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Das Kaisergebirge in der Ferne begleitet auf der gesamten Radlrundtour, die für Naturfans viele Attraktionen zu bieten hat.

Reptilien am Wegesrand

Wo Bayern und Österreich zusammentreffen, ganz in der Nähe von Kufstein, ragt ein Gebirgszug in den Himmel, den die Einheimischen ehrfurchtsvoll „Koasa“, also „Kaiser“ nennen.

Im Westen, nahe der Inntal-Autobahn, ist er noch etwas sanfter und wird deshalb als der „Zahme Kaiser“ bezeichnet. Wer die Gegend zu Füßen des „Zahmen Kaisers“ einmal komplett per Rad erkunden möchte, dem sei eine besondere Strecke ans Herz gelegt. Auf 20 Kilometern, einmal rund um den sogenannten Kaiserwinkl zeigt sich die Region mit allen ihren Facetten zwischen Bergen, Wiesen, Moorlandschaften und Badesee.

Los geht’s in Walchsee, dem Ort, der den gleichen Namen trägt wie der See, an dem er liegt. In seinem Wappen trägt er deshalb den See in Form einer Welle. Der älteste Ort der Region. Bereits 1073 wurde er in einer Urkunde erwähnt. Davor war er ein „vicus romanicus“, eine Römersiedlung, von Römern und deren Abkömmlingen, den Walchen, bewohnt. Leider ist aus dieser Zeit nichts mehr erhalten. Erst das 17. Jh. hat ein Kleinod hinterlassen: die Pfarrkirche St. Johannes im Zentrum des 1820-Seelen-Ortes.

Ungestörtes Moorgebiet

Ihr gegenüber führt eine schmale Straße hinaus aus dem Ortskern in Richtung Schwemm – eine Attraktion für Naturfans. Die Schwemm ist das größte, noch ungestörte Moorgebiet Nordtirols mit einer ganzen Reihe an Raritäten aus Fauna und Flora. Fleischfressender Sonnentau ist hier ebenso zuhause wie Wollgras, Sibirische Schwertlilie und zahlreiche Orchideenarten. Vom neu gebauten Aussichtsturm aus kann man Krickenten, Kiebitze oder Baumfalken beobachten, die über der Moorlandschaft ihre Kreise ziehen.

Auch so selten gewordenen Reptilien, wie Bergeidechse, Kreuzotter und Ringelnatter kann man hier begegnen. Linker Hand, den Miesberg, so heißt die 968 Meter hohe Erhebung, die die Schwemm von Süden her begrenzt, immer im Blick, geht es weiter, den Mozart-Radweg entlang, über Schwaigs und Miesberg, bis zur Hauptstraße nach Durchholzen. Während des gesamten Weges öffnet sich der Blick immer mehr in Richtung wilde Steinspitzen des Zahmen Kaisers, bis man bei der Sommerrodelbahn, in Durchholzen, direkt an seinem Fuße angelangt ist. Dort kann man eine kleine Zwischenpause einlegen und mit

dem Sessellift zur Mittelstation hoch gondeln und wieder per Sommerrodel hinunter düsen, oder man setzt gleich den Weg auf dem Radl fort. Kurz nach dem Ortsausgang von Durchholzen führt eine Straße am Schlepplift vorbei.

Blumengärten und kleine Weiler

Auss.: Kompass-Karte 9, Kaisergebirge; Lizenz: 17-0906-LVB.

Wer zwischendurch schon mal einkehren möchte, dem empfiehlt sich ein Abstecher nach links zur Sonnteilen hinauf zum Gasthof-Hotel Wildauerhof. Auf dessen Sonnenterasse mundet der Kaiserschmarrn oder die frische Forelle, mit Traum-Blick auf den Zahmen Kaiser, besonders gut. Ab hier gehts, visa- vis zum Liftstüberl, und von dort die Wiesen und Hügel hinauf, vorbei an idyllischen, traditionsreichen Unterländer Bauernhöfen, voller Blumengärten und kleinen Weilern. Immer wieder möchte man innehalten und den Blick von den Anhöhen auf das Blau des Walchsees genießen. Vorbei am Lamplhof radelt man nun am Terrassen- Campingplatz an der Südseite des Sees bis zur Abzweigung Richtung Essbaum.

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Das A bis Z der E-Bikes

Von nun an führt der Radweg am Seeufer entlang. Hier gibt es überall Bademöglichkeiten. Der Walchsee ist übrigens mit einer Durchschnittstemperatur von 20 bis 24 Grad der wärmste See Tirols und hat Trinkwasserqualität. Schon deshalb lohnt es sich die Badesachen mitzunehmen. Nach dem Sprung ins kühle Nass geht es weiter über Kranzach, immer den Kaiserwinklradwanderweg entlang bis zum Gasthof Riedlwirt. Dort kann man einkehren oder ein Stück weiterradeln, am idyllischen Kohlenbach entlang, bis zum Clubhaus der schön gelegenen Kaiserwinkl-Golfanlage, wo man auch als Nicht-Golfer gut speisen kann.

Der Rückweg führt über Außerkapelle und Gundhartig, auf halber Höhe mit herrlichen Ausblicken auf das Kaisergebirge, wieder hinunter nach Walchsee zum Ausgangspunkt. 25 Kilometer in zwei Stunden. Hört sich für manch ungeübten Radler anstrengend an, doch der Tourismusverband der Region hat für alle nicht so Sportlichen ein Angebot: Ein E-Bike, das es an der Tourismusinformation in Walchsee zu mieten gibt. Damit schafft jeder diese Tour spielend.

 

SONJA VODICKA

KAISERWINKL-RADWEG

ANFAHRT – A 8 bis Inntaldreieck, A 93, Ausfahrt Oberaudorf, Bundesstraße B172 bis Walchsee. Anfahrtszeit von München ca. 45 Minuten (ohne Vignette).

TIPP – E-Bike- Verleihstationen im Infobüro Walchsee und Kössen, Miete: 18 Euro pro Tag, mit Gästekarte 15 Euro, Akku-Ladestationen am Weg. Baden im Walchsee: Ostufer und Seepromenade Eintritt 3 Euro, Kind 2 Euro.

TOUR – Walchsee (Ort), Schwaig – Pötting – Miesberg – Durchholzen – Bichl – Terassen-Campingplatz Südseite – Kranzach – Durchen – Leitwang – Waidach – Außerkapelle – Gundharting – Riedl – Walchsee

EINKEHR – Hotel-Gasthof Wildauerhof, Sonnleiten 51, A-6344 Walchsee, Tel.0043 (0)5374/52530, www.wildauerhof.at

INFOS – Tourismusverband Kaiserwinkl, Dorf 15, A-6345 Kaiserwinkl, Tel. 0043- (0)-501100, www.kaiserwinkl.com

KARTE – Kompass Wander-, Rad- und Skitourenkarte Nummer 9, Kaisergebirge.

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