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Wer die richtige Fährte auf den Gipfel der Klobenjochspitze gefunden hat, genießt von dort ein traumhaftes Panorama über die Zentralalpen und natürlich den Achensee.  

Pfadfinder im Rofan

Klobenjochspitze

Ein bisschen Melancholie überkommt Mitte September jeden Wanderer, wenn frühmorgens der Nebel über die Täler wabert.

Doch nur eine Etage höher geht einem das Herz auf, sobald die Morgensonne Bergwiesen und Felsengipfel in goldenem Licht erstrahlen lässt. Unvergessliche Momente!

Gerade wenn es sich um eine nicht alltägliche Wanderung handelt, die bis zum Gipfel spannend bleibt, erinnert man sich später besonders gerne daran. Das Rofangebirge ist wegen der vielen bewirtschafteten Hütten und der verkürzten Seilbahn-Zustiege sehr beliebt. Dementsprechend überlaufen sind die meisten Gipfel. Ganz im Westen dieses markanten Gebirgsstockes thront eine imposante, von weit her sichtbare Felsmauer, deren Gipfel jedoch relativ wenig Besuch erhält.

Grund dafür: es gibt keinen markierten Weg zum Gipfelkreuz. Doch mit ein wenig Gespür für Routenverläufe, Orientierungssinn und einer guten Karte macht es enormen Spaß, die richtige Fährte zu entdecken. Bis zur Dalfazalm führt ein markierter Weg, der von Anfang an mit traumhaften Ausblicken ins benachbarte Karwendel und zum türkisblauen Achensee verwöhnt. Etwa 100 Meter vor der Dalfazalm sieht man kurz das weiße Gipfelkreuz der Klobenjochspitze im Latschengrün aufblinken, dann verschwindet es wieder. Gleich hinter der letzten Hütte beginnt die „Wildnis“, wobei der erste Teil bis zum Heechenbergjoch rein pfadfinderisch gesehen noch ziemlich einfach ist. Die Route verfolgt anfangs die Spuren der Jäger und der Kletterer.

Man zieht in ein stilles Tälchen hinein unweit der bleichen Klobenjochwände. Die sonnigen Südwände halten in perfektem Fels tolle Touren für Sportkletterer bis zum 11. Schwierigkeitsgrat bereit. Wer zur Klobenjochspitze will, hält sich aber mehr links und gelangt bald zu einer breiten Wiesenmulde. Den rechten Rand der Mulde säumen rundliche skurrile Felsmassive in allen Größen. Unterhalb vom Joch gilt wieder volle Konzentration. Nachdem man in einer breiten Latschengasse den Viehzaun überstiegen hat, heißt es das Schlupfloch nach oben zu finden. Kaum hat sich das Krummholz geöffnet, versperrt eine kleine Felsschlucht den Weiterweg.

Feine Wasserwolken stürzen ins Tal

Die Schlucht kann aber gut umgangen werden. Anders sieht es kurz vor dem Gipfel aus, da blickt man einem unergründlichen Felsspalt direkt ins schwarze Auge. Mit einem beherzten Schritt ist das letzte Hindernis schnell überwunden und man kann sich ungestört dem grandiosen Panorama widmen. Der Blick reicht weit in die Zentralalpen und stürzt hinab in die Tiefe zum irisierenden Blaugrün des Achensees. Während des Abstiegs wartet mit dem Abstecher zum Dalfazer Wasserfall noch eine Sehenswürdigkeit.

Rund 60 Meter beträgt die Fallhöhe des Baches, der in einer feinen Wasserwolke hinabstürzt. Direkt daneben verläuft ein exponierter, anspruchsvoller Klettersteig (Schwierigkeitsgrad D), wo sich einige Bergsteiger mit Helm und Gurt nach oben kämpfen. Auf der Aussichtsplattform am Fuß des Wasserfalles lässt sich auf bequemen Liegestühlen herrlich entspannen und das Schauspiel beobachten...

Von Doris Neumayr

KLOBENJOCHSPITZE (2041 M)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über Tegernsee zum Achenpass. Weiter aufder B 181 über Achenkirch Richtung Maurach. Im Ortsteil Buchau liegt direkt an der B 181 das orangefarbene „Kinderhotel Buchau“. Dort auf dem Parkplatz (4 Euro) parken. Bahn/Bus: Bhf. Tegernsee (www.bahn.de), dann Bus 9550 bis „Maurach Buchau“ am Kinderhotel (www.rvo-bus.de).

TOUR – 1100 Höhenmeter, Aufstieg ca. 3, Abstieg ca. 2 Stunden, Gehstrecke 7,8 km, mittelschwer. Schmale Bergwege und wegloses Gelände, Orientierungssinn nötig. Aufstieg: Vom Parkplatz aus auf der „Buchauer Straße“ nordwestwärts. Zwischen dem Kinderhotel und Parkgarage führt erst ein Teersträßchen (Ww. „Dalfaz-Alm 413 – Dalfazer Wasserfall“), dann ein Forstweg bergauf.

Wenig später hält man sich an den markierten schmalen Wanderweg (rotweiß- rot). Zwischen Gräsern und Baumgruppen geht der Weg hoch und kreuzt mehrmals die Forststraße (den Abzweiger „Dalfazer Wasserfall“ lässt man im Aufstieg links liegen). Nach einem lichten Wald über steile Bergwiesen zur Teisslalm (1310 m). In vielen Serpentinen zur Dalfazalm (1692 m). Hinter der letzten Hütte dem Ww. „Steinernes Tor“ kurz nordwärts zu einem Schilderbaum folgen. Hier verlässt man die markierte Route und zieht zunächst auf einem Pfad (später nur noch Trittspuren) nach Nordwesten (links). Es geht Richtung Klobenjoch-Felswände zu einem Gatter. Nach dem Gatter (bitte schließen!) über einen Grasrücken nordwestwärts, dann kurz nach Westen (links). Man erreicht eine breite Wiesenmulde („s’Kühtalei“) und wandert über mäßig steiles Gelände bergan nach Norden bis kurz unter das Joch („Heechenbergjoch“). Nun rechts (Nordosten) durch eine ausgeprägte Latschengasse zu einem niedrigen Viehzaun, den man übersteigt. Wenig später links durch eine kurzzeitig enge steinige Latschengasse aufwärts bis vor eine kleine Felsschlucht. Man umgeht die Schlucht rechts und wandert danach im Linksbogen über steinige, latschenbestandene Wiesen bergan (Gipfelkreuz wird sichtbar). Kurz vorm Gipfel überwindet man eine schmale, aber tiefe Felsspalte mit einem großen Schritt. Griffiger Fels wartet an der kurzen (ca. 1 m) Kraxelstelle und ein nicht sehr vertrauenserweckendes Seil.
Abstieg: Auf gleicher Route bis zum Abzweiger unterhalb der Teisslalm. Hier folgt man dem Ww. „Dalfazer Wasserfall“. Am Wasserfall-Aussichtsplateau hält man sich an den Ww. „Buchau“. Man gelangt wieder auf die Aufstiegsroute.

EINKEHR – Dalfazalm (1692 m), Mai bis Anfang November Tel. 0043 / 664 / 9159807;www.dalfazalm.at

KARTE – Kompass-Karte 28, Achensee, Rofan.

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