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Schroffe Seite: Die Schwarzwand, die Nordflanke des Breitensteins, baut sich auf dem Weg zum Eibelkopf hinter der Steingrabner Alm auf.

Wanderung auf stillen Gipfeln

Hoch überm Märchenwald

Birkenstein zieht seit jeher die Menschen in den Bann und das nicht nur als Wallfahrtsort. Auch Wanderer schätzen diesen Ausgangspunkt für Touren zum Breitenstein oder der Kesselalm.

Wir bevorzugen heute ein stilleres Bergziel: den Eibelkopf. Nach ein paar Kehren auf der Forststraße halten wir uns an den steinigen Wanderweg Richtung Bucheralm. Im lichten Wald hat man immer wieder reizvolle Blicke auf die Schlierseer Berge. Anmutig schmiegen sich die kleinen Dörfer Unter- Mittel- und Obergschwend an den waldigen Rohnberg. Drunten im Leitzachtal leuchtet ein gelb gesprenkelter Wiesenteppich. Bald ist die erste Etappe der Tour geschafft.

Ziegen stärken die Nerven

„Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd“ – richtig, denn die Brotzeit auf der wunderschön gelegenen Bucheralm ist aus rein biologischer Landwirtschaft. Und wenn Ende Juni die Ziegen ihr Sommerquartier beziehen, können sich gestresste Städter laben: Ziegenmilch stärkt die Nerven, wirkt lindernd bei Asthma und Neurodermitis. Dabei wären die Bunten Deutschen Edelziegen vor 100 Jahren beinahe ausgestorben. Bunt deshalb, weil man aus züchterischen Gründen zum Erhalt der Tierart alle pigmentierten Ziegen, wie die Harz-, die Rhön-, die Franken-, die Schwarzwald-, die Thüringer Wald- und die Erzgebirgsziege zusammenführte...

Über einen holperigen Pfad geht es nun durch einen geheimnisvollen Wald. Klobige Felsbrocken im dichten Moosmantel, umklammert von skurrilen Wurzeln, erscheinen wie Märchenfiguren. Im rutschigen Gestein lauern viele dunkle Ritzen und Löcher auf die Füße der Wanderer. Um nicht in eine „Falle“ zu tappen, sollte man immer auf dem schmalen Weg bleiben.

Urplötzlich endet der Wald und über einen Holzsteg erreicht man einen herrlichen Wiesensattel, der eigentlich auch ohne Gipfel schon ein feines Ausflugsziel wäre. Jenseits des Inntals schimmern bläulich die Chiemgauer Berge. Beinahe greifbar nahe stehen einige imposante Gipfel des Mangfallgebirges Spalier. Felsdurchsetzt und schroff erblickt man die Hochsalwand (1625 m), unverkennbar winkt der Wendelstein (1838 m) mit seinem langen Stab.

Vis-à-vis präsentiert der beliebte Breitenstein (1622 m) eine senkrecht abfallende Felsmauer, die Schwarzwand. Am Rande des Wiesensattels duckt sich die Steingrabner Alm an den grasigen Gipfel des Eibelkopfs. Wer sich nicht von einem kurzen weglosen Gipfelanstieg ins Bockshorn jagen lässt, Feingefühl für die Flora und Gespür für eine vertretbare Aufstiegslinie mitbringt, packt es an. Nach einem Holzbankerl ist der höchste Punkt mit dem Steinmann erreicht. Der Abstieg verläuft über die gleiche Route bis zur Bucher-alm. Von dort kann man gemütlich auf der Forststraße nach Birkenstein zurückwandern. Und vielleicht besucht man noch den „bayerischen Rokokohimmel“, die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt.

Von Doris Neumayr

EIBELKOPF (1317 METER)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg bis Ausfahrt Weyarn. Weiterfahrt auf St 2073 bis Miesbach. Auf B 307 über Schliersee Richtung Bayrischzell. Links ab nach Fischbachau. Im Ort nach der Kirche St. Martin rechts nach Birkenstein. Am Ende der Birkensteinstraße rechts auf den Großparkplatz (850 m), freiwilliger Unkostenbeitrag 2 Euro. Bahn: Bahnhof Fischbachau (2,5 km nach Birkenstein), www.bayerischeoberlandbahn.de

TOUR – Höhendifferenz: 600 Höhenmeter (inkl. kleine Gegenanstiege), Gehstrecke: insges. 8,5 km, Gehzeit Aufstieg: ca. 2 Std., Gehzeit Abstieg: ca. 1 ¾ Std., Forstwege, Bergwege (leicht), 10 Min. wegloses Gelände (leicht).

Aufstieg: Vom Parkplatz zurück zur Birkensteinstraße und der gelben Ausschilderung „Bucheralm“ (Kesselalmweg) rechts folgen. Auf einer Forststraße in mehreren Kehren im Wald bergan. An einer beschilderten Verzweigung (1015 m) mit Bank und rotweißer Schranke dem linken Forstwegarm folgen. An großer T-Kreuzung („Forststraße Bucheralm“) dreht man nach links. Nach wenigen Metern zieht ein Wanderweg (Ww. „Bucheralm“) rechts im Wald empor. Man überquert bald die Forststraße und hält sich weiter an den ausgeschilderten steinigen Wanderweg.

Er quert aufsteigend an einem Hang entlang, vorbei an einer Felswand und dann zu den Almwiesen der Bucheralm (1227 m). An der Alm leitet eine Forststraße nordostwärts (Ww. „Bad Feilnbach“). In der ersten Abwärtskehre zweigt rechts ein Pfad ab (Ww. „Steingrabner Alm“). Mit wenig Höhengewinn geht’s durch einen Wald (orangefarbene Markierung). Ein Holzsteg zieht zu einem Wiesensattel hin und geht in einen Pfad über. Kurz vor der Steingrabner Alm (1262 m, unbew.), kommt man an eine Forststraße. Man überquert sie und geht durch ein Gatter (wieder schließen!!) zum Eibelkopfgipfel. Die letzten Meter steigt man weglos hinauf bis zum kleinen Steinmann am höchsten Punkt. Am besten steigt man im Linksbogen am Weidezaun entlang empor. Abstieg wie Aufstieg (oder ab Bucheralm über Forststraße).

EINKEHR – Bucheralm (1227 m), geöffnet Mitte Juni bis Mitte Oktober (witterungsbedingte Änderungen mögl.), wochentags ab Mittag, Wochenende / Feiertage ganztägig, Getränke / Brotzeiten, k. Übernachtung. T.: 08028 / 2064; www.ziegenhof-leitzachtal.de/bucheralm.html

TIPPS – 1. Wallfahrtskirche „Mariä Himmelfahrt“ Birkenstein, Kapellenweg 11, Fischbachau. Tel.: 08028 / 830. 2. Traditionelles Miesbacher Volksfest, 28. Juni, 17.30 Uhr, bis 7. Juli, 12 Uhr; Volksfestplatz; www.miesbach.de

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee-Schliersee.

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