dem Betrachter überlassen, während der Tour Ähnlichkeiten mit Bär oder Hirsch zu entdecken. Nach einer Weile erreicht man den Waldrand und stößt auf ein großes Marterl mit der Inschrift „Herr zeig’ uns den Weg“. Wenig später zieht man über die „Brunnenmooswiesen“ und wandert dann zügig bergauf durch das Gehölz. Bald nach einer flachen Wiese endet die Forststraße und ein Wurzelweg nimmt einen auf. Über Stock und Stein führt das steile Wegerl in Serpentinen empor durch lichten Wald. Windwurfschneisen sorgen für herrliche Ausblicke ins Karwendelgebirge, auch die Rofangipfel lugen bereits hervor. Wie hingemalt erscheinen die einzelnen Weiler im Tal, das schon seit dem 12. Jahrhundert besiedelt wird. Als Blickfang und Ohrenschmaus gilt die malerische Pfarrkirche St. Nikolaus aus dem Jahre 1291. Aus fünf Kirchenglocken entsteht das feine Geläut und ertönt im D-Dur-Dreiklang mit einer Sexte…

Die Pfund-Alm ist ein geschützter Platz für eine Brotzeit.

Auf einmal flacht das Gelände ab und man steht auf dem riesigen Grashügel, den man schon vom Tal aus sieht. Jetzt geht’s vorbei an der urigen Pfund-Alm, die auch Bärenhauptalm genannt wird. Schon hier auf den Wiesenflächen und erst recht neben dem Gipfelkreuz genießt man eine gigantische Rundschau. In der Tiefe glänzt der türkisblaue Walchensee. Dahinter spannt sich das Estergebirge und der Reigen der mächtigen Wettersteingipfel mitsamt der Zugspitze. Greifbar nahe scheinen Jochberg und Benediktenwand zu sein. Auch der Blick auf das Voralpenland mit seinen vielen blauen Seeaugen ist herrlich. Dass man auf dieser Aussichtskanzel eine längere Brotzeitpause einlegt, ist klar.

Wem es auf dem freien Gipfel zu sehr zieht, verlegt seine Rast einfach eine Etage tiefer. An der gemütlichen Holzwand der Pfund-Alm findet man ein lauschiges Plätzchen zum Staunen und Brotzeiten. Besonders reizvoll kann der Landschaftskontrast sein, wenn höhere Berge bereits weiß sind. Zum Glück ist die sonnseitige Wanderung auf den Hirschhörnlkopf auch dann noch möglich, wenn nach erstem Herbstschnee die Voralpen-Gipfel angezuckert sind. Mit Stöcken und festen Bergstiefeln ist auch das schmale Wegerl im Waldhang unter der Pfund-Alm gut zu meistern. Und egal in welcher Jahreszeit man die Tour unternimmt: Das Panorama auf dem Hirschhörnlkopf ist einfach „bärig schön“.

Von Doris Neumayr

Hirschhörnlkopf (1514 Meter)

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Sindelsdorf. B 472 über Bad Heilbrunn nach Bad Tölz. B 13 Richtung Sylvensteinspeicher / Lenggries. Kurz nach Lenggries abbiegen Richtung Jachenau. Im Ort Jachenau unterhalb der Kirche auf den ausgeschilderten Parkplatz (gebührenpflichtig). Bahn: Regelmäßige Verbindung München – Lenggries. Weiter mit RVO-Bus-Linie 9595 in den Ort Jachenau.

TOUR – Insges. 700 Hm., 9,4 km, Gehzeit: Aufstieg ca. 2,5 Std.; Abstieg ca. 2 Std; leichte Tour, auf den steilen Wegen zur Pfund-Alm ist etwas Trittsicherheit nötig (Bei geringer Schneeauflage als Winterwanderung machbar). Aufstieg: Am Parkplatz trifft man auf der Westseite (neben dem Parkautomaten) auf einen Schilderbaum mit Ww. „Hirschhörnlkopf“. Auf einer Forststraße längs des Baches „Kleine Laine“ Tal einwärts. Hinter Weideflächen zeigt sich in der Ferne das Gipfelziel. Am Waldrand bei einem Marterl folgt man der Forststraße rechts bergauf (Schild: Hirschhörnlkopf). Auf den sumpfigen Wiesen „Brunnenmooswiesen“ geht es links zügig aufwärts. Im lichten Wald bleibt man immer auf dem Forstweg, der bald über eine große flache Waldwiese führt (alle Abzweiger ignorieren). Nochmal zieht der Forstweg kurz bergauf. Dann zweigt ein deutlich gekennzeichneter Weg nach rechts (roter Pfeil, Schilder: Hirschhörnl, Hirschhörnlkopf). In vielen Serpentinen über einen grobsteinigen Weg im lichten Wald hinauf. Später erreicht man einen ausgedehnten Wiesenrücken. Der Weg führt links über den Rücken und an der Pfund-Alm vorbei (1400 m, privat, nicht bewirtschaftet). Am Schluss auf dem langen Gipfelrücken bis zum Kreuz. Abstieg: Wie Aufstieg

INFOGästeinformation Jachenau, Dorf 51 ½, 83676 Jachenau; Tel.: 0 80 43 / 91 98 91.

KARTEN – AV-Karte, Isarwinkel, Benediktenwand; Kompass-Karte 7, Murnau – Kochel.

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