+
Durch eine herrliche Hügellandschaft mit Blick auf die Klosteranlage Scheyern führt der rund acht Kilometer lange Rundweg.

Kloster Scheyern

Mönche, Kelten und die Titanic

Pater Lukas nimmt den großen eisernen Schlüssel und marschiert los. Kaum einer der wartenden Gäste auf dem Klosterhof der Benediktinerabtei Scheyern weiß, dass er sich auf dem Areal...

...der ehemaligen Stammburg der Grafen von Scheyern, der Vorfahren der bayerischen Wittelsbacher befindet. Jeden Sonntag um 15 Uhr erzählt der Benediktinermönch auf einer Führung alles über die 900 Jahre alte Anlage, die sich erstaunlich lebendig präsentiert. Gruppen von jungen Leuten, Schülerinnen und Schüler der in den Gebäuden beheimateten Berufs- und Fachoberschule, bevölkern die Grünflächen. Auch Pater Lukas ist hier nicht nur Seelsorger, sondern unterrichtet Religion, getreu dem benediktinischen Leitwort „ora et labora“ (bete und arbeite). Die Führung startet in der Pfarrkirche, deren Besonderheit der einzig sakrale Freskenzylus aus dem Jugendstil ist.

Direkt daneben der Kreuzaltar in der Kreuzkapelle, dem Herzstück der Wallfahrtskirche. Seit 800 Jahren pilgern Gläubige hierher, um die Reliquien-Späne vom Kreuz Jesu aus Jerusalem, gefasst in Form eines Doppelkreuzes, anzubeten. Versteckt in einem Strumpf war das kostbare Gut im 12. Jh. nach Scheyern gelangt. Komplett erhalten ist der mittelalterliche Kreuzgang, der zum Tor der Clausur der 13 Mönche führt. „Sehen Sie sich die Gedenktafel an“, rät der Pater. Dort steht: „Josephus Perutschitz. Qui in nave ista Titanica die 15.IV.1912 pie se devotit aestatis anno 42“. Will heißen: „Ein Mitbruder ist beim Untergang der Titanic gestorben.“

„Ein Schloss für die Kühe“

Es ist eine der vielen Kloster-Geschichten, die Pater Lukas im Laufe der Führung erzählt. Sei es in der Chorkapelle mit dem Hochgrab der ersten bayerischen Herzöge und dem Bilderzyklus zur bayerischen Geschichte, sei es in der Sakristei von 1696 oder aber beim Hinaustreten aus dem Klosterhof: „Dort unten ist der Prielhof, das Schloss für unsere Kühe. Dort beginnt der Wanderweg zur Keltenschanze“, schmunzelt er. Ein Weg führt am Parkplatz vorbei bergab. Am Waldsaum lädt eine Holzbank zum Verweilen: Der Blick schweift über die jahrhundertealten Fischweiher, gegenüber lugt zwischen Obstbäumen die Vierseitenanlage des Klostergutes Prielhof (errichtet im 18. und 19. Jh.) hervor.

Geschichten-Erzähler: Pater Lukas führt sonntags durch die Abtei.

Geht man auf das Gut zu, bietet sich nach dem ersten Weiher ein kleiner Abstecher nach links an, wo in einem der Weiher die Wassernuss einen seltenen Anblick liefert. Nachdem in Scheyern gezielte Schutz- und Pflegemaßnahmen durchgeführt wurden, hat sich diese empfindliche Teichpflanze wieder angesiedelt und bedeckt inzwischen schon fast die gesamte Wasseroberfläche. Im idyllischen Obstgarten des Klostergutes stehen 20 Skulpturen, die sog. „Kunst-Blicke“, eine ständige Wechselausstellung von Holz-, Stein- und Metallbildhauern aus der Region. Weiter geht es den sanft geschwungen Weg auf die Anhöhe hinauf. Bevor er nach rund 1,5 Kilometern im Wald verschwindet, lohnt sich ein Blick zurück nach Scheyern und auf die angrenzenden Wiesenhänge, die mit ihren Mulden und sanften Hügeln so charakteristisch sind für die in der Eiszeit gestaltete Landschaft.

Nach rund 200 Metern durch den Wald führt der Weg am Waldrand weiter. Zur Rechten geben die Felder nun den Blick auf die Ortschaft Winden frei. Wer einen freien Blick vorzieht, kann noch einen Kilometer auf dem Hügelrücken weiter gehen. Wer dem hier vorgeschlagenen, etwa acht Kilometer langen Rundweg folgen will, biegt nach 300 Metern (links steht eine Bank) scharf links ab. Der Weg führt nun durch lichten Mischwald und nach einigen Schritten zeigt sich, dass die Gegend weitaus früher besiedelt war: Zwei keltische Hügelgräber liegen links im Halbschatten des Waldes. Nächstes Ziel ist die im Forst versteckt liegende Keltenschanze. Der Weg dorthin führt weiter geradeaus bis zur nächsten Kreuzung. Links geht es direkt zu den Klosterweihern zurück, der Weg zur Keltenschanze führt rechts den Hang hinab. Eine Schautafel informiert, die rechteckigen Randwälle lassen sich erahnen. Zurück geht es den gleichen Weg – immer geradeaus. Nach rund einem Kilometer führt die alte Jetzendorfer Straße aus dem Wald hinaus Richtung Fernhag. Hier laden eine Holzbank und ein Tisch unter einem Feldkreuz zur Rast ein. Von Fernhag geht es auf dem Höhenrücken den Fuß- und Radweg zurück nach Scheyern: Rechts ist der Kirchturm der Immünsterer Basilika zu sehen, links liegen Klostergut und Weiher im Tal. In der Kloster-Metzgerei kann man sich mit Wurst und Fleisch eindecken – aus eigener Produktion vom Prielhof, dem „Schloss für Kühe“!

Von Sonja Vodicka

RUND UM KLOSTER SCHEYERN

ANFAHRT – A 9 München – Nürnberg, Ausfahrt Pfaffenhofen. St 2045 bis Pfaffenhofen. Links auf die B 13 bis zum Bahnhof. Dort rechts und an der 2. Ampel links nach Mitterscheyern. Im Ort wieder links Richtung Scheyern. In Scheyern rechts abbiegen, Parkplatz linker Hand. TOUR – Vom Kloster aus erst der Beschreibung Akazienweg (rot) und dann den Schildern „Keltenschanze“ folgen. Im Kloster liegt eine detaillierte Wanderkarte aus.

TIPPS – 1. Klosterführungen mit Pater Lukas, jeden Sonntag um 15 Uhr, Informationen: Tel. 08441/752241, www.kloster-scheyern.de
2. Kunst im Gut: 29. Großer Künstlermarkt, 3.und 4 Mai im Prielhof.

EINKEHR – Klosterschenke Scheyern, Scheyrenplatz1, 85298 Scheyern, Tel.08441/27890.

Auch interessant

Kommentare