+
Der Wiesensattel Pessenbacher Schneid bietet schon auf 1290 Metern eine herrliche Aussicht und ist eigentlich schon ein Gipfelchen für sich.

Ein eigensinniger Kopf

Wer dem Rabenkopf im Isarwinkel aufs Haupt steigen will, startet meistens in der Jachenau. Zweifellos eine schöne Route, die sich aber durch die Flachstücke in die Länge zieht. Anders gestaltet sich die Tour von Norden her.

Auss.: Kompass-Karte 182, Isarwinkel; Lizenz: 17–0906– LVB.

Beginnt man die Wanderung in Pessenbach bei Kochel, geht’s von Anfang an zügig bergauf. Hinter frischgrünen Wiesen wandert man in den Orterer Wald hinein, begleitet vom Geplätscher des Pessenbachs. Auf grobsteinigem Weg geht’s gen Südosten bergan direkt der Sonne entgegen, bis irgendwann das Bachgemurmel in der Tiefe verstummt. Immer wieder ist man fasziniert vom Frühlingserwachen am Wegesrand: Sattgelbe Dotterblumen sprießen am feuchten Waldboden und an Wiesenrändern auf einer Lichtung blühen duftende Veilchen. Eine andere Art von „Duft“ verströmt ganz in der Nähe knackig grüner Bärlauch, der frisch gepflückt die mitgebrachte Brotzeit würzt.

Auch wer gerne mit dem Mountainbike unterwegs ist, startet in Pessenbach und kurbelt auf teilweise steiler Forststraße bis hinauf zur Orterer Alpe. Von dort aus geht’s dann zu Fuß auf den Rabenkopfgipfel. Wir Wanderer gehen später ebenfalls ein Stück auf dieser Forststraße bis zur besagten Orterer-Alpe. Die private Hütte mit dem erfrischenden Brunnen liegt am Rande einer großen Wiesenfläche und ergibt einen idealen Pausenplatz. Rundherum gedeihen Frühlingsknotenblumen. Dazu mischen sich mit zarten Stängeln und feinem violetten Hütchen eine Handvoll Alpenglöckchen. Nach der Orterer-Alpe steigt man zwischen Baumgruppen am Rande eines steilen Wiesenhanges weiter bergauf.

Die alpinen Schönheiten Birkkarspitze und Alpspitze

Auss.: Kompass-Karte 182, Isarwinkel; Lizenz: 17–0906– LVB.

Dann öffnet sich wie mit einem Paukenschlag der Wald und man steht auf dem Wiesensattel Pessenbacher Schneid (1290 m). Die Aussicht ist gigantisch und der Platz ist eigentlich schon ein richtiges Gipfelziel für sich. Schräg gegenüber blickt man in ein von Bachläufen und Schrofen durchsetztes breites Becken. Später wird man auf der Abstiegsroute über einen wildromantischen Weg durch dieses Becken zurück zur Pessenbacher Schneid gelangen.

Hinter der Bergwachthütte schlängelt sich nun unser Weiterweg galant durch sperrige  Latschen über einen steilen Kamm hinauf. Eine Verschnaufpause gibt’s erst wieder auf dem grasigen Schwarzeckgipfel, wo einem der Kochelsee zu Füßen liegt. Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung bis hinüber zum Rabenkopf. Doch vorher genießt man einige Tiefblicke in die Ostflanke und ein pfiffiges Finale über ein paar Eisenklammern mit Leiter, bevor man sich beim Gipfelkreuz über die fantastische Rundschau freuen kann.

Nach der Rast steigt man über sonnige Bergwiesen hinab zur urigen Staffelalm. Dahinter erstreckt sich ein prächtiges Panorama. Greifbar nahe, aber fast ein bisschen „gschamig“ mit löchrigem Schneemantel präsentieren sich die alpinen Schönheiten Birkkarspitze und Alpspitze. Auf der Pessenbacher Schneid schließt sich dann wieder die abwechslungsreiche Runde.

RABENKOPF (1555 M)

ANFAHRT – A 95 München – GAP, Ausfahrt Sindelsdorf. B 472 bis Bichl. Dort B 11 Richtung Kochel a. See bis Pessenbach. Am Ortsende rechts auf Wanderparkplatz. Bahnhof: Kochel, Bad Tölz; www.bahn.de, RVO-Linie 9612, www.rvo-bus.de (Halt: Pessenbach Ötzschlößl).

TOUR – Markierte, beschilderte Bergwege. Trittsicherheit unbedingt nötig, Rundtour ca. 1000 Hm, Gehzeit: Aufstieg ca. 3 Std.; Abstieg ca. 2,5 Std. Aufstieg: Vom Parkplatz aus B 11 überqueren. Auf Forststraße nach Südost (beschildert „Rabenkopf 454/451“). Über Wiesen in Wald an Verzweigung. Hier Weg („rot/weiß/ rot“ markiert) folgen. Grobsteinigem Hauptweg im Wald folgen. Mehrmals Forstwege überqueren. Nach Felsmarkierung „Kochler Eck“ an breite Forststraße. Auf dieser empor und in Senke. Dort rechts auf Karrenweg zur Orterer-Alpe (1089 m). Weg verläuft am Wiesenrand, dann steil am breiten Nordost-Kamm (Ausläufer vom Schwarzeck) zwischen Baumgruppen bergauf.

Der Weg knickt nach links und erreicht Aussichtspunkt mit Kreuz „Pessenbacher Schneid“ (1290 m). Hier rechts gen „Bergwachthütte“. Nach der Hütte auf steilem Pfad durch Krummholz über den Ostkamm des Schwarzeck aufwärts. Vom grasigen Schwarzeckgipfel (1527 m) über einen kurzen schmalen Gratweg durch Latschen weiter zum Rabenkopf. Eine kurze Eisenleiter, Drahtseile und Klammern führen über Felsblock zum Gipfel.

Abstieg: Vom Gipfel südwärts über schmalen Wanderweg bergab (Schild: „Pessenbach“). Über Wiesen abwärts Richtung Staffel-Alm (1321 m). Dort links auf Forstweg nordostwärts bergab (Weg Nr. 451). An Verzweigung links (Schild: „Benediktenwand, Tutzinger Hütte“). Auf schmalem Weg durch steiles Becken, über ein paar Bachläufe zur „Pessenbacher Schneid“. Von hier aus auf Aufstiegsroute zurück.

EINKEHR – Orterer-Alpe (1089 m) in der Weidesaison am Wochenende und an Feiertagen unregelmäßig bewirtschaftet. Staffel-Alm (1321 m) meist von Mitte Juni bis Ende September bewirtschaftet (Getränke, kleine Brotzeiten).

TIPPS – Kräuter-Erlebnis-Park Bad Heilbrunn, Wörnerweg (öffentl. Park, Führungen); Gästeinfo, Tel.: 0 80 46 / 323.

BIKE & HIKE – Mountainbike von Pessenbach über Forstraße zur Orterer-Alpe. Dann zu Fuß wie beschrieben.

KARTE – Kompass-Karte 182, Isarwinkel.

VON DORIS NEUMAYR

Auch interessant

Kommentare