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Der romantische, nördlich von Münsing gelegene Buchsee bietet die Abkühlung, nach der Radler bei sommerlichen Temperaturen lechzen.

Radler mit Maß

Kultur und Baden rund um Aufkirchen

So könnte es doch immer laufen: Schwungvoll aufs Radl gesetzt, um nur noch bergab zu düsen. Doch leider funktioniert die Welt so nicht. Und so erkauft man sich die rasante Abfahrt hinter Aufkirchen mit einer knackigen Steigung über Farchach bis Mörlbach.

Wenigstens sind die Wege – mal Sträßlein, mal Forstwege – perfekt, so dass man gut gelaunt in den Stephaniweg einbiegt, wo das erste Ziel der heutigen Kultur- und Badetour liegen müsste: das Stephanskircherl. Zur Sicherheit fragen wir einen Knirps. „Ihr mögds d’ Kiach oschaugn? Do miasst’s zu meina Oma“, kräht er in schönstem Bairisch, „de hod an Schlüssl“. Er zeigt den Weg, und wirklich, eine ältere Frau händigt einen klobigen Schlüssel aus und beschreibt die Route zur Kirche.

Verblasste Noblesse

St. Stephan liegt in einem kleinen Wäldchen. Die schlichte Architektur hat sich hervorragend erhalten. Im Inneren ist der Stifter der spätgotischen Kirche in einem Spruchband verewigt: „Caspar vom Tor zw Eirspurg 1510“. Kunsthistorisch wertvoll sind aber zwei Schnitzwerke: der Hochaltar und der seitliche Verkündigungsaltar. Vollplastiken schmücken den Hauptaltar, es sind die Heiligen Stephan, Jakob und Sebastian. Der Verkündigungsaltar ist ein Retabel von 1480. Der unbekannte Künstler heißt nur „Meister des Mörlbacher Marienaltars“.

Gegenüber der Kirche liegt ein Weiher, daneben stehen einige stuckverzierte ehemalige Herrenhäuser. Überhaupt findet man in Mörlbach mehrere schlossartige Bauten mit Türmchen und Erkerchen, die den Eindruck verblasster Noblesse vermitteln.

In wenigen Minuten erreicht der Radler dann Bachhausen, wo ein gut angelegter Schotterweg immer nach Süden bis Biberkor führt. Dort hält man sich links, bis der Lüßbach zu sehen ist, an dessen Ufer entlang man die Starnberger Straße in Höhenrain erreicht.

Nun empfängt einen schattiger Wald. Und dazu: Steigung, Gefälle, Gefälle, Steigung. Über Stock und Stein führt der wunderbare Weg, der einen allerdings gut ins Schwitzen bringt. Das Anwesen Schwabbruck taucht nun auf. Bald darauf folgen die Hinweistafel zum Buchsee: „1,5 Kilometer links“.

Auf Asphalt radelt man gemütlich an Wiesen vorbei, dann durch den Wald, bis man von einem großen Haus magnetisch angezogen wird. Kein Wunder, lässt sich doch dort der Durst vortrefflich stillen. Auch Kaffee und Kuchen gibt’s im Gasthaus überm Buchsee, und Wiener mit Brot. Haus und See sind zwar in Privatbesitz, aber für einen Euro Eintritt darf man die schöne, etwas abschüssige Liegewiese nutzen.

Der See selbst: reine Idylle. Ruhig und klar liegt er da, von Wald umgeben. Stille. Das Wasser ist angenehm kühl. Gut erfrischt schwingt man sich auf zum zweiten Teil der abwechslungsreichen Radlrunde.

Zurück in Schwabbruck hält man sich zunächst rechts, um nach wenigen Metern links in den Wald hinunter zu fahren. Leicht ansteigend führt der Weg nach Weipertshausen. Eine Sackgasse gleich am Ortsanfang leitet einen zur kleinen Kirche St. Kolomann. Im Jahr 1608 auf einer aussichtsreichen Anhöhe erbaut wird das Barockkircherl zu bestimmten Anlässen wie etwa Maiandachten oder Kirchweih für Gottesdienste genutzt.

Nur zwei Kilometer sind es nach Allmannshausen. Auch hier steht eine besondere Kirche: St. Valentin, früher die Wallfahrtskirche der Flößer von Wolfratshausen. Man tritt durch das spätgotische Turmuntergeschoß und befindet sich sofort im hellen, farbenfrohen Barock- Kirchenschiff. Der prachtvolle Hauptaltar stammt aus dem späten 17. Jahrhundert. Noch heute werden hier romantische Gottesdienste bei Kerzenschein abgehalten.

Auf asphaltiertem Radweg neben der Straße geht es über Assenhausen nach Leoni. Bald erreicht man Berg und erklimmt mit letzter Kraft die Anhöhe nach Aufkirchen. Aber im schattigen Biergarten der „Post“ wartet sie schon, die kühle Maß, die man sich nun redlich verdient hat...

Von Peter Baier

RADLRUNDE STARNBERGER SEE

ANFAHRT

Auto:

A 95 München-GAP, am Dr. Starnberg Richtung Starnberg. Ausfahrt Percha. Über Kempfenhausen nach Berg, dort am Ortsende links hinauf nach Aufkirchen. Gute Parkmöglichkeiten.

Bahn: S-Bahn 6 Richtung Tutzing, Haltestelle Starnberg, per Bus nach Aufkirchen.

RADTOUR

51 Kilometer, 40% Asphaltwege, 60% Forstwege.

Je nach Kondition und Pausen sechs bis acht Stunden.

Von Aufkirchen über Farchach nach Mörlbach, dort Besuch der Kirche St. Stephan. Ein kurzes Stück zurück, dann nach Bachhausen und Biberkor. Dort links zum Lüßbach, diesem folgen bis zur Starnberger Straße am westlichen Ausläufer von Höhenrain, die Straße überqueren, gleich rechts Richtung Gewerbegebiet fahren. Durch den Wald bis zum Weiler Schwabbruck, dort links Richtung Buchsee (Wegweiser). Im Wald nach rechts, nach 200 Metern erscheint ein großes Anwesen, dahinter liegt der Buchsee (Bademöglichkeit). Das kurze Stück nach Schwabbruck zurück, dort den Weg rechts nehmen, nach etwa 150 Metern nach links, nach 200 Metern wieder nach rechts über eine kleine Brücke. Durch den Wald nach Weipertshausen. Schön gelegene Kapelle St. Kolomann. Durch den Wald (Wege sind etwas schwer zu finden), nach Allmannshausen, dort Besuch der Kirche St. Valentin. Asphaltierte Radwege entlang der Straße nach Berg und Aufkirchen.

KARTE

Kompass-Karte 180, Starnberger See.

EINKEHRTIPP

Gasthof-Hotel zur Post

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