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Aus der Einsamkeit in den Rummel: Hinter saftigen Bauernwiesen, gerahmt von den Allgäuer Bergen, taucht plötzlich die Wieskirche auf. 

Saftige Bauernwiesen

Kultur- und Natur-Radlrunde im Pfaffenwinkel

Touren im Pfaffenwinkel umweht ein ganz besonderes Flair. Punktet dieses Gebiet doch mit einer überdurchschnittlichen Dichte an bedeutenden sakralen Bauwerken, gesäumt von einer königlichen Bergkulisse.

Wenn man etwas abseits der üblichen Pfade unterwegs ist, erlebt man einen reizvollen Mix aus Kultur und Natur. Dort, wo die Halbammer aus den Schluchten der Berge herausbricht, liegt in einem waldigen Winkel Unternogg, Ausgangspunkt der heutigen Radtour. Dass die hügelige Landschaft einige Schweißtropfen abverlangt, wird schon nach den ersten Kilometern klar.

Doch der ständige Wechsel zwischen verträumten Hochmooren, markanten Grasbuckeln, Wäldern und Blumenwiesen lässt die Anstrengung völlig vergessen. Auf einer Anhöhe erreicht man das stattliche Gut Schildschwaig. Das Gut ist denkmalgeschützt und es dreht sich alles um Mutterkuh-Haltung. Seit dem Jahr 2000 wird auf dem Hof ökologisch nachhaltig gewirtschaftet. Soll heißen, der Mist landet zunächst in der Biogas-Anlage, wobei Wärme und Strom erzeugt werden und erst danach als Dünger auf den Wiesen.

Juwelen in Bauernwiesen

Zum Gut gehören auch 30 Hektar des westlich angrenzenden Naturschutzgebietes Kläperfilz, eine eiszeitlich geformte Moorlandschaft. Zudem genießt man auf dem weitläufigen Hochplateau einen herrlichen Rundblick über kleine Dörfer und die Ammergauer Alpen, mit den waldigen Trauchbergen. Dann geht’s hinab zum Weiler Schwarzenbach und als Abstecher zu einer der bekanntesten Kirchen des Abendlandes.

Plötzlich taucht sie auf hinter saftigen Bauernwiesen, gerahmt von den pittoresken Allgäuer Bergen: die Wieskirche. Japanische, englische und italienische Wortlaute hallen über den Vorplatz.

Nach dem Besuch des Rokoko-Juwels radelt man das kurze Stück bis Schwarzenbach retour, sogleich bleibt der Touristenstrom zurück, Stille breitet sich aus. Der Weiterweg Richtung Wildsteig führt durch den Ort Holz, vorbei an der Dreifaltigkeitskapelle. Sie ist dem Hl. Johann geweiht, der als Schweiger zur rechten Zeit gilt und mit leisem Glockenläuten zur inneren Einkehr lädt.

Zitronenfalter und Gänseblümchen

Im Auf und Ab gelangt man hinein nach Wildsteig. Etwas versteckt auf der Ostseite der 1785 barockisierten St. Jakob Kirche, befindet sich eine Mariengrotte, die aus Kalktuffsteinen der Ammerschlucht erbaut wurde. Obwohl sie wegen Sanierungsmaßnahmen derzeit nur von außen besichtigt werden kann, ist sie sehr eindrucksvoll. Ein schmaler Weg hinter dem Maibaum führt hinab, schiebend erreicht man die Grotte.

Hinter Wildsteig rollt man wieder sanft bergab über Wiesenflächen und beobachtet Zitronenfalter, wie sie von Gänseblümchen zu Gänseblümchen flattern. Wer mag, legt noch eine kleine Rast ein und peilt das Bankerl vor dem auffallenden Findling am Wegesrand an. Danach zwischen Morgenbach und Unternogg erklimmt die Straße nochmals viele grüne Anhöhen. Versprengt liegende Bauernhöfe fliegen vorbei und der Fahrtwind treibt einem Wiesenblumenduft in die Nase.

Wie praktisch, wenn am Ende der Tour ein Wirtshaus mit Biergarten wartet. Im Forsthaus Unternogg kehrte schon König Ludwig II. während seiner Fahrten durchs Ammergebirge gerne ein und einmal hat er sogar dort übernachtet.

Doris Neumayr

UNTERNOGG – WIES – WILDSTEIG

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau. St 2062 bis Murnau. Weiter über Bad Kohlgrub nach Saulgrub. B 23 Richtung Unterammergau. Rechts nach Altenau. In Altenau den Schildern „Forsthaus Unternogg“ folgen, beschilderter Wanderparkplatz nach dem Forsthaus. Bahn: Bis Bhf. Altenau; www.bahn.de

RADLTOUR – Strecke 22,5 km, 380 Höhenmeter, reine Fahrzeit ca. 2,5 Stunden, befestigte Forst- und Feldwege, meist asphaltierte Fahrwege und wenig befahrende Nebenstraßen, Gebietskarte empfehlenswert.

Verlauf: Vom Parkplatz über die Halbammerbrücke (Ww. Wieskirche, R2). Nach 220 m links auf Forststraße (Ww. Wieskirche-Runde, StU Gut Schildschwaig), Abzweiger ignorieren. Auf einer Moorwiese (Morgenbacher Hof, 894 m) rechts (Ww. Wieskirche-Runde, StU Gut Schildschwaig). Nun 3,3 km entlang an Moorwiesen bis an eine Kreuzung. Geradeaus bergauf zum Gut Schildschwaig auf eine Hochebene (Teerstraße). Die Straße zieht abwärts und passiert vor dem Weiler Schwarzenbach eine Rechtsabzweigung (hier biegt man später ab nach Wildsteig). Jetzt bei Schwarzenbach bergauf zur Wieskirche. Nach dem Abstecher zur Wieskirche zurück nach Schwarzenbach und an besagter Abzweigung Richtung Wildsteig (Ww. Rottenbuch, Wildsteig).

Ein Feldweg führt 1,1 km über Weideland und bald bergab an eine mehrarmige Teerstraßen-Verzweigung (Marterl und Bank). Hier folgt man dem unauffälligen Ww. W4 geradeaus. Entlang an Wiesen erreicht man bergauf den Ort Holz (Dreifaltigkeitskapelle). Nun bergab an eine große Kreuzung vor Wildsteig. Man überquert die Straße, radelt aufwärts nach Wildsteig bis zum Rathaus.

Rechts hinauf „Kirchbergstraße“ (Kirche St. Jakob). Beim Maibaum links (Ww. Morgenbach 3 km). Eine kurze Schiebestrecke führt hinter der Kirche abwärts vorbei an der Lourdes-Grotte. Danach in die „Riedstraße/Oberfeldstraße“ und rechts aufwärts.

Rechts in den „Morgenbacher Weg“. Nach den letzten Häusern abwärts über Wiesen. Den Abzweig beim auffälligen Steinbrocken ignoriert man – geradeaus nach Morgenbach. Hier rechts (Ww. Peustelsau) und bis Peustelsau. Dort geradeaus nach Unternogg zum Ausgangspunkt.

EINKEHR – Forsthaus Unternogg; Tel.: 08845 / 87 72, Tägl. 11-22 Uhr, Mo Ruhetag; www.forsthaus-unternogg.de

INFORMATION – Tourist-Information Wildsteig, Kirchbergstraße 20a, Tel.: 08867 / 912400; www.wildsteig.de

KARTE – ADAC Wander- und Radkarte, Pfaffenwinkel.

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