+
Mit dem Mountainbike bis zur Schneegrenze, auf den Gipfel geht es dann mit Tourenski: Frühjahrstour zur 2661 Meter hohen Grubenkarspitze im Karwendelgebirge.

Bike & Ski im Frühjahr

Kurz-Ski als Brücke zwischen den Jahreszeiten

Kurze Hosen, Fahrrad und Skier: Passt das zusammen? Natürlich! Mit dem Mountainbike bis zur Schneegrenze und auf Brettln zum Gipfel – von April bis Juni werden so Gipfel möglich, auf die Wanderer erst später kommen.

Das Szenario variiert in seiner Gegensätzlichkeit jedes Jahr und ist heuer besonders stark ausgeprägt. Während in Tallagen der Frühling Einzug hält, liegt in den Bergen noch sehr viel Schnee, aktuell beispielsweise 2,30 Meter im Karwendel oder 1,50 Meter an der Kampenwand. Zu viel zum Wandern, da man bei jedem Schritt bis zur Hüfte einsinken würde; irgendwann zu wenig für klassische Skitouren vom Parkplatz aus, wenn weiter unten die Ausaperung der Schneedecke zu weit fortgeschritten ist. Mit Kurzskiern und/oder Mountainbike kommen Frühjahrsbergsteiger aber gut zur Schneegrenze und brauchen nicht auf Gipfelbesteigungen zu verzichten.

Manche Gipfel erhalten fast nur dank dieser Kombination Besuch. Die Grubenkarspitze (2661 Meter) im Karwendelgebirge zum Beispiel. Allein 18 Kilometer Strecke sind es von Scharnitz am Isarursprung vorbei bis zum eigentlichen Startpunkt der Tour im sogenannten Roßloch. Wo knackige 1400 Höhenmeter als Krönung warten. Das Flachstück mit dem Mountainbike, das Steilstück mit Skiern: In nur zehn Stunden (hin und zurück) lässt sich diese Tour im Frühjahr absolvieren – zu keiner Jahreszeit geht es schneller und besser.

Die Schwierigkeit in puncto Logistik liegt darin, mit einer kompletten Ski- und Lawinenausrüstung Rad zu fahren. Das heißt, die Skier müssen entweder am Rucksack befestigt oder ans Oberrohr vom Fahrrad montiert werden. Weil Radeln mit Skischuhen unangenehm ist, müssen auch diese arretiert werden – am besten gleich in der Bindung. „Das Positive ist, dass vielen der Aufwand zu hoch ist, sodass im Frühjahr per Bike & Ski sehr schöne und etwas einsamere Touren herausspringen“, findet Michael Greulich (43) aus Unterhaching. Sein Tourenspezl Christian Döbler (47) aus Taufkirchen stimmt zu: „Durch den Fahrradeinsatz werden bestimmte Frühjahrstouren deutlich optimiert, weil sich nur so ein sinnvoller Zugang zum eigentlichen Startpunkt ergibt.“ Auch Flori Forster (31) aus Otterfing sieht das so: „Die langen Talhatscher im Karwendel, aber Zillertal und in der Venedigergruppe, sind für ,Bike & Ski‘ optimal.“ Vor allem rollt es sich bequem zurück.

Bleibt die Frage nach dem bestmöglichen Ski für solche Zwecke. Möglichst leicht sollte er sein, nicht zu sperrig, aber trotzdem guten Abfahrtskomfort bieten. Die Wahl besteht zwischen einem normalen Tourenski, einem möglichst kurzen Tourenski (1,30 Meter, zum Beispiel „Hagan OffLimits“), einem speziellen Kurzski mit vereinfachter Tourenbindung (99 Zentimeter, „Snow-Venture“ von STC) oder Firngleiter, kurz Figl genannt. Der normale Tourenski bietet ein Maximum an Aufstiegskomfort und Abfahrtsgenuss, bereitet aber auch einige Mühsal beim Bike-Transport. Kurzski bieten eine etwas besser zu transportierende Kompromisslösung, und die nicht mal einen Meter langen Kurzski kann man sogar mit steigeisenfesten Bergschuhen fahren. Das erweitert das Einsatzspektrum enorm (Skischuhe müssen nicht extra mitgenommen werden, bei Kletterpassagen passt der Kurzski problemlos an den Rucksack), allerdings taugt nicht jede Schneeart für die 99-Zentimeter-Skier. „Wird der Schnee weich, säuft man damit schnell ab“, weiß Andrea Kullak aus München. „Außerdem erfordert das Fahren mit Bergstiefeln einiges an Übung, weil sie nicht so viel Führung geben.“

Ideal für Kurzski (auf denen man etwas wackelig steht) ist ein gut komprimierter Sommerfirn, der auch bei wärmeren Temperaturen einigermaßen konsistent bleibt – diese Verhältnisse trifft man oft erst im Juni an. Oder ab Mitte April, wenn Skigebiete ihre präparierten Kunstschneepisten schließen.

Apropos Kunstschneepisten: Statt mit dem Fahrrad lassen sich diese mit Kurzski und Bergstiefel nach Ostern auch prima zu Fuß erreichen – für Einsteiger oder Schneeschuhwanderer, die Richtung Tourengehen umsteigen möchten, ein gutes Übungsterrain.

Ansonsten trifft wohl das Fazit von Andrea Kullak den Kern: „Einen idealen Ski für Frühjahrstouren gibt es nicht“, sagt sie. „Aber trotz aller Schwierigkeiten macht es immer immens Spaß.“ Die Münchnerin hat sich ihren Spezialski übrigens selbst gebastelt – indem sie eine alte Skitourenbindung auf Snowblades schraubte.

Martin Becker

Video und Infos: Ein Video zu Kurzskiern ist unter www.stc-swiss.ch zu sehen. Andrea Kullak hat auf ihrer Webseite www.obadoba.de allerlei Gebirgiges zusammengetragen. Schöne Skitouren-Impressionen zeigt Flori Forster bei www.alpinfotos.de.

Auch interessant

Kommentare