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Mit ihrem Mann Sven Renz betreibt sie ein Fachgeschäft für Skischuhe (oben), nimmt ansonsten ihre Kinder Luis (3) und Romy (5) mit auf die Piste.

Ski-Schuh und Helm

Tipps von Martina Ertl-Renz für den Ski-Winter

Die höheren Gipfel am Alpenhauptkamm sind schon weiß überzuckert, und auf den Gletschern rüsten sie sich eh für die Ski-Openings. Zeit für Tipps von Martina Ertl-Renz für den Ski-Winter.

Die Wintersport-Saison steht vor der Tür – die ehemalige Rennläuferin Martina Ertl-Renz (39) aus Lenggries erklärt, worauf Skifahrer achten sollten.

Zwei Silber- und drei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen, zwei Weltmeister-Titel, 14 Weltcup- Siege: Auf beeindruckende Erfolge blickt Ski-Ass Martina Ertl- Renz (bei einem Rennen 2002 in den USA) zurück.

Ihren beiden Kindern, Romy (5) und Luis (3), hat die staatlich geprüfte Skilehrerin selbst das Skifahren beigebracht. „Das Brauneck“, sagt die Lenggrieserin, „ist meine Heimat. Dort bin ich im Winter häufig mit den Kindern unterwegs.“ Sofern die 14-malige Weltcupsiegerin nicht für die ARD mit der Helmkamera auf dem Kopf Rennpisten hinuntersaust, um dem Fernsehpublikum die Perspektive aus Sicht der Fahrer zu vermitteln. Oder Martina Ertl-Renz genießt rasante Schwünge in ihren Lieblings-Skigebieten: „Am Arlberg bin ich sehr gern, oder in Südtirol, wo ich Menschen und Kultur besonders mag. Und vor allem fahre ich gern Ski in Orten, wo ich – wie zum Beispiel zweimal in Sölden – Rennen gewonnen habe.“ Egal wo, Sicherheit steht bei der früheren Rennläuferin an erster Stelle – Martina Ertl-Renz gibt Tipps für genussvolle und möglichst risikofreie Skitage.

Körperliche Fitness

 „Ohne die geht es nicht“, betont die 39-Jährige. Es müsse nicht unbedingt pure Skigymnastik sein, „aber Grundlagenausdauer und eine gewisse Kraft brauche ich schon“. Laufen oder Mountainbiketouren, am besten zwei bis drei Mal pro Woche, seien eine gute Vorbereitung. „Wer sich zu Recht fit fühlt, hat mehr Spaß beim Skifahren, ein geringeres Verletzungsrisiko, und man regeneriert nach dem Skitag schneller.“ Wichtig, so Martina Ertl-Renz, ist das Aufwärmen vor den ersten Schwüngen: „Erst lange im Auto und danach gleich Vollgas geben – das geht nicht.“

Skitag-Planung

Mit Buckelpisten und Tiefschnee sollte man gerade zu Saisonbeginn warten. „Lieber sich allmählich vom einfachen ins schwierige Gelände tasten als umgekehrt“, rät die Lenggrieserin. „Wer neue Ausrüstung einsetzt, sollte die erste Abfahrt sowieso sehr vorsichtig angehen.“

Der richtige Ski 

Es gibt ihn schlicht nicht, den für alle Verhältnisse passenden Ski. „Gefährlich ist es, mit einem Freeride-Ski über eine harte Piste zu jagen oder sich mit einem Allround-Carver in den Tiefschnee zu wagen“, warnt die Expertin. Die Bandbreite, den optimalen Ski für die jeweiligen Schnee- und Pistenbedingungen zu finden, ist größer denn je. Wer nur unregelmäßig auf den Brettln steht, dem empfiehlt Martina Ertl-Renz den Gang zum Skiverleih: „Kanten und Belag sind dann garantiert gepflegt, die Bindung richtig eingestellt, und man kann die Skiwahl auf Verhältnisse sowie den Fahrstil abstimmen.“

Skischuhe

Im Gespräch mit den Merkur-Redakteuren Martin Becker und Jörg Köhle (re.) gibt die 39-Jährige Tipps für den Ski-Winter.

Skier leihen ja, aber Skischuhe? „Niemals“, schüttelt sich die 39-Jährige. „Mich graust es allein bei dem Gedanken, wie viele Leute zuvor die Leihschuhe schon getragen haben.“ Jenseits des Hygiene-Aspekts geht es beim Skischuh aber maßgeblich um die Sicherheit. „Der Skischuh ist das Bindeglied zwischen Mensch und Material. Deshalb ist es entscheidend, dass er perfekt passt.“ Denn: Ist der Skischuh zu weit oder ausgeleiert, funktioniert die Kraftübertragung auf die Skier nicht mehr, was bei schneller Fahrt zum gefährlichen Verkanten oder beim plötzlichen Bremsen zum Sturz führen könne, so Martina Ertl-Renz.

Schmerzhafte Druckstellen können zudem zu höllischen Qualen führen und ebenso Fahrfehler provozieren. „Viele Leute kaufen ihre Skischuhe zu groß“, weiß die zweimalige Weltmeisterin. Dass der Innenschuh minimal nachgebe, sei normal, weshalb das Hauptaugenmerk der zum Fuß passenden Schale gelten müsse.

Ihr Tipp: „Schon wenn man in einen Skischuh reinsteigt und die Schnallen nicht schließt, sollte er gut passen.“ Mit dem Engerstellen der Schnallen nachzujustieren, das sei der falsche Weg. Zusammen mit ihrem Mann Sven Renz hat die Lenggrieserin sich darauf spezialisiert, Skischuhe nach Maß zu fertigen: Nach einer 3D-Analyse des Fußes werden eine dazu passende Schale gefunden, ein Holzfußmodell zur Innenschuh-Optimierung erstellt und eine Einlage angefertigt, die bestmöglichen Sitz garantiert. So entsteht in Handarbeit ein Skischuh, der passt wie eine Schraube in die dazugehörige Mutter. Ob Ertl-Renz-Schuh (ca. 800 Euro) oder einer von der Stange: „Wichtig ist, ihn vor dem Skitag zu temperieren. Also nicht über Nacht im kalten Kofferraum lassen, sondern in einem warmen Raum.“ Neuerdings gibt es auch beheizte Skischuhtaschen (ca. 100 Euro), die sich während der Autofahrt an den Zigarettenanzünder anschließen lassen.

Helm

Martina Ertl-Renz hat jetzt sogar ihre Mutter (63) überzeugt, statt Mütze oder Stirnband einen Skihelm zu tragen. „Selbst wenn man noch so gut Ski fährt und nie zu stürzen glaubt, die Gefahr geht von anderen aus! Ein Skihelm hat absolute Priorität, da würde ich, genau wie bei Skischuhen, niemals Kompromisse machen“, sagt die Lenggrieserin. Ihr Tipp zur Passform: „Ohne den Kinnriemen zu schließen nach vorn beugen – der Helm sollte sitzen, nicht wackeln oder gar runterfallen.“ Rückenprotektoren indes seien „nicht zwingend, aber bei Kindern sinnvoll“.

Skibrille/Kleidung

Nur eine gute Skibrille, am besten mit Anti-Fog-Beschichtung, hellt bei diffuser Sicht die Konturen des Geländes auf. „Klare Sicht bedeutet Sicherheit – ich verstehe nicht, dass viele mit einer reinen Sonnenbrille fahren, die beschlägt oder bei der es an der Seite reinzieht“, so Martina Ertl-Renz. Bei der Wahl funktioneller Skibekleidung solle man darauf achten, „dass die Taschen dort sitzen, wo ich sie auch benötige“. Lieber vorher die Sonnencreme auftragen, Handy und etwas Geld einstecken, „damit die Taschen nicht störend vollgepackt sind“.

Alkohol

Gerade bei den bevorstehenden Gletscher- und Saisoneröffnungsfestivals gehören Bier, Schnaps und Prosecco für viele dazu. Unmöglich, findet Martina Ertl-Renz: „Alkohol und Sport, das geht für mich nicht zusammen! Party im Tal ist okay, oder man fährt mit der Gondel hinunter. Aber angetrunkene Skifahrer auf der Piste gefährden fahrlässig sich selbst und andere. Da bekomme ich Angst um mich und meine Kinder.“ Das Credo der 39-Jährigen: „Man kann auch Spaß haben, ohne sich zuzuschütten.“

Skischuhanpassung www.ertlrenz.de

Von Martin Becker

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