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Weite Blicke zu Wetterstein und Karwendel genießt der Mountainbiker auf dem Weg ins Finzbachtal.

Ins anmutige Tal

Das Estergebirge ist ein kleines Kalkgebirge, das es in sich hat. Zwischen Loisach und Walchensee gelegen, wirkt es irgendwie auch ein wenig eingeklemmt von Ammergebirge und Karwendel – dem es oft sogar fälschlicherweise zugerechnet wird.

Dabei knacken einige der schroffen Gipfel sogar die 2000er-Marke, was durchaus bedrohlich wirkt, schaut man aus dem nur auf 700 Meter gelegenen Loisachtal hinauf. Dennoch lassen sich an der Südseite des Estergebirges zwei wunderbare, aber nicht zu anstrengende Mountainbike-Touren machen. Los geht’s in Kaltenbrunn zwischen Garmisch- Partenkirchen und Mittenwald. Wer mag, wirft noch einen Blick in die dem hl. Antonius geweihte Kapelle, die Anfang 1900 von den damaligen Besitzerinnen des Brandner Hofes – zwei Schwestern – gebaut worden ist.

Tour 1: Klais – Kaltenbrunn – Finzbachtal – Krün – Klais.

Dann steigt die Forststraße stetig, aber moderat durch lichte Wälder bis zum Wildgehege an. Nach der Abzweigung talwärts nach Gerold wird’s steiler, der Tiefblick auf den Wagenbrücksee entschädigt, der Weitblick rüber ins Wettersteingebirge auch. Und netterweise kommt nun der entspannte Part bis zum Finzbach, wo die Entscheidung fällt: Die Faulpelz-Variante geht runter nach Krün; alle anderen packen nochmal die 200 Höhenmeter bis zur Esterbergalm. Erstere durchradeln das Finzbachtal, das zu den anmutigsten Tälern im Umkreis zählt. Heroben zeigt sich das Tal noch weit, später verengt es sich immer mehr zu einer tiefen Klamm. Der Weg wird zum Trail, es gilt, Kiesbetten zu überqueren – der Esterberg entwässert über einige Gräben in den Finzbach – in diesem Sonnenfrühjahr eine trockene Angelegenheit. Die Wiesen unterhalb der Finzalm sind ein beliebtes Picknickziel. Inzwischen ist es relativ leicht, hierher zu gelangen: Nur 25 Minuten wandert noch, wer zuvor den Wanderbus von Krün herauf genommen hat. Und es lohnt sich: Hunderte, blau blühende Enzianblüten recken sich der Sonne entgegen.

Tour 2: Klais – Kaltenbrunn – Finzbachtal – Esterbergalm – GAP.

Wer’s wissen will, fährt weiter in moderater Steigung bis zur Esterbergalm, die da in einem weiten Hochtal zwischen Wank und Hoher Fricken in fast 1300 Metern Höhe liegt und mit einer Kapelle aufwartet, die in historischen Büchern als „Kapelle in der Höhe“ bezeichnet wird. Als wolle er gegen den Irrsinn der Säkularisation angehen, wurde sie just 1803 von einem Mann namens Jocher erbaut und ist heute ein Kleinod, das das Ensemble komplettiert. Die Alm und Kapelle sind sicher kein Geheimtipp mehr, deshalb aber nicht minder schön. Kaiserschmarrn gibt’s heute – und eine Beziehungskrise am Nachbartisch. Nie mehr wolle sie mit ihm Mountainbike fahren, wenn er ihr nochmals „so was Fieses“ zumutet. Was die junge Frau meint, wird dem klar, der sich zur Abfahrt rüstet. Bald kommt die Rampe mit 26 Prozent Steigung, bei unserer Routenwahl nennen wir das Gefälle: Da zuckt das Handgelenk,  bremsen ist da nicht feige, sondern überlebenswichtig. Und ja, die gesamte Abfahrt zaubert ein Lächeln aufs Gesicht, angesichts derer, die da von vorne raufschnaufen – oder raufschieben. Bei der Dax-Kapelle heißt es kurz einbremsen. Der Name ist zusammengezogen aus „Unseres Herrn Kapelle in den Daxen“ (also in den Tannen). Sie wird 1852 von dem Schäfflermeister Ignaz Lidl anstelle einer hölzernen Kapelle, die etwas oberhalb stand, erbaut und ist an Christi Himmelfahrt Ziel einer Bittprozession von Partenkirchen zur Kapelle. Heute jedenfalls bittet man um mehr Schmalz in den Wadln – für die nächsten Mountainbike- Touren…

NICOLA FÖRG

ZWEI MOUNTAINBIKE-TOUREN

ANFAHRT – Bahn: Regelmäßige Verbindung von München nach Garmisch-Partenkirchen; stündlich bis zum Ausgangspunkt Bhf. Klais. Auto: A 95 München – GAP bis Autobahnende, weiter B 2 über GAP Richtung Mittenwald bis Kaltenbrunn. Dort parken. Tour 2 gerät da anstrengend, weil man ja von GAP wieder nach Kaltenbrunn heraufstrampeln muss.

TOUR 1 – Von Klais einrollen auf Radweg bis Kaltenbrunn, am Ortsende rechts hinauf Richtung Gschwandtnerbauer; Kreuzung am Wildgehege rechts Richtung Finzbachtal, immer auf Forststraße bleiben; an der Kreuzung Richtung Gerold weiter bergauf Richtung Finzbachtal; bis zur Brücke im Finzbachtal; rechts auf Wanderweg zur Finzalm und weiter zur Forststraße. Runter nach Krün, zwei kleine Kreuzungen überfahren, dann rechts vorbei am Cafe Einkehr/ Maximilianhof; an der nächsten Kreuzung kurz rechts und dann in den Weg am Bächlein entlang bis Radweg neben B 2, retour bis Klais. Insgesamt 270 Hm bergauf, 260 Hm bergab, Gesamtstrecke rund 26 km.

TOUR 2 – Wie Tour 1 ins Finzbachtal, dann links Forstweg zur Esterbergalm; von der Alm die Forststraße bis zur Talstation Wankbahn und retour zum Bhf. GAP. Insgesamt 450 Hm bergauf, 470 Hm bergab; Länge: rund 24 km.

EINKEHR – Finzalm, nach Almauftrieb geöffnet, Info: www.alpenwelt-karwendel.de/Hütten und Almen; Esterbergalm, ganzjährig offen, Mi Ruhetag, T.: 0 88 21 / 32 77; Cafe Einkehr, Mo/Di Ruhetage, T.: 0 88 25 / 92 19 260.

ACHTUNG – Die neuen Wanderschilder in der Region sind verwirrend. Die angegebenen Gehzeiten sind eher abschreckend als realistisch. Bitte Karte konsultieren, Höhenmeter ansehen und auf eigenen Bergverstand bauen!

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