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Prächtige Aussichten: Vom Biergarten des Landgasthauses Hub hat man einen Panoramablick, der auch die Berge von Benediktenwand bis Herzogstand umfasst.

Kulturwanderung in Penzberg

Auf Campendonks Spur: Die Magie der Farben

Sonne, Wärme, Licht und Farben einfangen. Weite spüren. Ins Wasserglitzern blinzeln. Stille genießen. So, wie wir uns heute auf diesem gemütlichen Spaziergang regenerieren, so haben es berühmte Künstler vor uns auch schon getan.

Nicht umsonst ist das Voralpenland Wiege des Expressionismus gewesen. Auch die ehemalige Bergwerks- und Arbeiterstadt Penzberg bietet das perfekte Ambiente für kreative Tage. Mit dem Unterschied, dass im Vergleich beispielsweise zu Murnau hier deutlich weniger los ist. 

Dabei hat Penzberg seine eigene Wiesen- und Seenlandschaft und seinen eigenen Superstar der Kunst: Heinrich Campendonk (1889-1957). Der Jüngste aus dem Umfeld des Blauen Reiters war bisher in den Museen eher nebensächlich behandelt worden, bis man sich hier der magischen Bilder annahm. 2002 gab es die erste Ausstellung „Heinrich Campendonk, Oberbayern – Station Penzberg“: So lautete 1911 das Ziel der Bahnreise jenes jungen Mannes, der voller Hoffnung auf ein kreatives Umfeld seine Krefelder Heimat verließ und mit bester Ausbildung seitens der dortigen Kunstgewerbeschule zu seinen neuen Freunden Franz Marc, August Macke und Wassily Kandinksy stoßen sollte. Er ließ sich im nahen Sindelsdorf nieder und verbrachte seine prägendsten Jahre dort: Bayerische Berge, ländliches Idyll, aber auch das Bergarbeiter-Milieu fanden Eingang in die Bilder. Nach dem Krieg und dem Verlust seiner Freunde zog er bis 1922 nach Seeshaupt. Als Lehrer in Krefeld und Professor in Düsseldorf machte er danach Karriere, musste dann aber in der NS-Zeit nach Amsterdam emigrieren, bekam auch hier eine Professur. Nur seine privaten Werke stellte er seit der Verfemung durch die Nazis nie wieder aus, zog sogar Bilder von Ausstellungen ab. 

Dass jetzt in Penzberg das Lebenswerk des farb- und ausdrucksstarken Malers zu sehen ist, ist einem zähen Ringen um den Nachlass, Sponsoren und umtriebigen Kunstfreunden zu verdanken. Heuer konnte das frühere Bergarbeiterhäuschen, in dem das Museum Platz fand, um einen gewagten Zwillingsbau erweitert werden: Architektur, Stadtgeschichte und der schillernde Künstlerblick auf Penzberg sind einen Besuch wert. Ebenso wie Campendonks Glasfenster in der Kirche. Eine runde Sache ist es deshalb, die Wanderung am Bahnhof zu starten und die Kirche später „mitzunehmen“. Was sich dazwischen entspannt, sind weitläufige Wiesen, die bei der Hubkapelle einen ersten Höhepunkt finden – dahinter immer ein perfektes Bergpanorama. Gleich danach wartet eine kleine, herrlich idyllische Seenplatte. Alle Hauptwege sind radltauglich, selbst der romantische Schilfweg zwischen den Seen. Im Sommer kann man hier baden, im Winter eislaufen und im Herbst die tief stehenden Sonnenspiegelungen bewundern. Einziges Problem auf der Tour: Von den schönen Rastplätzen unterwegs mag man sich gar nicht mehr trennen.

Von Freia Oliv

Kulturwanderung Penzberg

ANFAHRT – Bahn: Regelmäßige Verbindung München – Penzberg über Tutzing. Auto: A 95 München – GAP, Ausfahrt Iffeldorf/Penzberg. In Penzberg über Seeshaupter Str., Karlstr. und rechts ab die Bahnhofstr. bis zum Parkplatz am Bahnhof. 

TOUR – Länge 8 bis 9 km, ca. 2 Std., Schwierigkeit leicht, keine Höhenmeter. Hauptroute sind auch Radwege (für Kinderwagen geeignet), gut beschildert. Verlauf: Start am Bahnhof, in die Philippstr., nach 50m li. in die Alpenstr, gerade weiter ins Westend. Nach der Rechtskurve li. in Kiesweg (kl. Schild, Weg Nr. 1), weiter zum geteerten Radweg, li. ab in Radweg und weiter bis Höhe Bahnüberquerung (beschildert). Hier re. ab in Frauenrainer Weg, nach 50m li. in die Frauenschuhstr. Danach links in die Fischhaberstr, die übergeht in den Wanderweg zur Hubkapelle. Hier gerade vorbei bis zum Gut Hub und gerade auf der Teerstr. weiter. Am Beginn des Campingplatzes kann man optional li. ab in den Forstweg und auf einem Pfad den Strangenweiher umrunden. Hauptroute aber weiter auf der Teerst. (Vordermeier) zum Kirnbergsee. Variante a) – Bei Nässe oder mit Rad / Kinderwagen: Nach Huber-See-Stüberl gerade bis Seeshaupter Str., diese überqueren, re. den Radweg am Troadstadl vorbei zum ersten Kreisverkehr. Hier die Seeshaupter Str. überqueren u. die Ausfahrt nach Südwest in den Teerweg nehmen, der übergeht in den Wanderweg zwischen Huber- und Kirnbergsee. Variante b) – Schöner, aber teils feucht und zugewachsen: Ab Huber-See-Stüberl Schilfpfad am Ostufer des Kirnbergsees bis zum Wanderweg zwischen den Seen, hier re. Beide Varianten gehen auf Weg am Campingplatz vorbei zurück Richtung Gut Hub. Davor li. zur Kapelle, zurück über Fischhaberstr., Frauenschuhstr., Frauenrainerweg bis Bahndamm, davor li. in Radweg bis Seeshaupterstr. Hier re. ab, Karlstr. weiter zum „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“. Weiter bis Realschule (Bergwerksmuseum), Abstecher li. in Philippstr. und Sigmundstr. zur Pfarrkirche Christkönig. Dann re. in Bahnhofstr. bis zum Parkplatz. 

EINKEHR – 1. Landhaus Hub Extra: Mo. Ruhetag. Di.- Fr. 14.30-1 Uhr, Sa 13-1 Uhr, So 11.30-22 Uhr. Tel. 08856/ 935040, www.extra-penzberg.de; 2. Huber See- Stüberl: Di. zu, sonst tägl. 11.30-20 Uhr, So/Fei 10-20 Uhr, bei schönem Wetter bis 22 Uhr; Tel.: 08856/83302.

TIPPS – 1. Museum Penzberg – Sammlung Campendonk, Mi.-So. 10-17 Uhr, Do. 20 Uhr. Tel. 08856/813480, www.museum-penzberg.de; 2. Bergwerksmuseum Penzberg, Di.-Do u. Sa./So. 10-17 Uhr. Tel. 08856/813482, www.bergwerksmuseum-penzberg.de; 3. Pfarrkirche Christkönig, Campendonk-Glasfenster, Ecke Sigmund-/ Bahnhofstr.; 4. Wellenbad Penzberg: Di.-So. 9-21 Uhr, Mo. 9-18 Uhr. T. 08856/813440, www.penzberg.de/wellenbad.html

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