+
Das Spiel mit den Kräften: Auf den richtigen Rhythmus kommt es beim Skifahren an.

Der Winter kann kommen

So kommen Sie sicher über die Piste

Auf den Gletschern sind die ersten Schwünge schon möglich, und auch die heimischen Skigebiete starten bald in die Saison. Wer sich nach mehrmonatiger Pause erstmals wieder auf Skier stellt, sollte ein paar Tipps beherzigen, damit der persönliche Start in die Skisaison gelingt.

Vielleicht haben Sie sich von den morgendlichen Panoramabildern im Wetterfernsehen mit glitzerndem Schnee inspirieren lassen und sagen sich: Na endlich – auf geht’s! Gemach, der erste Skiausflug will gut geplant sein.

Bindungs-Check

Möglicherweise haben Sie ihre Ausrüstung im April in eine Kellerecke geräumt und seitdem nicht mehr angerührt? Höchste Zeit also für einen umfassenden Material-Check: Sind die Kanten geschliffen und der Belag (heiß) gewachst? Funktioniert die Sicherheitsbindung hundertprozentig? Stimmt die Bindungseinstellung noch?

 „Einige Wochen oder Monate, die Ski über den Sommer im Keller stehen, können genügen, um die Funktion der Bindungsapparate zu beeinträchtigen. Aber auch durch den Gebrauch und die daraus resultierende Abnutzung von Bindung und Skischuhen verändern sich die Auslösewerte mitunter rasch“, erklärt Andreas König, Sicherheits-Experte vom Deutschen Skiverband (DSV). „Selbst Veränderungen des Körpergewichts des Skifahrers oder seines skifahrerischen Könnens reichen aus, dass die Einstellungen vom Vorjahr wortwörtlich ,Schnee von gestern‘ sind.“ König empfiehlt, mindestens einmal pro Jahr Skier (und Schuhe) vom Fachhandel überprüfen zu lassen. Davon, mit einem Schraubenzieher selbst an der Bindung herumzubasteln, rät der dringend ab: „Die exakte Einstellung hängt von zu vielen Faktoren ab.“

Kleidung

Gerade bei Kindern kann es schnell passieren, dass sie aus den Skistiefeln herausgewachsen sind. Aber auch Handschuhe oder Helm vom vorherigen Winter passen nicht mehr. Wer Chaos am ersten Skitag vermeiden will, unterzieht auch die Kleidung einer Prüfung sowie, auch wenn die Größe noch stimmt, die Skischuhe: Sind zum Beispiel alle Schnallen in Ordnung? Apropos Kleidung: Anders als im Februar, wenn der Körper sich an die Kälte gewöhnt hat, fehlt zu Saisonbeginn oft das Gefühl für die richtige Temperierung. Zu dick oder zu dünn angezogen? Frieren ist genauso unangenehm wie schwitzen. Und vermeidbar: Wer seine Funktionskleidung nach dem Zwiebelprinzip schichtet und einen kleinen Rucksack mitnimmt, kann etwas an- oder ausziehen – und sich so an die Wohlfühltemperatur herantasten.

Fitness

Nicht jeder hat das vom DSV empfohlene „Sommertraining für Wintersportler“ absolviert. Aber vielleicht ein bisschen was für Kraft, Koordination und Kondition getan? Als Ergänzung nennt das Bundeslehrteam Alpin des DSV neun Übungen, die Sie vor dem ersten Skitag noch machen sollten:

-Dreimal drücken Sie sich je eine Minute mit geradem Rücken an eine Wand; Hüft- und Kniewinkel betragen jeweils 90 Grad.

-10 bis 15 Sprünge (beidbeinig) in die Höhe; die Serie dreimal wiederholen.

-Treppenstufen so oft wie möglich hinauf- und hinuntergehen.

-Auf einer Bordsteinkante balancieren, vorwärts und rückwärts.

-Auf einem Bein stehen, jeweils 30 Sekunden (mal mit geschlossenen, mal mit offenen Augen) – gute Übung beim Zähneputzen.

-Zwei kleine Bälle parallel nach oben werfen und mit überkreuzten Unterarmen wieder fangen.

-Seilspringen: 40 Mal pro Minute, Serie dreimal wiederholen.

-Erst eine Liegestütze, direkt danach ein Strecksprung – zehn Wiederholungen in 45 Sekunden.

-Sprints und Slalomläufe in Joggingrunden integrieren.

Aufwärmen

Sie haben sich und die Ausrüstung in Form gebracht, die Sonnencreme schon daheim oder im Tal aufgetragen, die Liftkarte gekauft: Der erste Skitag der Saison beginnt! Idealerweise beobachtet Sie schon bei der ersten Bergfahrt genau die Pisten: Sind die Schneeverhältnisse eisig oder griffig (oft schon an den Fahrgeräuschen der anderen zu hören), wie voll ist es auf der Piste? Nach dem mentalen Aufwärmprogramm bringen Sie den Kreislauf in Schwung – mit lockeren Bewegungen für den ganzen Körper, beispielsweise Hüpfen auf der Stelle und Armkreisen.

Die ersten Abfahrten

Die schwarzen Pisten und der Tiefschnee laufen Ihnen nicht davon – in der Ruhe liegt die Kraft. Also: moderat anfangen. Denn am Anfang geht es darum, ein Gefühl zu entwickeln für den Bewegungsfluss beim Kurvenfahren und das Zusammenspiel der Körperbewegungen. Dazu Tipps vom DSV-Bundeslehrteam:

-In Gedanken einen Rhythmus für die Kurven entwickeln, indem man sich zum Beispiel „hopp-hopp“ vorspricht.

-In diesem Rhythmus mittelgroße Schwünge mit der Breite von zwei Pistenraupenspuren fahren.

-Die Schwünge variieren, die Kurven auf die Breite einer Pistenraupe verengen.

-Wichtig: Zu Beginn des Skitags jede Möglichkeit nutzen, Beine und Fußsohlen zu aktivieren – beispielsweise mit betont aktiver Beinarbeit bei Abfahrten oder intensivem Schlittschuhschritt auf den letzten Metern zum Lift.

Verfeinerung

Sind die ersten Abfahrten erfolgreich absolviert, wird die Koordination der Bewegungen verfeinert – mit diesen Übungen:

-Beidbeinig gerade auf den Skiern stehen und die Richtungen der Fußsohlenbelastung bewusst spüren.

-Zwischen den Kurven die Belastung auf beide Fußballen verlagern, in den Kurven auf die Fußsohlen.

-Spüren Sie dabei, wie Ihr Schienbein in der Kurve gegen den Schuh drückt.

-Halten Sie die Skistöcke beim Kurvenverfahren parallel zur Pistenoberfläche vor Ihren Körper – das schult die Koordination.

-Die Stöcke unter den Griffen und den Oberkörper in Kurven ruhig halten, dabei mit den Augen einen Punkt im Tal fixieren.

Start in die Skisaison! Gletscher-Openings und Festivals

Start in die Skisaison! Gletscher-Openings und Festivals

Steigerung

Wenn Sie merken, dass das prima klappt, dann steigern Sie das Tempo und bewegen sich noch aktiver, um die Kurvenkräfte zu beherrschen. Die Tipps vom DSV-Bundeslehrteam für den fortgeschrittenen Saisonstarter:

-Fahren Sie ohne Stöcke – die Hände mal in Vorhalte-Position, mal an den Hüften.

-Fahren Sie am Pistenrand über kleine Schneehaufen und halten dabei immer Bodenkontakt, indem Sie auf den Hügelspitzen die Fußballen belasten.

-Steigern Sie das Tempo und versuchen, dies im steileren Gelände mit höherer Körperspannung zu kontrollieren.

-Nehmen Sie eine bewusst tiefe Körperposition ein und fahren mit breiter Skistellung in unterschiedlichen Radien.

-Legen Sie sich in die Kurve wie ein Motorradfahrer und spielen Sie mit den Kräften.

Und danach? Auf Alkohol am Berg verzichten Sie lieber – fürs Aprés-Weißbier gibt’s auch Gelegenheiten im Tal. Oder daheim. Vielleicht kribbelt es am nächsten Tag im ein oder anderen Muskel. Ist diese Malaise verschwunden, kribbelt es im Kopf – die Vorfreude auf den nächsten Tag im Schnee spukt herum. Denn, so hat es Wolfgang Ambros treffend besungen: „Schifoan is des Leiwandste."

Martin Becker

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare