+
Grandiose Aussichten auf den Alpenhauptkamm inklusive Großvenediger bietet der Gipfel des 2111 Meter hohen Scheffauer im Kaisergebirge.

Ruppiger Kaiser

Scheffauer: Klettertour auf 2 Wegen

  • schließen

Wer Scheffau hört, denkt zunächst ans Skifahren – für viele Oberbayern ist der Ort nächstgelegener Einstieg in die „Skiwelt Wilder Kaiser“.

Wobei das weitläufige Pistennetz genau genommen nichts direkt mit dem Kaisergebirge zu tun hat, sondern lediglich von Süden her einen Blick auf die vielen gezackten Gipfel bietet.

Scheffau ist aber auch der Namenspatron für jenen Kaisergipfel, der über dem Tiroler Ort bis in 2111 Meter Höhe hinaufragt. Auf den Scheffauer führen mehrere Wege – der Normalanstieg über den Widauersteig von Norden verlangt sogar etwas Kletterkönnen, hat aber den Vorteil, speziell an heißen Tagen angenehm im Schatten zu liegen. Eine Weile schlummerte der Scheffauer eher einsam vor sich hin, weil der Zubringer zum Ausgangspunkt, der Kaiserlift hinauf zum Brentenjoch, generalsaniert wurde und nicht fuhr. Seit Mai 2015 surrt nun aber ein gänzlich modernisierter Lift (8.30 bis 16.30 Uhr) vom Kufsteiner Ortsteil Sparchen aus in 20 Minuten 700 Höhenmeter aufs Brentenjoch, was Bergsteigern viel Zeit und Kraft spart.

Von der 1200 Meter hoch gelegenen Bergstation aus ist das Ziel, der Scheffauer, schon zu sehen. Wie übrigens auch vom bayerischen Teil der Inntal-Autobahn aus, wo im Gipfelbereich, auch aus der Ferne sehr markant, zwei helle Flecken wie ein Augenpaar leuchten: die kleine und die große Ostlerplatte. Womit wir bei der Frage wären, wie man den Scheffauer erklimmen mag: über den Widauersteig (ein einfacher Klettersteig der Kategorie A) oder über eine klassische Alpinkletterei wie die Ostler-Führe (Schwierigkeitsgrad III+).

Der Weg ist zunächst der gleiche. Ein Stück geht’s auf einer Forststraße hinab zu einem Graben, dann auf der anderen Seite wieder hinauf zur Kaindlhütte, die sich auch für eine Übernachtung anbietet. Eine weitere Stunde und 400 Höhenmeter sind es von der Hütte bis zum Fuß der mächtigen Scheffauer-Nordwand. Hier, im Geröllkar namens „Großer Friedhof“, trennen sich die Wege: Links beginnt der mit Drahtseilen und Eisenstiften gesicherte Widauersteig, für den sich die Benutzung eines Steinschlaghelms empfiehlt; auf ein Klettersteigset werden versierte Bergsteiger verzichten, für weniger Erfahrene bietet es aber zusätzliche Sicherheit. In der Geröllhalde eher rechts befindet sich derweil der Einstieg zur Ostler-Führe, einer herrlich genussvollen Alpinkletterei mit 16 Seillängen im dritten Schwierigkeitsgrad. Kurz unterhalb des Gipfels stoßen beide Routen wieder aufeinander, was es Bergsteigergruppen sogar ermöglicht, sich je nach Können aufzuteilen. Landschaftlich eindrucksvoll sind beide Varianten, wobei die Ostler-Führe als echte Alpinkletterei selbstverständlich die nötige Ausrüstung (Seil, Expressen, mobile Sicherungsmittel) und entsprechende Klettererfahrung erfordern. Die Standplätze in der Ostler-Führe sind allesamt mit Ringbohrhaken eingerichtet, einige Zwischenhaken vorhanden, die Routenfindung indes verlangt nach guter Vorbereitung anhand von Topos und Fachliteratur. Im Gegensatz dazu gibt es am Widauersteig keinerlei Orientierungsprobleme – immer dem Eisen nach. Nach Stunden auf der schattigen Nordseite knallt einem am Gipfel plötzlich die Sonne entgegen. Und dazu gesellt sich ein grandioser Ausblick nach Süden, auf die im Sommer grasigen Hänge der Skiwelt sowie Tauerngipfel wie die Pyramide des Großvenediger. Allzu lange sollte der Tagestourist freilich nicht verweilen, sofern er am Brentenjoch noch die letzte Liftfahrt ins Tal erreichen mag. Wer das nicht schafft, muss eineinhalb Stunden Abstieg dranhängen – oder auf der urigen Kaindlhütte übernachten.

SCHEFFAUER (2111 METER)

ANFAHRT – Bahn: Bis zu vier Mal täglich Verbindungen zwischen München und Kufstein (www.bahn.de). Vom Bhf. in 30 Min. zu Fuß zum Kaiserlift im Ortsteil Sparchen. Auto: A 8 München – Salzburg bis A.-Dr. Inntal. Weiter auf der A 93 bis zur Ausfahrt Kufstein-Süd. Mautfreie Alternative über Ausfahrt Kiefersfelden. Parkmöglichkeiten am Kaiserlift, OT Sparchen (Obere Sparchen 17).

TOUR – Mit dem Kaiserlift (www.kaiserlift.at) aufs Brentenjoch (1200 Meter). Von dort in einer Stunde auf dem Wanderweg 814 zur Kaindlhütte (1293 Meter; www.kaindlhuette.com). An der Kapelle vorbei sich nun leicht links haltend durch eine Waldpassage in einer Stunde hinauf zum „Großen Friedhof“, einem riesigen Geröllfeld. Hier beginnt links der Widauersteig (Klettersteig Kategorie A), rechts die Alpinkletterroute „Ostler-Führe“ (16 Seillängen, Schwierigkeitsgrad III+; präzise Beschreibung bei www.bergsteigen.com). Geh- bzw. Kletterzeiten vom „Großen Friedhof“ aus: 1,5 Stunden über den Widauersteig, 3 Stunden (bei gegenseitiger Seilsicherung) über die Ostler-Führe. Abstieg vom Gipfel via Widauersteig zum Brentenjoch: 2,5 bis 3 Stunden.

Auch interessant

Kommentare