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Von einem normalen Kanu kaum zu Unterscheiden ist das „Oru Kayak“, hier beim Test auf dem Wörthsee.

Wassersport

Kanu, Stand Up Paddel und Wakeboard im Test

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Sommer, Sonne, See: Ja, bei heißen Temperaturen ist eine Erfrischung im kühlen Nass willkommen. Wir stellen Ihnen ein paar spritzige Ideen vor, wie Sie die heimischen Seen und Flüsse nutzen können.

Ein Kanu, das sich problemlos im Kofferraum verstauen und mittels Schultergurt wie eine Sporttasche tragen lässt? Das gibt’s tatsächlich! Und entgegen der anfänglichen Skepsis, ob solch ein Falt-Kanu wirklich badeseetauglich ist, haben wir beim Test am Wörthsee festgestellt: Es fährt sich sogar ganz hervorragend.

Okay, die Auszeichnung bei der Sportartikelmesse Ispo heuer mit dem Award „Outdoor-Produkt des Jahres“ ließ erahnen, dass hinter dem „Oru Kayak“ eine ausgeklügelte Technik steckt. Doch als das Kanu, tragefertig als Paket zusammengeschnürt, daheim im Wohnzimmer steht, kommen leise Zweifel auf: Aus dem bisschen Material soll ein Boot werden?

Glücklicherweise haben wir abends im Internet bei Youtube noch mehrere Videos angeschaut – insbesondere die offizielle Aufbauanleitung. Tags darauf, am Rande des vereinsinternen Wörthseeschwimmens der Kinder, waren die Videosequenzen zwar noch im Kopf. Aber in der Praxis schlich sich doch der ein oder andere Fehler ein. Fünf Minuten soll das Zusammenbauen dauern, 28 haben wir gebraucht. „Das ist fürs erste Mal echt gut“, bescheinigte uns ein Kollege von der Kanu-Abteilung der Schwimmvereins. Er muss es wissen.

Also: Die Riemen gelöst, das weiße Grundmaterial (ähnlich wie das von Gewächshäusern) entfaltet, das Ganze in grob in die Endform geschoben, Gummileisten richtig herum montiert (da lag unser erster Fehler), die Teile mit Gurten und Gummizügen verspannt, Neoprenschütz über die Kanu-Enden gestülpt, den Sitz eingebaut (da gab’s bei uns das zweite kleine Malheur), das Paddel zusammengeschraubt – wenn jeder Handgriff sitzt, ist es gar nicht so schwierig. Aber wie gesagt, 28 Minuten Aufbauzeit sind offenbar für den Anfang nicht schlecht.

Da liegt nun, neben den „Profi-Kanus“ des Freien Wassersportvereins München, unser 3,66 Meter langes und 11,8 Kilo schweres Falt-Kajak zunächst auf der Wiese. Zum ersten Probesitzen. Die Kinder schlüpfen problemlos hinein, unser Redakteur hat mit 1,87 Metern Körpergröße indes ein wenig Mühe, seine langen Beine hineinflutschen zu lassen. Mit etwas Hin und Her klappt aber auch das.

Nach dem Trocken- nun der Seetest: Wie bewährt sich das „Oru Kayak“ im Wasser? Vom Steg am Südufer des Wörthsees aus erfolgen die ersten Paddelschläge mit Vorsicht, doch rasch wachsen Mut und sportlicher Eifer. Ja, das Falt-Kajak gleitet außerordentlich gut durchs Wasser! Recht schnell und mit gutmütiger Wendigkeit geht’s einmal rund um die Sonnenplattform – und am Ufer winken schon die drei Kinder unseres Redakteurs, dass sie auch mal ran wollen.

Im Gegensatz zu den „Normal-Kanus“ erweckt unser Testmodell einige Aufmerksamkeit, mehrmals schauen sich Interessierte die Konstruktion an. Die sogenannte Origamitechnik, in der das Boot gefaltet wird, ermöglicht eine extrem solide Struktur, obwohl nur eine nahtlose, sehr leichte, doppelte Kunststoffbahn verarbeitet wurde. Mit leuchtenden Augen berichten alteingesessene Kanuten, dass es sowas früher mal auf Holz gegeben habe – aber so leicht, aus Plastik? Erstaunlich.

Der Zusammenbau des 800 Euro teuren „Oru Kayak“ klappt übrigens wesentlich besser: Nach nur sieben Minuten ist alles zusammengefaltet und festgezurrt. Fazit: ein super Produkt für Kanuten bis 1,80 Meter Größe, die Platz sparen oder mit ihrem Wassergefährt auch mal kleineren Zu-Fuß-Landstrecken zurücklegen möchten.

Weitere Infos: www.orukayak.com

Bike & Board auf dem Walchensee

Eine in dieser Form vielleicht einmalige Verknüpfung zweier Sportarten bietet Hans Hohenreiter an: Mountainbiketouren in Kombination mit „Stand Up Paddeln“ (SUP), wie das Stehpaddeln auf einem speziellen Surfbrett genannt wird.

Mit dem Stehpaddel über den Walchensee: So tun sich ungewohnte Perspektiven auf – Hans Hohenreiter (li.) kombiniert das erfrischende Vergnügen gern mit einer Radtour.

Der 46-Jährige aus Jachenau radelt mit dem Mountainbike schon eine gefühlte Ewigkeit in die Berge des Isarwinkels bis hinüber zu Kochel- und Walchensee. Dass man um die Gewässer nicht nur drumherum radeln, sondern sie auch sportlich überqueren kann, darauf kam Hohenreiter vor vier Jahren – über einen anderen Jachenauer: Steve Chismar. Der ist zufälligerweise Experte für SUP, schreibt als Chefredakteur eines Fachmagazins und als Buchautor über alle Facetten des Stehpaddelns. Und schaffte es, seinen Jachenauer Spezl ebenfalls dafür zu begeistern.
Als Kenner der lokalen Gegebenheiten hat Hans Hohenreiter eine ungewöhnliche Kombinationstour kreiert. Von Jachenau aus geht’s mit dem Mountainbike hinauf zur Kochler Alm (westlich vom Hirschhörndlkopf) und nach dem teils knackigen Anstieg drüben hinunter zum Kochelsee.

Nach einem kurzen Stück entlang des Ufers folgt die zweite Radl-Bergetappe: auf Forstwegen hinauf zum Sattel oberhalb des Wasserschlosses vom Walchenseekraftwerk. Nach insgesamt 700 Höhenmetern rollen wir nun hinunter nach Urfeld am Walchensee, radeln noch fünf Minuten an dessen Nordostufer Richtung Sachenbach – dann beginnt der erfrischende Teil der Tour.

Die Tochter von Hans steht mit dem Transport-Bus bereit, hier werden Bikes ein- und Boards ausgepackt. Wobei das Auspacken wörtlich zu nehmen ist: Im Gegensatz zu „richtigen“ Boards lassen sich die Inflate-SUP-Bretter nämlich wie ein Rucksack tragen – bei Gebrauch werden sie auseinandergefaltet und aufgeblasen. Ob das ein Nachteil ist? Könner glauben, in Aufblasboards sei das Fahrgefühl nicht ganz so ausgereift – der Anfänger oder gemäßigte SUPler merkt davon nichts. „Mittlerweile gibt es über 500 unterschiedliche Bretter. Für Flussfahrten, lange Touren, Allroundgebrauch. Das ist alles ähnlich spezialisiert wie bei Skiern“, weiß Hans Hohenreiter.

Und er weiß, wie und vor allem wann der Wind weht. „Die normale Thermik hier am Walchensee“, erklärt der 46-Jährige, „setzt gegen 11 Uhr ein.“ Dann weht ein Lüftchen von Nordwest her. Was für eine SUP-Durchquerung des Walchensees von Urfeld nach Niedernach bedeutet: „Ab Mittag haben wir verlässlich Rückenwind.“

In der Tat. Nach zweieinhalb Stunden im Sattel vergehen die eineinhalb Stunden auf dem SUP-Board wie im Flug. „Viermal links, viermal rechts“, ruft Hans herüber: ein Tipp zum Paddel-Rhythmus. Zu viert – Franz und Stefan sind auch mitgekommen – arbeiten wir uns auf die Insel Sassau zu (die aus Vogelschutzgründen nicht betreten werden darf), genießen von der Seemitte aus die ungewohnte Perspektive auf Karwendelgipfel wie den Schafreuter. Und kommen – trotz Rückenwind, aber reflektierender Nachmittagssonne im Rücken – durstig in Niedernach an. Dort in der Waldschänke, wo Hans in einer Garage seine Boards lagert und verleiht, stärken wir uns, ehe die Runde mit ein paar Radl-Kilometern ausklingt.

Weitere Infos: www.sup-walchensee.de

Mit dem Wakeboard über Hindernisse

Eine flotte Welle reitet Josef Holub, der Chef von „Goodboards“ – die Wakeboard-Experten vom Ammersee sind derzeit auf Test-Tour in diversen Anlagen Bayerns.

Die Zeiten, in denen nur im Kreis gefahren wurde, sind definitiv vorbei: Obstacles (zu deutsch Hindernisse) sind die Herausforderungen für die Wakeboarder von heute. Anlaufstelle Nummer eins im Großraum München ist der Wasserskipark in Aschheim, wo unter anderem eine Funbox mit Wall für Nervenkitzel bei den Wakeboardern sorgt. Damit die Bretter optimal durch Wasser flutschen, geht die Entwicklung des Materials – ähnlich wie bei Snowboards – immer weiter. Beläge, Sidewalls, Holzkerne und -arten: Aufs Detail kommt es an. Einsteiger, die sich erstmal orientieren möchten, sind bei der Test-Tour des Wakeboard-Herstellers „Goodboards“ aus Utting am Ammersee gut aufgehoben. Firmengründer Josef Holub ist immer mit auf dem Teststand – die nächsten Tour-Termine sind auf den Anlagen in Thannhausen (23./24. sowie 30. August), Wörth an der Isar (25. August) Geisenfeld/Ingolstadt (26./27. August), Aschheim(28. August) und Kiefersfelden (29. August).

Weitere Infos: www.goodboards.eu  und www.wasserskipark-aschheim.de

Airbag gegen das Ertrinken

Man sollte denken, dass (fast) jeder schwimmen kann. Aber: Pro Jahr ertrinken europaweit fast 40.000 Menschen!

Um den Wassersport sicherer zu machen, haben die damaligen Maschinenbaustudenten Christopher Fuhrhop und Marius Kunkis einen Airbag entwickelt, der ähnlich wie eine aufblasbare Rettungsweste funktioniert, aber klein und handlich an der Hüfte getragen werden kann. „Restube“ heißt das heuer mit dem „Ispo Gold Award“ ausgezeichnete Utensil. Zieht man am Auslöser, bläst sich der Schwimmkörper mittels CO2-Patrone innerhalb von Sekunden auf und verwandelt sich in eine Boje, die Auftrieb gibt – beim Schwimmen, Surfen oder Kanufahren. Die Idee dazu kam Christopher Fuhrhop, als er vor einigen Jahren beim Kitesurfen auf offenem Meer fast ertrunken wäre und sich damals ein kleines, leichtes Wasserrettungsgerät gewünscht hätte, um die lebensbedrohliche Situation zu entschärfen. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte er gemeinsam mit seinem Kommilitonen Marius Kunkis den „Restube“-Airbag fürs Wasser, der sich in einer kleinen Tasche im Handyformat einfach mit einem Gürtel an der Hüfte tragen lässt (ab 60 Euro).

Weitere Infos www.restube.eu

Von Martin Becker

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