Der Sandstein ist weich und formbar.

Wanderung zum Schnalzberggipfel

Höhlen über der Ammer

„Das Wasser scheint / Von Gottes Wort / Ein Teil zu sein.“ Das Gedicht hat die Peitinger Studentin Jutta Brennauer für ihren Naturlehrpfad an der Ammer ausgewählt. Es fängt die Stimmung ihrer Heimat ein.

Eine Landschaft, die von der rauschenden Ammer und dem hoch aufragenden Schnalzgipfel geprägt ist. „Die umliegenden Naturschutzgebiete sind schützenswert“, sagt Jutta Brennauer. Sie möchte diese bewahren und das Verständnis für die Natur auch anderen Menschen näherbringen. Das ist ihr Antrieb, ihr Ziel, ihre Mission.

Deshalb schrieb sie vor vier Jahren eine Biologie-Facharbeit über den Fluss, die Geologie und Ökologie der Ammerschlucht. Ein Wissen, das sie an Naturliebhaber weitergeben will. Sie überzeugte die Stadt Peiting, den Kunst- und Naturlehrpfad „Ammerlauf“ zu finanzieren. Er führt an acht Tafeln entlang und eignet sich für eine beschauliche Wanderung, die sich mit dem anspruchsvolleren Weg auf den Schnalzberg kombinieren lässt.

Am Schnalzparkplatz in Peiting beginnt die Tour auf einem gut begehbaren Weg. Nach einigen Metern führt er in steilen Stufen bergab, dem Tal entgegen. An der nächsten Abzweigung lohnt sich ein Abstecher auf den König-Ludwig-Weg zu den „Kalksinter-Terrassen“ – ein jahrtausendealtes Naturschauspiel. Der Boden ist hier von einer glitzernden, wachsartigen Kalkschicht überzogen. Entstanden sind sie durch eine Reaktion von Grundwasser und Luft. Jutta Brennauer nennt das einen „chemischen Zauber aus Kalk, Wasser und Pflanzen“. Sie appelliert an die Wanderer, die Sinter-Terrassen nicht zu betreten.

Nach dem Besuch der geologischen Besonderheit geht es zurück auf den Naturlehrpfad und dort weiter bergab bis zur Ammer. Das Gebiet ist Lebensraum vieler Tierarten, zum Beispiel von Dachsen, Falken, Uhus und Forellen.

Um den Schnalzberg zu besteigen, verlassen die Wanderer den Naturlehrpfad und überqueren den Kalkofensteg über die Ammer. Nach dem Steg geht es rechts am Ufer entlang und anschließend links über eine weitere Brücke. Von dort führt ein ausgeschilderter Wanderweg zum Gipfel. Zu Beginn lockt links ein zweiter Abstecher zu den sagenumwobenen Schnalzhöhlen. Dieser steile, schmale Pfad erfordert festes Schuhwerk, Trittsicherheit und viel Ausdauer. Mit kleinen Kindern oder Hunden ist der Weg nicht zu empfehlen. Jeder Wanderer sollte hier vorsichtig sein: Die „Steinernen Stuben“ im Sandsteinfelsen sind nicht gesichert, teilweise besteht Einsturzgefahr.

Einst dienten die Höhlen in Kriegen als Zufluchtsort für Einheimische und noch heute ranken sich Legenden um sie. So erzählt die siebte Tafel des Naturlehrpfads die Geschichte eines Mädchens, das sich auf eine Mutprobe einließ und sich nachts bis zur größten Höhle, der Teufelsküche, wagte. Dieser gefährliche Trip endete tödlich.

Nach dem Besuch der Höhlen kehren die Wanderer zurück auf den offiziellen Weg und machen sich auf zum Gipfel. Wenn der Weg sich gabelt, führt die linke Abzweigung Richtung Leithen zum Ziel. Da es unterwegs keine Möglichkeiten zur Einkehr gibt, bietet sich ein Picknick auf dem Gipfel an. Gestärkt machen die Wanderer sich auf den Rückweg in das Ammertal, überqueren wieder den Kalkofensteg und biegen nach rechts ab, zurück auf den Naturlehrpfad.

Das letzte Stück führt ab dem Wehr in einer Haarnadelkurve nach links von der Ammer weg und bergauf, bis der Parkplatz erreicht und der Rundweg geschlossen ist. Die gesamte Tour dauert zwei bis drei Stunden.

Für Naturliebhaber bietet Jutta Brennauers Kunst- und Naturlehrpfad eine vielfältige Wanderung. Abenteuerlustige Menschen kommen auf dem Schnalzberg auf ihre Kosten. Natur gibt es auf beiden Wegen satt.

von Louisa T. Braun

VON PEITING ZUM SCHNALZBERG

ANFAHRT

Bus und Bahn: Von Weilheim fährt stündlich (jeweils 18 Minuten nach der vollen Stunde) ein Regionalzug zum Bahnhof Peiting Ost. Von dort aus läuft man zu Fuß eine Weile durch den Ort: Vom Bahnhof Ost führt die Kohlenstraße in Richtung Schnalzberg. Nach 400 Metern an der Kreuzung rechts in den Leitenweg einbiegen und diesem bis zur dritten Kreuzung folgen. Dort links in die Zugspitzstraße einbiegen und dem Weg 1,5 km durch die Felder folgen. Schließlich die B472 vorsichtig überqueren und der Schnalzstraße nach links folgen. Hinter einer langgezogenen Rechtskurve befindet sich der Schnalzparkplatz, der Ausgangspunkt der Wanderung. Die Strecke zu Fuß dorthin ist 2,7 Kilometer lang. Auto: Peiting ist über die B472 und die B23 zu erreichen. Man fährt über die A95 München – Garmisch-Partenkirchen. Ausfahrt Sindelsdorf, dann auf die B472 Richtung Bad Tölz/Peißenberg. Über Huglfing – Peißenberg – Unterbau – Hohenpeißenberg in Richtung Füssen/Peiting. Ausfahrt B23 Richtung Garmisch-Partenkirchen/ Oberammergau/Peiting-Süd. Rechts abbiegen in die Ammergauer Straße, dann rechts in Am Stein. Danach zwei Mal rechts in die Schnalzbergstraße abbiegen und auf den Schnalzparkplatz fahren.

WANDERROUTE 

Der Naturlehrpfad Ammerlauf beginnt am Parkplatz. Er ist als Rundweg angelegt und ca. drei Kilometer lang. Auf dem Naturlehrpfad sind acht Tafeln angebracht, die über das durchwanderte Gebiet informieren. Tafel 1 befindet sich direkt am Schnalzparkplatz. Rechts davon beginnt der Wanderweg. Die Strecke führt durch waldige und steinige Wanderwege durch das Naturschutzgebiet, um den Gipfel herum und an der Ammer entlang. Am Kalkhofensteg (Station 4, ausgeschildert) führt die Route zum Panoramarundweg auf dem Schnalzberg. Dieser ist noch einmal etwa 2,5 Kilometer lang. Am Kalkofensteg die Ammer überqueren und dem Weg bis zur dritten Kreuzung folgen. Dort links auf den Wanderweg abbiegen und dem Rundweg folgen. An der zweiten Kreuzung links abbiegen (Richtung Leithen), um auf dem Rundweg zu bleiben. Dem Weg bis zur zweiten Kreuzung folgen. Dort führt die Strecke über den Kalkofensteg zurück auf den Naturlehrpfad. Dem Rundweg entlang der Ammer bis zur achten Station folgen. Von dort geht es in einem Bogen durch den Wald zurück zum Schnalzparkplatz. Der Schnalzwanderweg ist streckenweise sehr steil, Wanderschuhe sind zu empfehlen.

EXTRATIPP 

Empfehlenswert ist die Besichtigung der „Kalksinter-Terassen“ und der sagenumwobenen Schnalzhöhlen.

EINKEHR 

Im Ort Peiting: Zechenschenke – Zechenstraße 2, Tel.: 08861 68164,

www.zechenschenke.de.

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