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So wenig winterlich sah es auf der Tour noch vor drei Wochen aus: Der Rückweg von Wegscheid nach Lenggries über den Isaruferweg ist nur bei wenig Schnee empfehlenswert.

Isarwinkel

Höhenweg-Wanderung bei Lenggries: Im Reich der Stoaklauber

Eine schönere Kulisse ist nicht so leicht zu finden: rundherum Berge und ein weites Tal, durch das sich die grüne Isar schlängelt.

Mittendrin liegt Lenggries mit seinen stattlichen Bauernhäusern, die größtenteils aus dem 17. und 18. Jh. stammen. Der Ortsname lässt sich vom „langen Gries“, den riesigen Kiesbänken im Flussbett der Isar ableiten. Der Fluss war früher die wichtigste Verkehrsverbindung und zugleich der bedeutendste Wirtschaftszweig. Wegen den jahreszeitlichen Wasserschwankungen und dem großen Gefälle waren Flöße besser als Schiffe für die Isar geeignet. Sie wurden nach ihrem Transportgut benannt. So gab es Kalk-, Stein- und Kohlenflöße sowie Soldaten- und Waschflöße. Eine Art regelmäßigen Linienverkehr bot die Ordinarifloßfahrt, wo auch Privatpersonen nach München und weiter bis Wien transportiert wurden. Für eine Wien-Reise war man allerdings gut eine Woche „an Bord“. Auch an den Ufern der Isar florierten verschiedene Gewerbe. Besonders anstrengend war das „Stoaklauben“ (Steine einsammeln).

Diese Tätigkeit wurde besonders von Frauen und Kindern verrichtet. Stundenlang standen sie in gebückter Haltung im Kiesbett und sammelten geeignete Steine zur Kalkbrennerei. Als Sonnenschutz trugen sie weiße Tücher oder ein so genanntes Gupfhütl. Viele litten schon in jungen Jahren an Rheuma und Arthrose. Aber um einen der großen Kalköfen, die an den Ufern standen, zu füllen, mussten tonnenweise Steine herangeschafft werden. Einer dieser Kalköfen liegt nahe des heutigen Spazierganges. Gleich nach der Isarbrücke am Anfang der Tour, lohnt ein kleiner Abstecher in den „Kalkofenweg“. Der Ofen stammt aus dem 18. Jh. und ist sehr eindrucksvoll, obwohl der Innenraum im Winter verschlossen ist. Mühsam mussten die Steine und pro „Brand“ etwa 50 Ster Brennholz aufgeschichtet werden. Drei bis fünf Tage dauerte ein „Brand“, dabei herrschte eine Hitze von über 1000 Grad, die konstant gehalten werden musste. Rund um die Uhr legten Kalkbrenner Holz nach. Ein „Brand“ im Lenggrieser Ofen ergab etwa 60 Kubikmeter Sumpfkalk. Den Kalk brauchte man zum Weißeln, für Fresken und zum Stuckieren. 1958 war der Ofen endgültig aus.

Der Spaziergang führt nun über die „Brauneckstraße“ bergauf nach Westen und nach einem Brückerl geht man auf einem aussichtsreichen Höhenweg gen Süden. Umgeben vom Blick auf schönste Wandergipfel spaziert man über Bauernwiesen, vorbei an Gehöften und durch eine Allee.

Sobald es hinunter geht nach Wegscheid, sollte man die Schneeverhältnisse beachten und im Zweifelsfall über die gleiche Strecke wieder retour gehen. Passen die Bedingungen, genießt man auf dem Isaruferweg – nicht geräumt – einen herrlichen Nahblick auf den Fluss. Nur zu gut kann man sich jetzt die „Stoaklauberinnen“ auf den Kiesbänken vorstellen. Beinahe wären sie völlig in Vergessenheit geraten, wenn sie nicht Maler, wie Josef Wenglein (1840-1919), in ihren Werken festgehalten hätten. Im Stadtmuseum von Bad Tölz lassen sich einige dieser Motive bewundern.

von Doris Neumayr

RUNDWEG LENGGRIES/WEGSCHEID

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-P., Ausfahrt Sindelsdorf. Über die B 472 nach Bad Tölz. Dort dann auf die B 13 nach Lenggries. Der Bahnhof (Schützenstra- ße) ist ausgeschildert. Westlich vom Bahnhof, parallel der B 13 gibt es einen großen Parkplatz. Bahn: BOB bis Lenggries; Informationen: www.bayerischeoberlandbahn.de

TOUR – Ganze Runde 6,5 Km, Gehzeit ohne Pausen ca. 2 Stunden, gut die Hälfte der Strecke ist asphaltiert und geräumt. Der Rückweg an der Isar kann bei größeren Schneemengen nicht begangen werden – nicht geräumt! Verlauf: Vom Bahnhof (Schützenstraße) kurz zurück nach Norden. Man folgt der Linkskurve über die Bahngleise zur Isarbrücke. Nach der Isarbrücke im Kreisverkehr sieht man die Schilder: „Kalkofen“ und „Höhenweg West“. (Der Abstecher – 120 m – zum Kalkofen führt über den „Kalkofenweg“). Nach dem Abstecher folgt man dem „Höhenweg West“ und biegt rechts in die „Brauneckstraße“. Am Bach entlang geht’s bergauf zum großen Marterl in einer Kurve. Hier links über die Brücke aufwärts („Wegscheid 2,6 km“). Jetzt ist man in der Straße „Gilgenhöfe“ vor einer Malschule. Auf dieser Straße geradeaus. In einer Rechtskurve Richtung „Bergbahn“ (eine Abkürzung über eine Wiese wäre möglich). Man kommt zur „Bergbahnstraße“ und dreht auf dieser nach links („Wegscheid 2,3 km“). Nun die nächste Straße nach rechts („Wegscheid 2,1 km“) und geradeaus mit schönster Aussicht durch eine Allee, vorbei an Bauernhöfen. Dann leicht bergab zum Haus Grasmühle. Man gelangt in die Straße „Schellenburg“. Diese bergauf immer am breiten Hangrücken entlang Richtung Wegscheid. An einer Gabelung vor einem kleinen Felsen nach links. Im Ortsteil Untermurbach wieder über Wiesen und vorbei an Gehöften. Dann zieht die Straße links abwärts nach Wegscheid. Man kommt zur „Jachenauer Straße“, St 2072. Auf dieser Straße kurz rechts bis zu einer Bushaltestelle und Einmündung „Auweg“. Auf diesem bis zur T-Kreuzung am Isarufer. Hier geht’s nach links „Isaruferweg Lenggries“. Der anfangs asphaltierte Weg wird bald ein Wanderweg, der in Lenggries beim „Ristorante Luna Piena“ an der Isarbrücke endet. Von dort auf bekannter Route zurück.

TIPPS – 1. Loipen: Infos unter www.lenggries.de/winter/langlauf-skating. 2. Kalkofen (Kalkofenweg): Im Winter ist nur eine Außenbesichtigung möglich (Innenraum: April bis Oktober 9-17 Uhr). 3. Stadtmuseum Tölz: Marktstr. 48, T.: 08041/793 51 56; www.bad-toelz.de/kultur/das-toelzer-stadtmuseum.html

KARTE – AV Karte BY11 Isarwinkel, Benediktenwand, 1:25000; Kompass-Karte 82, Isarwinkel.

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