+

So kommen Sie auf Touren

Skitourengehen ist zurzeit der aufstrebendste Wintersport. So haben die Sportgeschäfte in Garmisch- Partenkirchen im vergangenen Winter erstmals mehr Tourensets als Pistenski verkauft.

Neben der umfangreichen Ausrüstung ist vor allem die Lawinengefahr eine Hürde beim Einstieg ins Skibergsteigen. Die tz zeigt, wie sie auf Touren kommen können – zum Beispiel bei Schnupperkursen, wie sie von Bergschulen oder auf Skitourenfestivals angeboten werden.

Schauplatz: Das Vaude-Skitouren- Opening Mitte Januar im Kleinwalsertal. Die Helden: Bergführer Toni (45) vom Lehrteam des Deutschen Alpenvereins sowie fünf Skitourennovizen. Darunter Tim (26) vom Niederrhein, der seine Freeride-Abenteuer durch Anstiege verlängern möchte. Oder Michael (41) aus München, dessen Spezln schon Tourengeher sind.

Unter strahlend blauem Himmel im frisch verschneiten Talschluss erklärt Toni die beim Opening geliehene Ausrüstung: wie man die Steigfelle montiert, wie eine Tourenbindung funktioniert… Tim hat schon einen Lawinenkurs absolviert, der Rest erhält eine Einführung in den Umgang mit dem Verschüttetensuchgerät. Ein Blick auf den Lawinenlagebericht beruhigt: Stufe 1, geringe Gefahr. Toni erläutert die Zusatzinformationen wie „kammnahes Steilgelände“ oder „Exposition“. Noch Fragen? Dann los!

Auf einem Forstweg geht es zunächst sanft bergan. An einem zugeschneiten Bach biegt die vorgetrampelte Aufstiegsspur nach rechts einen Hang hinauf – Michael schaut, als höre er seinen inneren Schweinehund knurren. Bald ist das Gelände so steil, dass man nur nochmitSpitzkehrendieRichtung ändern kann. Akrobatik auf Ski.

Jenseits der Schattengrenze wandern die Anoraks in den Rucksack. Markus (32), der mit Pisten-Skistiefeln unterwegs ist, klebt die ersten Blasenpflaster an die Ferse und wundert sich über die Punkte am Berg: „Sind hier immer so viele Tourengeher unterwegs?“ Stephan (59) ist frei von Wehwehchen und bricht sein Schweigen: „Das Aufsteigen ist angenehmer als gedacht – fast meditativ.“

Nach etwa 650 Höhenmetern, am Vorgipfel der Güntlespitze (2092 Meter), lässt Toni es gut sein. Felle abziehen und dann Brotzeit in strahlender Sonne. Bei der Abfahrt besteht der Skiführer trotz der geringen Lawinengefahr auf Entlastungsabstände. Das tut dem Spaß im Pulverschnee keinen Abbruch. Freerider Tim entfährt ein „geil!“ Zurück im Tal, bei Kaffee und Kuchen, bremst Toni die Euphorie: „Tourengehen lernt man nicht an einem Tag!“ Doch es hat genügt, um fünf Neulinge auf den Geschmack zu bringen.

Weitere Information:

www.alpine-wintersportschule.de

www.vaude.com

Der ideale Berg zum Lernen

Der 1450 Meter hohe Unternberg bei Ruhpolding: ein ideales Terrain für Skitoureneinsteiger. Zum einen, weil man dort im gesicherten Bereich einer kaum befahrenen Piste Spitzkehren üben, Ausdauer trainieren oder die Abfahrtstechnik verbessern kann. Zum anderen, weil dort kürzlich der Dynafit- Skitourenlehrpfad eröffnet wurde, der erste seiner Art in Bayern.

Die Profis von der Bergschule Chiemgau haben elf Infotafeln gestaltet, die entlang des 650 Höhenmeter messenden Aufstiegs von der Tal- zur Gipfelstation aufgestellt sind. Sie vermitteln die Theorie des Skitourengehens: von der Spuranlage über Schneekunde bis hin zu den Alpenvereins- Richtlinien des umweltfreundlichen Skibergsteigens. Die letzte Station bildet das Ortovox- Trainingscenter: Auf einer Almwiese lässt sich der Umgang mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät trainieren; die Schalttafel für die vergrabenen Übungssender kann man am Berggasthof ausleihen.

Angesichts der Fülle von Informationen empfiehlt Walter Lang von der Bergschule Chiemgau, den Lehrpfad zunächst mit einem Skiführer abzugehen; 38 Euro kostet so eine eintägige Einführung in der Gruppe pro Person. „Danach sollte man sich zur Wiederholung immer wieder mal zwei, drei Tafeln pro Tourentag genauer anschauen“, sagt Walter Lang zur tz. Übrigens verleihen mehrere Sportgeschäfte in der Region Skitourenmaterial zum Ausprobieren.

Weitere Infos im Internet (www.unternberg.de, www. bergschule-chiemgau.de) oder telefonisch bei der Bergschule: 0 86 63/653.

Auch interessant

Kommentare