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Beim Sulzkogel in den Stubaier Alpen sollte man für eine Skitour Ende April oder Anfang Mai früh dran sein, die Hänge liegen schon am Morgen in der Sonne.

Finale bei den Firngipfeln

Die Krokusblüte im Tal zeigt uns, mit welcher Macht die Natur auch in den Bergen auf Frühling setzt. Alles ist übersät mit den weißen und violetten Blümchen – was für eine Fülle, was für eine Energie und was für ein großes Geschenk!

Hoch oben gleißen die Firngipfel wie Zitroneneis in der Sonne und lassen den Himmel darüber fast dunkelblau erscheinen. Alles scheint vor Kraft zu strotzen, gerade im Frühling hat die Natur Energie im Überfluss. Wen wundert es da, wenn es auch den Skitourengeher noch einmal juckt und er kosten möchte von diesem überschwänglichen Reichtum?

In den Stubaier Alpen finden sich dazu einige schöne Frühjahrsskitouren. Ende April und Anfang Mai muss man jedoch bei vielen Touren die Ski zuerst einmal recht lange tragen. Das schränkt den Spaß natürlich etwas ein. So suchen wir uns mit dem Sulzkogel eine Route, bei der das in der Regel nicht der Fall ist. Der Sulzkogel ist ein 3000er im Sellrain der Stubaier Alpen. Wir starten in Kühtai und das ist bekanntlich ein Liftgebiet. Während echte Skitourenfreunde die Piste ja sonst meiden, ist sie im späten Frühjahr ein riesiger Vorteil. Gerade im Mai, wenn die Liftanlagen vielleicht schon geschlossen sind, erweist sich die über eine ganze Skisaison präparierte Piste Beim Sulzkogel in den Stubaier Alpen sollte man für eine Skitour Ende April oder Anfang Mai früh dran sein, die Hänge liegen schon am Morgen in der Sonne. Und so kann man bei dieser Skitour meist noch im Mai vom Parkplatz weg mit den Ski aufsteigen – und was noch wichtiger ist – auch wieder bis zum Ausgangspunkt abfahren. Dafür muss man beim Sulzkogel recht früh dran sein, denn der steile Gipfelhang liegt schon am Morgen direkt in der Sonne.

Kompass-Karte 83, Stubaier Alpen, 1: 50 000.

Wer also die Spielregeln in Sachen Lawinen berücksichtigt, muss in den sauren Apfel beißen und ganz einfach früh starten. Erwischt man den Traumhang zur rechten Zeit, hat man viel Spaß bei der Abfahrt, denn dann darf man über Butterfirn tanzen und muss nicht im faulen Schnee um Leib und Leben fürchten. Die Route hat aber auch noch andere Besonderheiten zu bieten, denn sie führt, die Staumauer eines Speichersees querend, hinauf zur Dammkrone. Dann geht es am linken Ufer des Finstertaler Speichers entlang, bis man das eigentliche Skitourengelände hinter dem Stausee erreicht. Ein großartiges Tälchen leitet einen – unterbrochen von einer Steilstufe – zu zwei im Frühjahr noch eingeschneiten kleinen Seenaugen. Früher gab es hier oben auch noch einen Gletscher, doch davon ist nichts mehr übrig.

Begleitet von den Kämmen von Sulz- und Gamskogel, geht es nun in einen schmalen Kessel und am Ende über den erwähnten steilen Hang hinauf in eine Scharte unterm Gipfel. Im späten Frühjahr ist der südseitige Gipfelrücken, der beachtlichen Höhe zum Trotz, oft schon ausgeapert. So lässt man die Ski in der Scharte zurück und kraxelt über Plattenschutt und Blöcke hinauf zum höchsten Punkt. Stimmt bei gutem Wetter das Timing, gelingt auch die anschließende Abfahrt. Ja, sie ist ein Hochgenuss!

Vom 3016 Meter hohen Gipfel schwingt man über 1000 Höhenmeter hinunter bis vor den Kofferraum seines Autos. Dann macht man im Tal noch schnell ein paar Fotos von einer Krokuswiese und ist zum Kaffeetrinken wieder zuhause in München, wo man die Blumen- und Gipfelbilder den daheimgebliebenen Langschläfern präsentiert. So ein Skitourentag im Frühling ist ein langer, aber eben auch erfüllter Tag – einer, bei dem wir etwas von der frühlingshaften „Flower-Power“ mit nach Hause nehmen.

VON BERNHARD ZIEGLER

SULZKOGEL (3016 METER)

ANFAHRT – A95 München–Garmisch, über Mittenwald, Scharnitz, Zirl ins Sellrain. Hierher gelangt man auch über die Inntal-Autobahn, Ausfahrt Zirl. Über Sellrain und Gries nach Kühtai. Durch den Ort hindurchfahren. Dann auf der wieder fallenden Straße noch etwa 400 Meter weiter, bis man eine kleine Abzweigung nach links zum Hotel Alpenrose findet.

TOUR – Ausgangspunkt: Hotel Alpenrose (1950 Meter) in Kühtai. Alternativ kann man auch schon 150 Meter davor links abbiegen und von hier aus über die Werksstraße zum Damm starten. Route: Über die Piste (links vom Alpenrosenlift) hinauf, bis man beim Graf Ferdinand-Haus auf die Werksstraße zur Staumauer trifft. Beim Berggasthof nun nach links entlang der Straße zum linken Rand der Dammkrone. Dabei wird man im oberen Bereich, wo die Straße Serpentinen vollzieht, die Kehren abkürzen. Jetzt peilt man die ausgeschilderte Skiroute bei der kleinen Lawinenverbauung an und traversiert die Hänge des Ostufers nach Süden. Am Südende des Speichersees quert man steile Abschnitte nach Westen und erreicht so das Tälchen am Südende des Sees.

Durch dieses Hochtal nach Südwesten; einer Steilstufe beim (gefrorenen) Wasserfall weicht man dabei meist rechts herum aus. Bei einer Höhe von etwa 2680 Meter erreicht man den Rücken, der sich vom Sulzkogel herunterzieht bei zwei kleinen Seen. Hier dreht die Route nach Westen ein und zieht sich flach durch das kleine Tälchen bis unter den Gipfel. Durch eine ziemlich steile Mulde (bis 40˚) nach Nordwesten hinauf in die Scharte links unterm Sulzkogel. Über den breiten Gratrücken nach Norden – je nach Verhältnissen zu Fuß oder mit Ski – hinauf zum Gipfel.

Charakter dieser Tour: Mittelschwere Skitour mit kurzen steilen Abschnitten und einem ziemlich steilen Gipfelhang.

TOURDATEN – 1070 Höhenmeter; Aufstieg drei bis dreieinhalb Stunden.

KARTE – Kompass-Karte 83, Stubaier Alpen, 1: 50 000.

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