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Reißende Wassermassen, die an schmalen Stegen vorbeirauschen, machen die Tour durch die wilde Wolfsklamm zu einem Erlebnis.  

Wanderung zum Felsenkloster bei Stans

Im Höllenschlund

Stans? Noch nie gehört? Der kleine Ort liegt auf der Südseite des Karwendelgebirges in der Nähe von Schwaz im Inntal und ist Ausgangspunkt einer kontrastreichen Rundtour:

Nach einem prickelnden Naturerlebnis in einer wilden Schlucht tankt man Ruhe und Kraft in einem malerischen Felsenkloster mit anschließendem Gasthof! Leise plätschert der Stanser Bach neben dem Wanderweg. Nach dem Mauthäuschen verengt sich das Tal und ein Wurzelweg bringt einen hinauf zu grauen Felswänden, dem Beginn der Wolfsklamm. Auf einem Holzsteg mit Geländer wandert man in einer Felsengalerie taleinwärts. Der Stanser Bach hat sich flugs in ein tosendes Monster verwandelt. Auf rutschigen Holztreppen ergreift man immer wieder dankbar das Drahtseil angesichts der Wassermassen, die mit unbändiger Kraft durch die Schlucht stürzen. Im letzten Drittel des Weges erreicht man eine kleine dunkle Grotte.

In herrlicher Bergwelt gelegen: das Felsenkloster St. Georgenberg.

Ein Holzbalkon führt etwa 15 Zentimeter über dem Wasserspiegel hinein in diesen nasskalten Höllenschlund. Während man in grünlich schimmernden Dämmerlicht auf glitschigen Brettern über eine Gumpe balanciert, schaut man durch glasklares Wasser bis auf den Grund. Dann wird endlich der Himmel zwischen den Steilwänden sichtbar, doch der Weg endet vor einer düsteren Wand. Meint man! Hinter einer Kurve wartet ein kaum mannshoher Felsentunnel auf die Wanderer. Anschließend fällt abrupt der Vorhang dieses Naturschauspieles in Form eines schleierartigen Wasserfalles. Und dann findet man sich plötzlich auf einem breiten Forstweg inmitten eines lieblichen Laubwaldes wieder. Minuten später erscheint hoch über den Baumwipfeln auf einem Felssporn das Wallfahrtskloster St. Georgenberg. Ein Kreuzweg mit Bildstöcken führt hinauf zur imposanten Holzbrücke.

Das denkmalgeschützte, 40 Meter lange Bauwerk bringt einen direkt zur Klosteranlage mitsamt Gasthof. Das Kloster wurde im 10. Jahrhundert von Rathold von Aibling gegründet. Nachdem er verschiedene Wallfahrten unternommen hat, zieht er sich als Eremit in eine Höhle auf dem Georgenberg zurück. Doch schon bald schließen sich ihm Gefährten an. Durch Schenkungen von Kaisern und Bischöfen entsteht das Konvent und im Jahr 950 die Wallfahrtskirche. Das Kloster mit der prunkvoll barockisierten Kirche gehört zum im Tal gelegenen Stift Fiecht: Als mehrere Großbrände das Bergkloster verwüsten, erwägt man noch während des Wiederaufbaus 1706 in Fiecht bei Vomp ein zweites Kloster für die Benediktinermönche zu bauen. Das Stift Fiecht ist heute eine weltoffene religiöse Bildungsstätte mit sehenswerter Kirche und Museum. Nach einer Rast wandert man auf ruhigen Waldwegen zur versteckten kleinen Wallfahrtskirche Maria Tax, wo 1616 die hl. Maria erschienen sein soll. Dann schlängelt sich der Weg unter hohen Bäumen wieder hinab in den verträumten Ort Stans.

Von Doris Neumayr

WOLFSKLAMM / STANS

ANFAHRT – A 8 Richtung München – Salzburg. Am Inntaldr. Richtung Kufstein / Innsbruck. Ausfahrt Schwaz. Weiterfahrt nach Stans. In Ortsmitte der Ausschilderung „Wolfsklamm“ folgen zum gebührenpflichtigen Parkplatz. Bahn: Bhf. Stans (www.bahn.de und www.oebb.at)

TOUR – Vom Parkplatz „Eingang Wolfsklamm“ auf einer schmalen Straße entlang am Stanser Bach. Nach dem Mauthäuschen zieht ein Weg im Wald empor zur Steiganlage. In Felsengalerien über Holzstege mit Holzgeländer und Drahtseil durch die Schlucht. Nach einem niedrigen Felsentunnel endet der Klammweg. Man mündet in eine Forststraße im Wald. Taleinwärts bis an eine Verzweigung an einer Brücke (Kreuzweg mit Bildstöcken). Dort rechts aufwärts im Wald an eine Verzweigung mit Schilderbaum (hier verläuft später der Rückweg über Maria Tax). Jetzt links dem Kreuzweg folgen und durch einen Torturm über die „Hohe Brücke“. Wenig später ist die Klosteranlage St. Georgenberg mit Gasthof erreicht. Der Rückweg führt zur letzten Verzweigung. Hier nach links bergan Ww. „Maria Tax 0:45h“. Minuten später rechts einem breiten Waldweg folgen (Kreuzweg mit Bildstöcken). Dann leitet ein schmaler steiler Weg rechts abwärts Ww. „Maria Tax 0:15h“. An der kleinen Wallfahrtskirche weist ein Schild den Weiterweg „Stans 0:30h“. Der enge Waldweg führt zu den ersten Häusern von Stans. Geradeaus hinab bis zur beschilderten Rechtsverzweigung „Wolfsklamm“ (Parkplatz).

Gehzeit: Stans – Wolfsklamm – St. Georgenberg ca. 1,5 Std., Rückweg über Maria Tax nach Stans ca. 1,5 Std. Strecke: 5,2 km, 450 Höhenmeter, die Rundtour ist gut ausgeschildert, auch für trittsichere größere Kinder geeignet, rutschfeste Schuhe (!), nach starkem Regen oder bei Gewitterneigung ist von der Tour dringend abzuraten.

WOLFSKLAMM STANS – Gesicherter alpiner Schluchtweg, 354 Treppen, von Mai bis Oktober täglich; Eintritt: Erw. 3,50 Euro, Gruppen ab 10 Pers. 3 Euro, Kinder 2,50 Euro; www.silberregion-karwendel.com

STIFT FIECHT – Benediktinerabtei St. Georgenberg- Fiecht in Vomp-Fiecht: Führungen durchs Stiftsmuseum und Stiftskirche (prächtiger Barock), Übernachtung, Tel.: 0043 / 5242 / 632 76 33; www.st-georgenberg.at.

SCHLOSS TRATZBERG – Tagesführung (1 Std.), Abendführung mit Rittertafel, Märchenführung für Kinder. Tel.: 0043 / 5242 / 63 566; www.schloss-tratzberg.at.

KARTE – Kompass-Karte 26, Karwendelgebirge.

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