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Grandiose Szenerie bei labiler Wetterlage: Auf dem Hennenkopf mit Blick auf Hochplatte und Klammspitze. Schöne Einkehr: Brunnenkopfhäuser.

Abenteuerliche Wanderwege hoch über Linderhof

Königlicher Fluchtort

Wo anfangen bei einer solch besonderen Tour? Bei dem wunderbaren Zugspitzpanorama längs des Maximilianswegs? Bei den Tiefblicken auf Linderhof, des Märchenkönigs Lieblingsschloss? Bei dem lustigen Gipfelsteig mit dem „Hauruck-Felsen“?

Da beginnt man lieber dort, wo die Tour startet, am Wanderparkplatz in Linderhof. Der liegt gleich hinter den viel größeren Parkflächen für die zahlreichen Schlossbesucher. Auf dem Weg Richtung Pürschling wird es ruhiger. Nach einem trotz Südseite angenehm waldschattigen Aufstieg erreicht man den Maximiliansweg. Er ist Teil der 22-tägigen Weitwanderung von Lindau nach Berchtesgaden, gewidmet dem Vater von Ludwig II., König Maximilian II. Der Monarch durchquerte 1858 teils zu Fuß, ungefähr auf der heutigen Route, „seine“ bayerischen Alpen.

„Der heillosen Politik entronnen“

Vom Maximiliansweg schweift der Blick auf das Herz der Ammergauer Alpen, dahinter präsentiert sich stolz die Zugspitze, deren eindrucksvolle Nordseite man selten so klar zu Gesicht bekommt. Kurze Wäldchen, sonnige steile Wiesen werden durchquert, bevor man am Wegrand immer öfter die für diesen Teil des Ammergebirges charakteristischen Felstürmchen erspäht. Fern kann das Gipfelziel also nicht mehr sein. Und in der Tat: Gespickt mit Steinmännchen zweigt der Gipfelsteig bald vom Hauptweg ab. Bald erwartet einen eine kleine Bewährungsprobe in Form einiger Felsblöcke, durch die sich der Steig schlängelt, und des „Hauruck“-Felsens, den es zu „überklettern“ gilt – doch keine Angst, er ist gerade mal einen knappen Meter groß. Dann windet sich der Steig empor Richtung Kammhöhe, von der wir bald auch das Alpenvorland im Norden sehen. Und dann taucht er vor uns auf, der Hennenkopf. Wie eine Felsinsel ragt er aus grünen Wiesen empor. Wie ein Hahnenkamm sieht er allerdings nicht aus, sein Name dürfte von den alpinen Raufußhühnern, Auer- und Birkhuhn, stammen.

Man umrundet die Felskuppe des Hennenkopfs zunächst halb, ehe der Steig ein Schlupfloch durch die südwestlichen Abbrüche findet. Erstaunlich leicht und schnell ist man dann oben. Das schöne Kreuz des Rottenbuchener Alpenvereins und ein freier Rundumblick garantieren bestes Gipfelgefühl – vom direkten Tiefblick auf Linderhof ganz zu schweigen.

Zurück am Maximiliansweg geht’s weiter zu den Brunnenkopfhäusern. Die beiden Jagdhäuser hat Maximilian II. 1856 erbauen lassen. Sein Sohn Ludwig II. nutzt sie, wie andere Jagdhäuser (z.B. am Pürschling), vor allem als Zuflucht. An seinen Künstlerfreund Richard Wagner schreibt er 1871 vom Brunnenkopf, wie glücklich er sei, einmal wieder „der heillosen Politik“ entronnen zu sein. Des Königs Domizil lag in dem unterhalb liegenden, heute nicht zugänglichen Gebäude der Brunnenkopfhäuser. Die Alpenvereinssektion Bergland bewirtschaftet heute das obere Haus, das einst Ludwigs Gefolgsleute beherbergte. Man gönnt sich eine Brotzeit und fragt sich, was Ludwigs Köche und Lakaien vor rund 130 Jahren wohl aufgetischt haben mögen? Jedenfalls waren eine Menge Pferde und Träger nötig, um Speisen und Getränke, Töpfe und Geschirr die rund 700 Höhenmeter von Linderhof herauf zu befördern. Dafür war ein sanft geneigter „Reitweg“ angelegt worden. Und genau diesen nimmt man für den bequemen Abstieg – die Knie danken’s dem Kini!

HENNENKOPF (1768 M):

ANFAHRT:

A 95 München – GAP. B 2 bis Oberau, Richtung Oberammergau. Über Ettal, Graswang nach Linderhof. Dort großer Parkplatz (2 Euro/Pkw). Öffentlich: Busse nach Linderhof von Bhf. O’gau (Bahnlinie München über Murnau) und Bhf. Oberau (Bahnlinie München nach GAP).

TOUR:

Gehzeit: 5 bis 5,5 Stunden, Höhenunterschied: ca. 900 Meter. Anforderungen: Gut markierte Bergwege. Im Gipfelbereich ganz leichte Felsstellen, etwas Trittsicherheit erforderlich. (Der Gipfel kann auch umgangen werden.)
Vom Parkplatz Schildern „Brunnenkopf“ folgen. Vom breiten Weg bald rechts ab (Ww. „Pürschling“). Zwei Mal eine Forststraße kreuzend aufwärts. Bei nächster Wegbiegung links: "Brunnenkopf“ (Maximiliansweg). Nach ca. 30 Min. rechts auf Steig (Ww. „HK“ – Hennenkopf). Markiert durch Farbtupfer/Steinmännchen durch Felsblöcke hinauf. Kurz vor der Kammhöhe links abwärts halten und durch grasige Mulden westwärts auf die Felsinsel des Hennenkopfs zu. Links unter dem Gipfelbau hindurch. Bei einem Schild, das in Gegenrichtung „Pürschling“ weist, rechts auf Steig abzweigen, der durch abenteuerliche Felsszenarien auf den Gipfel des Hennenkopfes (1768 m) führt. Zurück auf den Steig und auf ihm nach rechts, weiter westwärts. Bald links abwärts halten und zurück zum Maximiliansweg. Auf ihm rechts zur Wegverzweigung mit dem Reitweg. Hier gleich links hinab nach Linderhof oder rechts in gut 15 Minuten zur Einkehr an den Brunnenkopfhäusern (1602 m). Von dort wieder zurück und auf dem Reitweg nach Linderhof.

TIPPS:

Schloss Linderhof:
April bis 15. Okt. täglich 9-18 Uhr. Eintritt 8 Euro (Kinder und Jugendliche bis 18 frei).

Brunnenkopfhäuser; Mai bis Oktober, Übernachtung. T.: 0175/6540155;

www.dav-bergland.de/Brunnenkopf.html

VON CHRISTIAN RAUCH

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