Toller Auftakt einer schönen Radltour: Das heutige Industriedenkmal „Bockerlbrücke“ führt über die Isar bei Landau.  TVB Ostbayern

Isar- und Bockerlradweg bei Landau

Im Land der Super-Gurken

Nun ja, für oberbayerische Ausflügler ist die Gegend zwischen Dingolfing und Landau nicht unbedingt erste Wahl. Ein Fehler!

Denn gerade Radler können sich zwischen Isar und sanften Hügeln eine ruhige, aber umso charmantere Landschaft fern des Massentourismus erschließen. Zudem hat sich die niederbayerische Region dem E-Bike verschrieben – und mit einem Leihrad gibt es den Rückenwind inklusive! Ausgangspunkt der variantenreichen Spritztour könnte Dingolfing sein, das viel mehr bietet als BMW-Werke: eine intakte Altstadt, ein schönes Museum (mit reizendem Cafe), das u.a. auch die Geschichte des legendären Goggomobils erzählt.

Die Schmach der Schienen-Casanovas

Dingolfing ist Einstieg ins Radlvergnügen in Form eines Stücks des Isarradwegs. Träge fließt der bayerischste aller Flüsse, es tritt sich leicht bis Usterling und da ist die Dorfkirche St. Johannes ein Muss. Sie hat einen wertvollen gotischen Flügelaltar und im linken Teil ist die Taufe Jesu durch Johannes am Wachsenden Felsen dargestellt. Das ist ein kulturhistorisches Kuriosum und die Darstellung zeigt das regionale Naturdenkmal so, wie es um 1500 ausgesehen haben dürfte. Denn den nachwachsenden Felsen gibt es quasi nebenan, ein Karstgebilde, das tatsächlich seit 5000 Jahren wächst. Das Quellbächlein nährt bis heute die Kalkablagerung und der Felsen gehört zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns. Etappenziel ist Landau.

Weg von der Isar, rein in den Bockerlbahnweg: Insgesamt folgt er auf 48 Kilometern einer ehemaligen Bahntrasse bis Postmünster. Die Bahnlinie Landau/Isar bis nach Arnstorf wurde 1903 eingeweiht und obwohl das hier alles nicht hochalpin ist, steigt die Strecke nach dem Bahnhof gleich mal auf vier Kilometern an. Und da „bockten“ damals die Loks, vor allem, wenn der Heizer seinen Job hatte schleifen lassen. Oder Rachegelüste hinzukamen: Weil die lokale Damenwelt auf die schneidigen Lokführer „abfuhr“, schmierten die abgewiesenen Burschen der Region die Schienen mit Öl ein und sahen hocherfreut zu, wie sich die Helden lächerlich machten mit dem zurückrutschenden Zug…

Wer sich in einer der Verleihstationen ein E-Bike gegönnt hat, schnürt da hinauf wie nichts. Aber auch ohne Zusatzantrieb ist der Weg ein sanftes Radlvergnügen und windet sich durch eine gefällige Landschaft aus Feldern, Weilern und Waldstücken. Bis im Vilstal alles anders wird. Das hier ist das größte zusammenhängende Anbaugebiet für Feldgemüse und jetzt kommt es: Der Spreewald schmückt sich mit falschen Gurken!

Der Landkreis Dingolfing-Landau produziert mehr Gurken als der Spreewald und so manche Spreewaldgurke im Glas stammt ursprünglich aus Niederbayern. Wer also in einen „MacBurger“ zwischen London und Rom beißt, schmeckt eine der Vilstal-Gurken! Geerntet werden sie mit dem Gurkenflieger – ein Monstrum mit Traktor im Mittelteil und Auslegern, auf denen bis zu 30 Erntehelfer auf dem Bauch liegend Platz finden. Gurkig ist dann auch die Radleinkehr Haderer bei Simbach bestückt. Natürlich kommt zum Brotzeitbrettl auch die Gurke – ob Essig oder Senf – und dass das üppige Brettl 5 Euro kostet, sollte dann jeden überzeugen. Das gibt’s im trendigen Alpenvorland wahrhaft nicht...

Von Nicola Förg

RADTOUR DINGOLFING / LANDAU

ANFAHRT – Bahn: Regelmäßige Verbindung nach Dingolfing bzw. Landau (je nach Startpunkt). Auto: A 9 München – Nürnberg bis Kreuz Neufahrn. Weiter A 92 Richtung Deggendorf bis Dingolfing / Landau (je nach Startpunkt).

TOUREN – Variante eins: Mit der DB München-Dingolfing (1 h), komplette Radstrecke 65 km, Rückfahrt über Pfarrkirchen (2 h). Variante zwei: Zug oder Pkw bis Dingolfing; 15 km Radlstrecke bis Landau; ca. 20 km bis Raststation; gleiche Strecke retour. Variante drei: Einstieg erst ab Landau. Charakter: weitgehend flach; etwas Anstieg hinter Landau. Strecke Arnstorf bis Postmünster etwas hügeliger.

E-BIKES – Das bayerische Golf- und Thermenland will zur führenden E-Bike-Region Europas werden, dabei wird mit dem österreichischen Hersteller KTM kooperiert. Welche Verleih- und Ladestationen es gibt, erfährt man beim Ferienland Dingolfing-Landau (Telefon: 0 87 31 / 327 100, www.ferienland-dingolfing-landau.de; über die Homepage auch Bestellung von Kartenmaterial möglich). Mehr Radinfos: www.xperbike.de (mit vielen Informationen zu allen Radwegen in der Region.)

SEHENSWERT – 1. Museum Dingolfing, Obere Stadt 19, 84130 Dingolfing. Telefon: 0 87 31 / 31 22 28; Di bis Do 13 bis 17 Uhr, Fr bis So 10 – 17 Uhr; Internet: www. museum-dingolfing.de2. Auwärter Museum – Hier schlägt das Herz jedes Oldtimer- Fans höher, am genialsten sind die alten Busse, wie der Neoplan von Gottlob Auwärter. 1956 für die Schweizer gebaut, 116 PS stark, Rechtslenker wegen der Passstraßen! Heute auch für Oldtimerfahrten buchbar. Beim Kinofilm „Das Wunder von Bern“, war auch ein Auwärter-Bus dabei. Adresse: Auwärter-Neoplan-Museum, Glas-Eicher-Auwärter- Halle, Wiesenweg 20, 94405 Landau a. d. Isar; Telefon: 0 99 53 / 98 00 34; www.konrad-auwaerter.de

EINKEHR – Radlerrast Haderer, Holzmann 39 1/2, 94436 Simbach. Telefon: 0 99 54 / 14 72; Internet: www. radlerrast-haderer.de

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