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Immer mehr Menschen machen bei Marathonläufen mit. Vor dem Start sollten sie unbedingt zum Arzt gehen.

Vom Joggen bis zum Marathon

Wie viel Sport ist gesund?

Immer mehr Menschen machen bei Marathonläufen mit. Vor dem Start sollten man aber unbedingt zum Arzt gehen, denn viele überschätzen ihre Leistungsfähigkeit und bringen so ihre Gesundheit in Gefahr.

Um die wichtige Nachricht zu überbringen, war Eucles offenbar kein Weg zu weit. Von der griechischen Stadt Marathon rannte der Bote bis nach Athen, eine Strecke von rund 40 Kilometern. „Wir haben gesiegt“, verkündete er den Griechen – und brach tot zusammen.

So erzählt es eine mehr als 2000 Jahre alte Legende. Sie ist nicht nur der Ursprung des modernen Marathonlaufs. Die Geschichte erinnert auch daran, was für eine Extrembelastung der Lauf über 42,195 Kilometer ist. Das wird heute oft unterschätzt. „Man ist nur dann ein ganzer Mann oder eine richtige Frau, wenn man einen Marathon absolviert hat“, hört man oft. Auch immer ältere Freizeitsportler wollen sich das beweisen. Viele überschätzen ihre Leistungsfähigkeit und bringen so ihre Gesundheit in Gefahr.

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So kommt es bei Marathonläufen immer wieder zu Fällen von plötzlichem Herztod. Allein beim Ruhrmarathon 2008 starben daran zwei Teilnehmer. Ein Grund dafür ist wohl, dass sich viele Läufer vor dem Wettkampf nicht (sport)medizinisch untersuchen lassen. Mögliche Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben so oft unerkannt. Doch gibt es auch Hinweise, dass die Extrembelastung beim Marathon selbst für Gesunde nicht risikolos ist.

Welche positiven und negativen Veränderungen im Körper während und direkt nach einem Marathon auftreten, ist Gegenstand vieler Studien. So kommt es etwa am Herzen zu einer Freisetzung von Herzmarkern wie Troponin T, einem Baustein des Herzmuskels. Dies kann man auch bei einem Herzinfarkt oder sonstigen Verletzungen feststellen. Zudem nimmt während eines Marathonlaufs die Geschmeidigkeit des Herzmuskels ab. Dieser kann sich also nicht mehr richtig entspannen. Wie eigene Forschungsarbeiten an unserem Institut, dem Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität, zeigen, sind diese Veränderungen jedoch meist vorübergehend und normalisieren sich innerhalb von 72 Stunden wieder.

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Auch lassen sich Langzeitfolgen für das Herz-Kreislauf-System nicht völlig sicher vorhersagen. So ist in der Diskussion, ob Veränderungen, wie sie während oder unmittelbar nach dem Marathonlauf auftreten, jeweils minimale Schädigungen darstellen. Jede Schädigung stellt für sich noch kein Problem für das Herz-Kreislauf-System dar. Zusammen könnten sie aber zu bleibenden Veränderungen, wie etwa einem bindegewebigen Umbau, also einer Narbenbildung, im Herzen führen – und so zu einem erhöhten Risiko für den plötzlichen Herztod. Doch habensich solche Veränderungen am Herzen bislang nicht in allen Untersuchungen hierzu gezeigt. Darum lässt sich diese Gefahr derzeit noch nicht endgültig abschätzen.

Negative Auswirkungen hat eine hohe körperliche Belastung auch auf das Immunsystem. So sind Läufer in den Tagen nach einem Marathon anfälliger für Infekte, vor allem im Hals-Nasen- und Rachen-Raum. Denn durch den Marathonlauf vermindert sich insbesondere die Abwehrfunktion der Schleimhäute. Doch wird das Abwehrsystem auch allgemein geschwächt.

Während sich eine extreme körperliche Belastung wie beim Marathonlauf wohl eher negativ auf die Gesundheit auswirkt, ist der Effekt regelmäßigen maßvollen bis intensiven Trainings sicher positiv. Am meisten profitiert wohl das Herz-Kreislauf-System: Regelmäßige Belastung wirkt sich positiv auf die Blutfettwerte, den Blutzuckerhaushalt sowie die Fettverteilung aus. Das ungünstige Bauchfett verringert sich. Das Herz arbeitet effektiver, die Blutgefäße werden elastischer.

Zu diesen positiven Veränderungen kommt eine Anpassung des körpereigenen Abwehrsystems: Dieses wird durch regelmäßige moderat-intensive körperliche Aktivität gestärkt. Man ist weniger anfällig für Infekte.

Auch beim Bewegungsapparat wirken sich akute Extrembelastungen eher negativ, regelmäßige moderat-intensive Belastungen aber positiv aus. So neigen erfahrene Läufer weniger zu Verletzungen. Statistiken zeigen deutlich, dass mit steigenden Jahren an Lauferfahrung die Häufigkeit von Verletzungen sinkt.

Das Risiko für Überlastungserscheinungen ist offenbar vom wöchentlichen Laufpensum abhängig. So kommt es bei Sportlern, die mehr als 65 Kilometer pro Woche laufen, deutlich öfter zu Problemen mit dem Bewegungsapparat. Die meisten Beschwerden treten dabei im Bereich der Bänder des Knies sowie des Sprunggelenks auf. Auch Schmerzen durch Veränderungen der Menisken im Knie sind häufig. Um dem vorzubeugen, sollten die Laufstrecken der einzelnen Trainingseinheiten langsam gesteigert werden. Das gilt auch für die Zahl der aufeinanderfolgenden Tage, an denen man traininert. Der Körper braucht offenbar ausreichend Zeit, sich zwischen den Trainingseinheiten zu regenerieren.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Veränderungen durch die regelmäßige körperliche Aktivität bei der Vorbereitung auf einen Marathon sich sicherlich positiv auf die Gesundheit auswirken. Dem entgegen stehen die Akutveränderungen der verschiedenen Organsysteme beim Wettkampf selbst, über deren Bedeutung sich derzeit aus wissenschaftlicher Sicht noch kein abschließendes Urteil fällen lässt. Somit lässt sich der bekannte Ausspruch Paracelsus’ wohl auch auf den Marathon übertragen: „Nur die Dosis macht das Gift!“

Martin Halle

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